Dunkle Wolken über dem Clara-Schumann-Gymnasium: Die Bezirksregierung will die dauerhafte Vierzügigkeit des Holzwickeder Gymnasiums nicht genehmigen. (Foto:P. Gräber - Emscherblog)

Anmeldezahlen reichen nicht: Zukunft des Clara-Schumann-Gymnasium ist dreizügig

Dunkle Wolken über dem Clara-Schumann-Gymnasium: Die Bezirksregierung will die dauerhafte Vierzügigkeit des Holzwickeder Gymnasiums nicht genehmigen. (Foto:P. Gräber - Emscherblog)
Auch mit den einpendelnden Kindern aus Dortmund reichen die Anmeldezahlen nicht. Das Holzwickeder Clara-Schumann-Gymnasium bleibt in den nächsten Jahren dreizügig. (Foto: P. Gräber – Emscherblog)

Zwar kann das Clara-Schumann-Gymnasium im Wege einer allerletzten Ausnahmegenehmigung zum nächsten Schuljahr noch einmal vier Eingangsklassen bilden. Doch die Zukunft des Holzwickeder Gymnasiums ist ab 2022 dreizügig – zumindest für die nächsten Jahre. Das machte die Verwaltung im Schulausschuss am Mittwochabend (16.6.) deutlich.

Dabei ist die politische Willensbekundung nach wie vor eindeutig und unverändert: Einstimmig hatten die Fraktionen im Februar die Vierzügigkeit des Clara-Schumann-Gymnasiums beschlossen und die Verwaltung aufgefordert, mit der Stadt Dortmund eine Schulvereinbarung anzustreben, nach der die Nachbarstadt auf die Beschulung Dortmunder Kinder in ihren eigenen Schulen im Südosten verzichtet (Emscherblog berichtete). So sollte die Vierzügigkeit des Clara-Schumann-Gymnasiums sichergestellt werden. Denn im Schnitt pendeln 20 bis 25 Kinder aus der Nachbarstadt jedes Schuljahr nach Holzwickede ein.

Auch Einpendler aus Dortmund reichen nicht

Doch wer geglaubt hat, die alljährliche „Wackelpartie“ um die Drei- oder Vierzügigkeit am CSG sei damit beendet, sieht sich nun getäuscht: Auch mit den Einpendlern aus Dortmund erreicht das CSG bis zum Schuljahr 2029/30 allen Prognosen nach nicht die für eine Vierzügigkeit geforderte Mindestzahl von 108 Schülerinnen und Schüler.

„Das ist sehr bedauerlich, aber die Zahlen sind eindeutig“, so Holzwickedes Beigeordneter, Bernd Kasischke. „Wir können froh sein, dass wir noch einmal eine Ausnahmegenehmigung für das kommenden Schuljahr bekommen haben.“ Dafür liegen nur 95 Anmeldungen vor.

„Wir können froh sein, dass wir noch einmal eine Ausnahmegenehmigung für das kommenden Schuljahr bekommen haben.“

– Bernd Kasischke (Erster Beigeordneter)

Für die acht Folgejahre bis 2029/30 sagt der Schulgutachter Dr. Habeck zwischen 106 und 95 Anmeldungen voraus, wobei davon jeweils 25 Kinder aus Dortmund sowie fünf weitere aus anderen Kommunen kämen. Die Stadt Dortmund, die nach Aussage des Holzwickeder Beigeordneten über eine „enge Schullandschaft“ verfügt und darum der Gemeinde gerne Schüler überlassen hätte, geht mit ihrer eigenen Prognose übrigens nur von 21 Kindern im Mittel aus, die nach Holzwickede einpendeln würden.

Enthalten sind in diesen Zahlen auch, wie die Verwaltung auf Nachfrage von Dieter Buckemüller (CDU) bestätigte, auch die Schüler mit besonderem Förderbedarf, die das CSG als Schule des Gemeinsamen Lernens aufnehmen muss.

Zwar bekräftigten alle Fraktion im Schulausschuss gestern erneut ihren Wunsch nach einer Vierzügigkeit für das CSG. Doch Realität sieht eben anders aus: „Die für eine dauerhafte Erhöhung der Vierzügigkeit am Clara-Schumann-Gymnasium geforderte Mindestgröße von 108 Schülerinnen und Schüler ist derzeit nicht darstellbar“, stellt die Verwaltung fest. „Ein entsprechender Antrag hätte keine Aussicht auf Erfolg. Daher ist zunächst ab 2022 von einer Dreizügigkeit auszugehen.“  

Lehrer und Eltern besorgt

Nun wäre ein dreizügiges Gymnasium normalerweise auch gar kein Problem.  Das Clara-Schumann-Gymnasium ist allerdings eine Schule des Gemeinsamen Lernens und muss bei jedem neuen Jahrgang einige Plätze für Schüler mit besonderem sonderpädagogischen Förderbedarf reservieren (maximal drei pro Klasse), wie die Schulleiterin Andrea Helmig-Neumann erläuterte. Deshalb könnte bei nur drei Eingangsklassen die Situation entstehen, dass andere Schüler abgelehnt werden müssen. Mit der Konsequenz, dass die Oberstufe kleiner wird mit noch geringeren Wahlmöglichkeiten. Dies alles sei „ein Thema, das uns tagtäglich beschäftigt“, sagte Helmig-Neumann. Wobei Lehrer und Eltern gleichermaßen „sehr besorgt“ seien.

 Die Schulverwaltung sieht eine vorübergehende Dreizügigkeit offenbar nicht ganz so dramatisch: „Wir teilen ja alle die Hoffnung, dass es langfristig doch noch zu einer Vierzügigkeit reicht“, so Bernd Kasischke. „Ich denke nicht, dass eine Abwärtsspirale ins Nichts einsetzt, wenn das CSG zwischendurch einmal zwei oder drei Jahre nur dreizügig ist.“

Erweiterungsbau fällt kleiner aus

Einige unmittelbare Konsequenzen wird die Dreizügigkeit aber dennoch haben: So wird die Gemeinde zunächst sicherstellen müssen, dass vorrangig auswärtige Schüler abgelehnt werden dürfen, wenn am Holzwickeder Gymnasium nicht mehr alle Bewerber eines Jahrganges aufgenommen werden können.

Schließlich wird die Dreizügigkeit selbstverständlich auch auf den geplanten Erweiterungsbau am CSG Auswirkungen haben, wie der Beigeordnete bestätigte. Es werde nun weniger Klassen- und Gruppenräume geben, so Kasischke. Mit Blick auf eine mögliche erneute Vierzügigkeit soll die Planung aber variabel bleiben. Der Planungsauftrag dazu soll zeitnah erteilt werden.

CSG, Schulausschuss


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

Comments (3)

  • Da wird einmal mehr deutlich, dass es politisch vor vielen Jahren die falsche Entscheidung war, statt der Errichtung einer Gesamtschule mit Integration der Josef-Reding-Hauptschule ein Gymnasium zu gründen. Der Blick nach Fröndenberg kann da die Augen öffnen. Eine Gesamtschule als einzige weiterführende Schule vor Ort hält mehr als 90% der Kinder und Jugendlichen vor Ort. Das Auspendeln zur Realschule nach Massen und zu den Gesamtschulen oder anderen Schulen in Unna wäre auch in Holzwickede deutlich geringer oder vernachlässigbar und die Zügigkeit der Schule wäre gar kein Aufreger.
    Jetzt heißt es daher aber, sich mit den Gegebenheiten abfinden. Das Schönrechnen von Zahlen hilft nichts, natürlich ganz abgesehen davon, dass Kinder und Jugendliche niemals bloße Zahlen sein dürfen.

  • Guten Morgen Herr Frank,
    sehr richtig, genau diese Meinung habe ich vor 27 Jahren auch vertreten. Leider fand ich in meiner damaligen Partei der SPD keine Unterstützung. LG

  • Jetzt ist es ja so, dass nicht jedes Kind die Unter- und Mittelstufe schaft und ggf. einige aus eigen Antrieb auf ein anderes Gymnasium mit größerem Angebot wechseln. Mag sein, dass auch Kinder nach der 10. Klasse hinzukommen. Gibt es dazu Zahlen aus den letzten Jahren?

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