Prozessauftakt: Mitschüler zum Sex gezwungen und mit Video erpresst

Die Vor­würfe gegen die beiden Ange­klagten, die sich seit heute (12.4.) vor der 31. Großen Straf­kammer beim Land­ge­richt Dort­mund zu ver­ant­worten haben, wiegen schwer: Der 40 Jahre alte H. aus Dort­mund soll sich in der Zeit von Februar bis Oktober 2013 in Dort­mund der räu­be­ri­schen Erpres­sung, Dro­hung und Nöti­gung in einem beson­ders schweren Fall, mög­li­cher­weise auch einer Ver­ge­wal­ti­gung schuldig gemacht und sich kinder- bzw. jugend­por­no­gra­fi­sche Schriften ver­schafft haben. H. hat ein langes Regi­ster ein­schlä­giger Vor­strafen und sitzt seit Oktober 2015 in Unter­su­chungs­haft.

Dem zweiten Ange­klagten, dem 19-jäh­rigen A. aus Holzwickede, wirft die Anklage Bei­hilfe zu den genannten Straf­taten vor. Zudem soll sich A. der Frei­heits­be­rau­bung schuldig gemacht haben.

19-Jähriger Holzwickeder der Beihilfe beschuldigt

Kon­kret soll der 40-jäh­rige H. im Februar 2013 den damals noch min­der­jäh­rigen Holzwickeder A. beauf­tragt haben, ihm einen gleich­alt­rigen männ­li­chen Jugend­li­chen zuzu­führen, weil H. plante, mit diesem Jugend­li­chen dann einen por­no­gra­fi­schen Film zu drehen. A. soll dar­aufhin einen Mit­schüler zu H. geführt haben, ohne dass dieser Jugend­liche wusste, worum es ging. In der Woh­nung von H. in der Lager­haus­straße in Dort­mund soll A. dann Tür ver­rie­gelt und den Jungen mit H. im Zimmer ein­ge­schlossen haben.

In der Woh­nung soll H. den min­der­jäh­rigen Jugend­li­chen bedroht und gezwungen haben, sich zu ent­kleiden. Anschlie­ßend soll H. den Jugend­li­chen zunächst gezwungen haben, sexu­elle Hand­lungen an sich selbst vor­zu­nehmen, bevor er sich schließ­lich an ihm ver­ging. Das ganze Geschehen wurde außerdem von H. gefilmt.

Etwa zwei Wochen später, so die Staats­an­walt­schaft, soll der Ange­klagte H. dann den min­der­jäh­rigen Jugend­li­chen ange­rufen und auf­ge­for­dert haben, sich erneut bei ihm in der Woh­nung in Dort­mund ein­zu­finden. Andern­falls werde er das Video von ihrem ersten Zusam­men­treffen auf Face­book und in anderen sozialen Medien ver­breiten, so dass alle Freunde und Bekannte des Jugend­li­chen davon erfahren, was bei dem Treffen pas­siert sei. Derart unter Druck gesetzt, traf sich der Jugend­liche erneut mit H., wobei sich dieser wieder an ihm ver­ging und das als Video fest­hielt.

Angeklagter H. mit zahlreichen einschlägigen Vorstrafen

Schließ­lich soll es H. nicht bei der sexu­ellen Nöti­gung belassen haben, son­dern den Jugend­li­chen auch noch erpresst haben: Ent­weder er zahle 3.000 Euro an H. oder er werde den Film mit den Nackt­szenen des Jugend­li­chen überall im Internet ver­breiten. In einer Nach­richt auf dem Anruf­be­ant­worter bedrohte H. den Jugend­li­chen außerdem mit dem Tod. Schließ­lich postete er im Oktober 2013 dann auch noch ein Video und Screen­shots des nackten Min­der­jäh­rigen in einem Chat­room.

Dass dieses Ver­fahren über­haupt vor dem Land­ge­richt und nicht vor dem Jugend­schöf­fen­ge­richt oder Amts­ge­richt statt­findet, wird mit der Straf­er­war­tung für die Ange­klagten begründet, die bei einem Schuld­spruch nicht unter zwei Jahren liegen wird.

Verteidigung zweifelt Glaubwürdigkeit des Zeugen an

Gegen die Über­nahme des Ver­fah­rens durch die 31. Große Straf­kammer machte die Ver­tei­di­gerin von H. jedoch heute erneut Ein­wände gel­tend. Sie bean­tragte die Aus­set­zung des Ver­fah­rens sowie die Auf­he­bung des Haft­be­fehls gegen den Ange­klagten H.. Wie schon zuvor im Ver­fahren begrün­dete die Ver­tei­di­gung dies damit, dass der miss­brauchte Jugend­liche, auf dessen Zeu­gen­aus­sage sich die Anklage im Wesent­li­chen stützt, zahl­reiche wider­sprüch­liche Angaben in seiner Aus­sage gemacht habe und unglaub­würdig sei. Es gebe von daher erheb­liche Zweifel an dem erleb­nis­ba­sierten Bericht des Zeugen. So habe H. zur Tat­zeit im Jahr 2013 gar nicht mehr in der Lager­haus­straße gewohnt, son­dern in einer anderen Woh­nung in Dort­mund. Zudem sei der Jugend­liche als Zeuge moti­viert gewesen, H. zu bela­sten, denn er habe unter einem erheb­li­chen Recht­fer­ti­gungs­druck gegen­über seiner Mutter und seinen Mit­schü­lern gestanden, nachdem das Sex-Video von ihm publik geworden war. Die Ver­tei­di­gung bean­tragte des­halb ein psy­cho­lo­gi­sches Gut­achten ein­zu­holen, inwie­weit die Aus­sage des Jugend­li­chen unter Zwang erfolgt und über­haupt glaub­würdig sei.

Das Gericht kün­digte dar­aufhin an, über die Anträge der Ver­tei­di­gung binnen einer Woche beraten und ent­scheiden zu wollen. Die Ver­hand­lung gegen die beiden Ange­klagten wird danach fort­ge­setzt.

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