Der Sammler und Verleger Thomas B. Schumann neben einem seiner Lieblingsbilder, "Junge am Meer" (ohne Jahrgang) des in Dortmund geborenen Malers Hans Tombrock. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)

Museum Haus Opherdicke zeigt: „NACH NORDEN“ – Deutsche Künstler im skandinavischen Exil

Der Sammler und Verleger Thomas B. Schumann neben  einem seiner Lieblingsbilder, "Junge am Meer" (ohne Jahrgang) des in Dortmund geborenen Malers Hans Tombrock. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Der Sammler und Verleger Thomas B. Schumann neben einem seiner Lieblingsbilder, „Junge am Meer“ (ohne Jahrgang) des in Dortmund geborenen Malers Hans Tombrock. (Foto: P. Gräber – Emscherblog)

Der Kreis Unna setzt seine Ausstellungen auf Haus Opherdicke fort und richtet den Blick dabei gen Skandinavien: „NACH NORDEN“ ist die Ausstellung überschrieben, die ab kommenden Sonntag (8. März) noch bis zum 9. August im Museum Haus Opherdicke zu sehen sein wird. Präsentiert werden darin deutsche Künstlerinnen und Künstler mit Bezug zum skandinavischen Exil. „NACH NORDEN“ mit Leihgaben aus der Sammlung Memoria Thomas B. Schumann und von Ann Böttcher richtet den Blick in eine Himmelsrichtung, die gleichzeitig eine Bewegungsrichtung war für die Künstlerinnen und Künstler der Moderne, von denen sehr viele vor den fanatischen Populisten des nationalsozialistischen Regimes ins Exil nach Schweden, Norwegen, Finnland oder Dänemark flüchten mussten.

Sammlung Memoria von Thomas B. Schumann

Dass mit dieser Gruppenausstellung der Fokus auf einen nach Norden ausgerichteten Auswanderungsstrom gelegt wird, entspringt einerseits dem Sehnsuchtsort Skandinavien, mit seinem ganz eigenen Licht, wie Stefanie Kettler, Leiterin der Stabsstelle Kultur des Kreises und die beiden Kuratoren Sally Müller und Arne Reimann heute beim Pressetermin mit Thomas B. Schumann erläuterten. Andererseits geht man damit auch dem gezielten Interesse an der außergewöhnlichen Exil-Sammlung Memoria von Thomas B. Schumann nach, aus deren Fülle von über 800 bildenden Kunstwerken eine thematisch orientierte Auswahl im Museum Haus Opherdicke ausgestellt ist. Die weitaus meisten von ihnen waren von den Nazis Verfolgte.

Aber auch die Vielzahl der damals wie heute nach Norden flüchtenden Menschen wird mit dieser Ausstellung thematisiert.

Dem Sammler selbst, der darüber hinaus noch mehrere 10.000 Bücher, Briefe und Dokumente zu seiner Sammlung zählt, geht es nach eigenem Bekunden vor allem darum, die exilierten Künstlerinnen und Künstler im Bewusstsein und ihre Werke der Nachwelt zu erhalten, wie Thomas B. Schumann heute erklärte. Wert sind sie es allemal, wie die Ausstellung „NACH NORDEN“ eindrucksvoll belegt. Umso unverständlicher, kritisiert Thomas B. Schumann, dass es alle möglichen Museen in Deutschland gibt, sogar für Panzer. Für die von den Nazis ins Exil vertriebenen Künstlerinnen und Künstler und ihre als „entartet“ geächtete Kunst gibt es dagegen kein Museum. Dies zu ändern, daran arbeitet der Sammler und Verleger schon seit Jahren.

Präsentiert werden in der Ausstellung Gemälde und Grafiken von Ernst Martin Benedikt, Otto Ehrich, Erwin Graumann, Eric Johansson, Bruno Krauskopf, Lotte Laserstein, Helga Leiser-Fejne, Rudi Lesser, Rolf Nesch, Hilde Rubinstein Hugo Steiner-Prag, Hans Tombrock, Peter Weiss und Paul Wieghardt aus der Sammlung Memoria von Thomas B. Schumann sowie von zwei Privatsammlungen aus Schweden und der Schweiz. Zudem rundet geliehenes Archivmaterial aus der Sammlung der Berlinischen Galerie und des Fritz-Hüser-Institutes aus Dortmund die Ausstellung ab.

Ebenfalls in der Ausstellung zu sehen: "Lesender Mann auf Veranda" von Lotte Laserstein, 1940er-Jahre, Öl auf Hartfaser. (Foto P. Gräber - Emscherblog.de)
Ebenfalls in der Ausstellung zu sehen: „Lesender Mann auf Veranda“ von Lotte Laserstein, 1940er-Jahre, Öl auf Hartfaser. (Foto P. Gräber – Emscherblog.de)

Zeitgenössische Künstlerin Ann Böttcher

Mit „NACH NORDEN“ wird aber auch die Vielzahl der damals wie heute nach Norden flüchtenmden Menschen thematisiert. Die Werke der in Schweden geborenen und arbeitenden zeitgenössischen Künstlerin Ann Böttcher, die am Sonntag zur Ausstellungseröffnung anwesend sein wird, holen das Thema der Emigration und des Exils zeitlich in die Gegenwart. Durch ihre Collagen aus Artefakten, Quelltexten, überlieferten Fotografien und eigenen Zeichnungen nimmt sie Bezug auf historische Begebenheiten und untersucht das Verhältnis von nationaler Identität und Natur in der deutschen Geschichte. Diese von ihr entworfene visuelle Archäologie zeigt insbesondere den Wald als Projektionsfläche der deutschen Identität während des Dritten Reichs.

Wie immer gibt es ein inhaltlich und thematisch abgestimmtes Rahmenprogramm zur Ausstellung, das mit Führungen, Abendveranstaltungen und Vorträgen, einem Sammlergespräch mit Thomas B. Schumann sowie weitere Kooperationsveranstaltungen über den gesamten Ausstellungszeitraum angeboten wird. Außerdem wird ein erweitertes museumspädagogisches Programm für Schulklassen, Kinder und Senioren angeboten.  

Ausstellungskatalog und Begleitprogramm

Der zur Ausstellung herausgegebene, aufwendig gemachte 200 Seiten starke Katalog enthält neben den Abbildungen der Leihgaben auch wissenschaftlliche Texte, ein Interview mit Thomas B. Schumann, etliche Informationen zu den Künstlerinnen und Künstlern. Deren Lebenswege werden so nicht nur textlich erhellt, sondern ihre Migrationsbewegungen auch grafisch dargestellt. Der im Verlag Kettler erschienene Katalog ist im Museumsshop für 25 Euro und als Buchhandelsausgabe für 28 Euro erhältlich.

Die Vernissage findet am Sonntag (8. März), zum 11.30 Uhr in der Scheune von Haus Opherdicke statt. Es sprechen der Landrat Michael Makiolla, Kreisdirektor Mike-Sebastian Janke und die Leiterin der Stabsstelle Kultur, Stefanie Kettler, die Kuratorin Sally Müller und der Kurator Arne Reimann sowie Thomas B. Schumann. Musikalisch umrahmt wird die Eröffnungsveranstaltung von einem Ensemble der Neuen Philharmonie Westfalen mit Kerstin Grötsch und Tim Kieselhofer. Im Spiegelsaal untermalt Miroslaw Tybora am Flügel und Akkordeon die Ausstellung im Erdgeschoss.

  • Termin: Sonntag, 8. März, 11.30 Uhr, Scheune Haus Opherdicke, Dorfstr. 29

Kunstausstellung, NACH NORDEN


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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