Die geplante Aufstellung von zwei Containern auf dem Schulhof (Foto) wird die Raumnot im Clara-Schumann-Gymnasium nicht beseitigen. Eltern, Schüler und Lehrer deshalb einen langen Brief an die Ratsmitglieder und Bürgermeisterin geschrieben. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)

Digitalisierung und Schulentwicklungsplan: Eltern, Schüler, Lehrer des CSG machen Druck

Die geplante Aufstellung von zwei Containern auf dem Schulhof (Foto) wird die Raumnot im Clara-Schumann-Gymnasium nicht beseitigen. Eltern, Schüler und Lehrer deshalb einen langen Brief an die Ratsmitglieder und Bürgermeisterin geschrieben. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Die geplante Aufstellung von zwei Containern auf dem Schulhof (Foto) wird die Raumnot im Clara-Schumann-Gymnasium nicht beseitigen. Eltern, Schüler und Lehrer haben deshalb einen langen Brief an die Ratsmitglieder und Bürgermeisterin geschrieben. (Foto: P. Gräber – Emscherblog)

Im Mittelpunkt des Schulausschusses am Mittwochabend (16.9.) standen die Entwicklungspläne für Schulen und Medien in den Schulen. Dass die Fortschritte bei der Umsetzung nicht nur „von Einzelnen anders gesehen“ werden, wie es Beigeordneter Bernd Kasischke in der Sitzung andeutete, sondern von der weit über 1.000 Mitglieder zählenden CSG-Schulgemeinschaft kritisch bewertet werden, machte schon das Interesse der zahlreichen Gäste im Ausschuss deutlich. Am Ende der Sitzung überreichte Schulleiterin Andrea Helmig-Neumann dann auch einen sieben Seiten langen Brief der CSG-Schulgemeinschaft an alle Ratsmitglieder und die Bürgermeisterin.

Zuvor hatte Fachbereichsleiter Matthias Aufermann unter dem Tagesordnungspunkt Schulentwicklungsplanung vor allem über die Raumsituation im Schulzentrum berichtet. Danach habe die Verwaltung am 11. und 12. März Gespräche mit den beiden Schulleitungen geführt, um den im Schulentwicklungsplan (SEP) vorgeschlagenen Raumbedarf konkreter zu ermitteln. Als Ergebnis aus diesen Gesprächen wurde festgehalten, dass die Josef-Reding-Schule einen Raum an das Clara-Schumann-Gymnasium abtreten kann. Dies sei von der Verwaltung so aufgefasst worden, dass kein weiterer Raumbedarf besteht und die Anschaffung von Schulraum-Containern entfallen kann, so Aufermann weiter. Erst im Nachgang sei dann von der Schulleitung des Gymnasiums in einem Gespräch am 24. Juni vorgebracht worden, dass zum Schuljahr 2020/21 noch zwei zusätzliche Schulräume benötigt werden und der zusätzlich von der Hauptschule zur Verfügung gestellte Raum nicht ausreichend ist.

Zwei Container als Übergangslösung

Daraufhin sei dann die Aufstellung der beiden Schulraum-Container auf dem Schulhof als Übergangslösung beschlossen worden, um die Raumsituation im Gymnasium zu entspannen (Emscherblog berichtete). Außerdem sei vereinbart worden, dass die Musikschule bis zu den Herbstferien mit ihrem Angebot in das Foyer der Hilgenbaumhalle ausweicht, damit das Gymnasium den Raum der Musikschule mitnutzen kann.

Der tatsächlich erforderliche Raumbedarf am Clara-Schumann-Gymnasium werde gemeinsam mit der Schulleitung ermittelt und dem Ausschuss noch in diesem Jahr vorgestellt, heißt es in der Verwaltungsvorlage.

Wie vom Gutachter Dr. Habeck im SEP festgehalten, werde am Gymnasium weiterer Raumbedarf mit Beginn des Schuljahres 2023/24 entstehen, wenn das CSG vollständig im G9 ankommen wird. „Bis dahin sind auch die beiden Container sicher noch nicht weg“, meinte Bernd Kasischke auf Nachfrage von Dietmar Appel (Die Grünen). „Das kann ich mir jedenfalls nicht vorstellen.“

Bestellung von 362 Endgräten für Schüler und Lehrer

Beim Thema Medienentwicklungsplan (MEP) räumte der Beigeordnete ein, dass die Verwaltung im interfraktionellen Arbeitskreis Digitalisierung „auch viel Kritik bekommen“ habe. Allerdings sei die Digitalisierung von sechs Schulen mit weit über 1.000 Schülern und über 170 Lehrern „auch ein Riesenprojekt“, sagt Bernd Kasischke. „So eine Menge Endgeräte kann man nicht so einfach kaufen und wir waren etwas im Hintertreffen“, räumte er ein. Immerhin sei im anschließenden nichtöffentlichen Teil des Ausschusses ein Beschluss zur Anschaffung von 197 Endgeräten für Schüler und weitere 165 für Lehrer möglich.

Aber auch die Fertigstellung der Infrastruktur gehört zur Digitalisierung dazu. So soll der Bauausschuss nächste Woche allein für die Hauptschule noch Verkabelung im Wert von über 100.000 Euro beschließen. Andere Schulen würden noch folgen.

„Damit werden wir ein leistungsfähiges Netz an allen Schulen haben, allerdings fehlt es jetzt noch an der Leistung“, so Bernd Kasischke. Die mit der Verlegung des Glasfaserkabels beauftragte Firma Muenet wird die Holzwickeder Schulen planmäßig frühestens im Februar 2021 anbinden können. Immerhin könnten die Schulen bis dahin schon einmal über 100 Mbit/s-Leitungen verfügen. „Das ist auch für die Dudenrothschule eine gute Nachricht, wo es schon relativ viele Endgeräte gibt.“

„Damit werden wir ein leistungsfähiges Netz an allen Schulen haben,
allerdings fehlt es jetzt noch an der Leistung.“

Bernd Kasischke (1. Beigeordneter)

Auch beim Softwareeinsatz (Anton, SchoolFox, Logineo) in den Schulen sei man voran gekommen. Doch natürlich seien noch viele Fragen offen. Etwa die nach der Nutzung der überlassenen Endgeräte durch die Schüler und Lehrer. Hier erwartet die Verwaltung noch eine rechtliche Vereinbarung des Landes. Auf den Schüler-Geräten würden wohl auch Jugendschutzfilter installiert, wobei ein Missbrauch nie ganz ausgeschlossen werden könnte.

Bei der Beschaffung der Geräte sei man ebenfalls „ein gutes Stück weitergekommen“, findet der Beigeordnete. „Bisher ist die Beschaffung noch etwas umständlich, weil wir für jede Bestellung mindestens drei Angebote einholen müssen.“ Künftig sei das nicht mehr erforderlich, weil die Gemeinde dann auch ein Portal ihres Vertragspartners SIT nutzen kann, was eine beschleunigte Beschaffung ermöglicht, wegen der größeren Mengen wohl auch noch zu günstigeren Preisen.  

„Wir haben schon eine ganze Menge Hausaufgaben gemacht“, versichert der Beigeordnete dem Ausschuss. Alles in allem sei die Gemeinde Holzwickede bei der Digitalisierung der Schulen „im Vergleich mit anderen Kommunen im vorderen Drittel“.

Von allen Fraktionen gab es dafür ausdrückliches Lob, auch wenn es für diesen Fortschritt „erst einer Explosion im Arbeitskreis bedurft hat“, wie SPD-Sprecher Peter Wehlack etwas zweideutig feststellte.

Schulterschluss von Eltern, Schülern und Lehren am CSG

Zumindest der großen CSG-Schulfamilie scheint das alles nicht ganz ausreichend zu sein, wie sich zeigte. Wie sehr der „Schuh“ im CSG drückt, zeigt sich schon allein daran, dass sich die Vertreter aller am Schulleben beteiligten Gruppen – von der Schülerschaft über die Eltern bis hin zum Kollegium – mitten in den Sommerferien trafen, um im Schulterschluss eine gemeinsame kritische Stellung  an die Bürgermeisterin und alle Ratsmitglieder zu verfassen.

Die gegen Ende der Sitzung gestern aufkommende Frage nach dem Einsatz eines digitalen Klassenbuches scheint für Schulleiterin Andrea Helmig-Neumann jedenfalls nicht allerhöchste Priorität zu haben. „Digitales Klassenbuch? Wir haben nicht mal stabiles Schüler-WLAN“, stellte die CSG-Leiterin dazu fest.

„Digitales Klassenbuch? Wir haben ja nicht mal stabiles Schüler-WLAN.“

Andrea Helmig-Neumann (CSG-Leiterin)

„Nicht ganz nachvollziehbar“ ist für Andrea Helmig-Neumann etwa auch „das Missverständnis“ über die Raumsituation am CSG und wie man in der Verwaltung davon ausgehen konnte, dass es nur Bedarf an einem zusätzlichen Raum gegeben habe. „Es gibt doch einen Schulentwicklungsplan, der von dem Gutachter Dr. Habeck mit viel Zeit und Kraft von uns allen erstellt worden ist. Kennt die Verwaltung den etwa nicht?“ Ein Blick in diesen Schulentwicklungsplan hätte genügt, um zu erkennen, dass dort  „ein Raumbedarf im zweistelligen Bereich“ für das CSG ausgewiesen sei.

In ihrer Stellungnahme fordern die CSG-Vertreter u.a. eine eine zeitnahe, klare – auch finanzielle – Konzeptionierung für einen Erweiterungsbau, eine konkrete Prozessablaufplanung für dessen Umsetzung, ein professionelles Projektmanagements unter Einbindung externer Expertise, begleitet von einer kontinuierlichen, offenen Kommunikation mit und unter Einbindung von allen am Schulleben des Clara-Schumann-Gymnasiums beteiligten Akteuren, um die notwendige Transparenz zu gewährleisten.

Gleiches gelte für „den Prozess der Digitalisierung der Schulen, ausgerichtet am Medienentwicklungsplan der Gemeinde Holzwickede sowie die nach 25 Jahren notwendigen bestandserhaltenden Renovierungsmaßnahmen, die dem Fachbereich IV der Verwaltung bei der Mittelanmeldung jedes Haushaltsjahr mit gleicher Priorisierung gemeldet wurden und werden“.

Der genaue Wortlaut der Stellungnahme der Stellungnahme der CSG-Familie findet sich ab heute auch auf der Homepage des CSG.

AfSSK, Digitalisierung, Schulentwicklung


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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