Aufnahmesituation dramatisch: Gemeinde schickt vierköpfige Familie mit Taxi zurück

Raketenstation Opherdicke (Foto: Archiv) Henryk Brock
Die Rake­ten­sta­tion Opher­dicke ist in erstaun­lich gutem Zustand und wäre kurz­fri­stig beziehbar. (Foto: Archiv)

Die Unter­brin­gungs­si­tua­tion für Flücht­linge in Holzwickede ist so ange­spannt wie nie zuvor: Zwar waren die Auf­nah­me­ka­pa­zi­täten auch schon vor Weih­nachten erschöpft. Doch das Land hatte einen vor­über­ge­henden Zuwei­sungs­stopp aus­ge­spro­chen, so dass bis 4. Januar keine neuen Flücht­linge mehr nach Holzwickede zuge­wiesen wurden.

Zu Wochen­be­ginn sind dann jedoch prompt wieder vier Per­sonen nach Holzwickede gebracht worden, so dass inzwi­schen knapp 300 Flücht­linge und Asyl­be­werber in Holzwickede leben. Die in dieser Woche ein­ge­trof­fenen Men­schen konnten von Mat­thias Auf­er­mann, dem zustän­digen Abtei­lungs­leiter in der Holzwickeder Ver­wal­tung, mit einiger Mühe noch in die Rausinger Halle und die ange­mie­teten Räum­lich­keiten an der Wil­helm­straße ein­ge­wiesen werden. „Doch nun ist end­gültig Schluss. Unsere Auf­nah­me­ka­pa­zi­täten sind voll­ständig erschöpft“, bestä­tigt Auf­er­mann. Genau das hatte Auf­er­mann auch dem Land mit­ge­teilt und die schrift­liche Mit­tei­lung erhalten, dass keine wei­teren Flücht­linge mehr bis nächste Woche zuge­wiesen werden.

Doch offenbar weiß die linke Hand (Land) nicht immer, was die rechte Hand (Bezirks­re­gie­rung Arns­berg) tut: Trotz der schrift­li­chen Zusage des Landes lie­ferte der Bus aus Duis­burg heute (8.1.) wieder unan­ge­meldet eine vier­köp­fige Flücht­lings­fa­milie an, die von der Gemeinde unter­ge­bracht werden sollte.

Den Mit­ar­bei­tern im Rat­haus blieb nichts anderes übrig, als ein Taxi zu bestellen und die Familie sofort wieder nach Duis­burg in die Erst­auf­nahme zurück zu schicken. „Was sollen wir auch sonst machen“, so ein ver­zwei­felter Mat­thias Auf­er­mann. „Wir wissen ja nicht, wo wir die Men­schen lassen sollen.“

Vertragsunterzeichnung für Raketenstation zieht sich hin

Die Hoff­nung der Ver­ant­wort­li­chen ruht auf der ehe­ma­ligen Rake­ten­sta­tion, in der 110 bis 120 Per­sonen in Opher­dicke unter­ge­bracht werden könnten. Fast täg­lich sind Mit­ar­beiter der Ver­wal­tung und Hand­werker vor Ort und bereiten sich auf die Ein­wei­sung der Flücht­linge vor. Die Ver­hand­lungen zur Über­nahme der Sta­tion von der Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­gaben (BIMA) sind auch nahezu abge­schlossen. Die Ver­träge liegen unter­schrifts­reif auf dem Schreib­tisch. Doch es gibt immer wieder Ver­zö­ge­rungen. Zuletzt wurden ver­se­hent­lich Ver­trags­ent­würfe mit nicht mehr aktu­ellen Ver­trags­be­stand­teilen ver­schickt, was inzwi­schen kor­ri­giert werden konnte.

Raketenstation Opherdicke (Foto: Archiv) Henryk Brock
Selbst Bett­ge­stelle sind schon vor­handen in der Rake­ten­sta­tion. (Foto: Archiv)

Zwar besteht auch grund­sätz­lich Einig­keit dar­über, wer welche Kosten zu tragen hat. Doch noch immer ist nicht für alle Ein­zel­maß­nahmen klar, ob sie als Instand­set­zungs- oder Her­rich­tungs­ko­sten vom Land oder der Kom­mune zu bezahlen sind. Erst wenn diese letzten Detail­fragen geklärt sind, können für die not­wen­digen Arbeiten die Kosten­vor­anschläge ein­ge­holt werden. Ver­mut­lich werden des­halb auch noch einige Wochen ins Land gehen, bevor die Ver­träge end­lich unter­schrieben sind, geschweige denn die ersten Flücht­linge in die Sta­tion ein­ziehen können.

Der kurz­fri­stig zuge­sagte Zuwei­sungs­stopp vom Land gilt aller­dings nur den heu­tigen Freitag. Nächste Woche könnten dann schon wieder neue Flücht­linge kommen. „Aller­dings werden wir dem Land am Montag erneut mit­teilen, dass wir keinen Flücht­ling mehr auf­nehmen können“, erklärt Mat­thias Auf­er­mann. Im Holzwickeder Rat­haus ist man jeden­falls fest gewillt, neu zuge­wie­sene Flücht­linge not­falls sofort wieder mit dem Taxi zurück­zu­schicken.

Flüchtlinge


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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