Dankbar für die Hilfe: Cäcilia, Amelie, Isabell, Emma mit ihren Eltern Tanja und Benjamin Raupach. Im Vordergrund der Riesenkorb mit der gespendeten Urlaubsverpflegung. (Foto: F. Brockbals)

Überraschung geglückt: Biker verabschieden Familie Raupach in ihre „Auszeit für die Seele“

Dankbar für die Hilfe: Cäcilia, Amelie, Isabell, Emma mit ihren Eltern Tanja und Benjamin Raupach. Im Vordergrund der Riesenkorb mit der gespendeten Urlaubsverpflegung. (Foto: F. Brockbals)
Dankbar für die Hilfe, von li.: Töchter Cäcilia, Amelie, Isa­bell, Emma mit ihren Eltern Tanja und Ben­jamin Rau­pach. Im Vor­der­grund der Rie­sen­korb mit der gespen­deten Urlaubs­ver­pfle­gung. (Foto: F. Brock­bals)

Diesen Tag werden Tanja (39 Jahre) und Ben­jamin (38) Rau­pach und ihre vier Kinder Cäcilia (19), Isa­bell (5), Amelie (10) und Emma (2) wohl so schnell nicht mehr ver­gessen: Die sechs­köp­fige Familie star­tete heute in ihre zwei­wö­chige Aus­zeit für die Seele nach Harle­siel an die Nord­see­küste. Über­rascht wurde die Familie kurz vor ihrer Abfahrt von einigen Dut­zend Bikern, die der Familie aus Hengsen den bitter nötigen Kurz­ur­laub mit ihren Spenden mit­fi­nan­ziert haben. Bei der Abfahrt wurden auch harte Biker plötz­lich ganz weich und Tränen flossen reich­lich.

Schon im ver­gan­genen Jahr hatte die Familie Rau­pach ganz kurz­fri­stig für eine Woche eine Feri­en­woh­nung an der Nord­see­küste beziehen können. Es waren die ersten Tage, in denen sich die Tanja Rau­pach mit ihrem Mann Ben­jamin nach jah­re­langem Lei­densweg etwas erholen konnten: Im Jahr 2016 wurde bei der Zahn­arzt­hel­ferin ein bös­ar­tiges Ade­no­kar­zinom dia­gno­sti­ziert. Nach einer schweren OP und einem lang­wie­rigen Gene­sungs­pro­zess hatte das Paar eigent­lich die Hoff­nung, dass Mutter Tanja geheilt ist. Doch nach drei Jahren kam der Krebs wieder. Es hatten sich Meta­stasen in den Kno­chen gebildet. Wieder musste sich die 38-Jäh­rige einer schweren OP unter­ziehen. Gerade ist sie dabei, wieder laufen zu lernen.

Verein vermittelt Ferien für Krebspatienten mit Familien

Ein WDR-Team begleitete die Familie zwei Tage lang und drehte einen Beitrag über die Familie und ihre Abfahrt in die Ferien. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Ein WDR-Team beglei­tete die Familie zwei Tage lang und drehte einen Bei­trag über die Familie und ihre Abfahrt in die Ferien. (Foto: P. Gräber – Emscher­blog)

An Ferien ist in einer sol­chen Lei­dens­zeit nicht zu denken. Das weiß auch Anne­marie Hunecke, die das bun­des­weit ein­zig­ar­tige Hilfs­pro­jekt „Aus­zeit für die Seele“ orga­ni­siert. Über dieses Pro­jekt werden Feri­en­woh­nungen und ‑zimmer an der Nord­see­küste kostenlos an Krebs­pa­ti­enten und mit­be­trof­fene Fami­lien ver­mit­telt. Neben den gesund­heit­li­chen Sorgen kommen in den betrof­fenen Fami­lien auch finan­zi­elle hinzu. „Gerade wenn Pati­enten wegen einer lange andau­ernden Krebs­er­kran­kung von der Kran­ken­kasse aus­ge­steuert worden sind und Früh­rente beziehen, ist das Geld knapp. Für einen Urlaub reicht es dann mei­stens nicht. Genau diese Pati­enten wollen wir mit unserer Aktion errei­chen“, sagt Anne­marie Hunecke.

Bot­schafter des Ver­eins „Aus­zeit für die Seele“ in Holzwickede ist Frank Brock­bals, über den der Kon­takt zur Familie Rau­pach her­ge­stellt wurde. Die Feri­en­woh­nungen werden von den Eigen­tü­mern zur Ver­fü­gung gestellt. Die Kosten, die dem Verein ent­stehen, werden zu einem wesent­li­chen Teil von den Bikern aus ganz NRW getragen, die Spen­den­touren orga­ni­sieren.

Es ist ein­fach nur schön, mal raus­zu­kommen und gemeinsam etwas mit den Kin­dern zu machen. Für uns ist das wirk­lich eine Aus­zeit für die Seele.“

Ben­jamin Rau­pach (38 J.)

Auch Tanja und Ben­jamin Rau­pach konnten es zunächst gar nicht glauben, als ihnen Frank Brock­bals voriges Jahr kosten­lose Feri­en­tage an der Nordsee in Aus­sicht stellte, wie Ben­jamin Rau­pach erzählt: „Im Sommer hatte es leider nicht mehr geklappt, weil es zu kurz­fri­stig war. Aber wir waren in den Herbst­fe­rien eine Woche an der Nordsee. Das war toll und wirk­lich eine Aus­zeit für die Seele.“

Ohne die Unter­stüt­zung durch den Verein wäre für die Familie an eine Feri­en­reise über­haupt nicht zu denken. „Urlaub können wir uns nicht mehr lei­sten“, sagt der Fami­li­en­vater. „Durch die Krank­heit hatte meine Frau viele Ope­ra­tionen und Kran­ken­haus­auf­ent­halte. In dieser Zeit habe ich mich um unsere Kinder geküm­mert und dazu immer unbe­zahlten Urlaub nehmen müssen. Eine ganze Zeit lang hatte meine Frau auch eine Pfle­ge­stufe.“ So etwas geht in Geld, räumt der gelernte Spe­di­ti­ons­kauf­mann ein.

Lokale Geschäfte und Nachbarn spenden für Urlaubskasse

Gelungene Überraschung: Auch Tanja Raupachs Schwester Nadine (m. rotem Shirt) konnte es gar nicht fassen,  wie viele Biker da zur Verabschiedung der Familie gekommen waren.  (Foto: F. Brockbals)
Gelun­gene Über­ra­schung: Auch Tanja Rau­pachs Schwe­ster Nadine (m. rotem Shirt) konnte es gar nicht fassen, wie viele Biker da zur Ver­ab­schie­dung der Familie gekommen waren. (Foto: F. Brock­bals)

Umso größer war die Vor­freude in der Familie auf den Urlaub in diesem Jahr. „Die Kinder sind schon seit Tagen ganz auf­ge­regt und sitzen schon auf den gepackten Kof­fern“, berichtet der Papa. „Sie können kaum erwarten, dass es end­lich los­geht und wurden auch schon von ihren Freunden gefragt, wohin es geht. Dann haben sie allen erzählt, wohin sie fahren. Es ist ein­fach nur schön, mal raus­zu­kommen und gemeinsam etwas mit den Kin­dern zu machen. Für uns ist das wirk­lich eine Aus­zeit für die Seele“, freut sich der 38-Jäh­rige.

Auf aus­drück­li­chen Wunsch meiner Frau wohnen wir dieses Mal auch nicht in einer Feri­en­woh­nung, son­dern auf einem Cam­ping­platz“, so Ben­jamin Rau­pach. „Das hat sich meine Frau gewünscht. Sie wollte unbe­dingt einmal in einem Wohn­wagen Ferien machen. Der Verein besitzt einen Wohn­wagen und hat das mög­lich gemacht.“

Wäh­rend die Vor­freude auf die Ferien groß war, wurde die Familie vom Besuch der Biker heute (18.7.) völlig über­rascht. Fast 100 Moto­rad­fah­rinnen und ‑fahrer aus ganz NRW, viele davon beruf­lich bei der Polizei, im Ret­tungs­dienst oder bei der Feu­er­wehr beschäf­tigt, hatten sich zu einer Stern­fahrt zunächst am Krei­seleck in Hengsen getroffen. Jeder Teil­nehmer der Stern­fahrt zahlte 20 Euro in einen Spen­den­topf. Krei­seleck-Wirt Rolf Münd­nich hatte außerdem eine Spen­denbox zur Unter­stüt­zung des Ver­eins „Aus­zeit für die Seele“ auf­ge­stellt und Bröt­chen und Kaffee spen­diert.

Biker unterstützen Projekt mit Sternfahrten

Zuvor hatten sich die Biker, die mit ihren Stern­fahrten den Verein „Aus­zeit für die Seele“ finan­zieren, am Krei­selck in Hengsen ver­ab­redet. (Foto: F. Brock­bals)

Doch nicht nur die Biker enga­gierten sich für die Familie aus Hengsen. Rewe Böning hatte einen Rie­sen­korb mit Lebens­mit­teln und Süßig­keiten für die Rau­pachs gestiftet. Außerdem hatten Nach­barn und Holzwickeder Gewer­be­trei­bende wie Josef Joy ins­ge­samt 800 Euro „Urlaubs­geld“ für die Familie gesam­melt. Außerdem stellte der Pfle­ge­dienst Anita Stracke den blauen Kleinbus kostenlos zur Ver­fü­gung mit dem die Familie gen Norden starten konnte.

Nach ihrem Treffen am Krei­sel­ecke fuhren die Biker im Konvoi heute Nach­mittag bei Familie Rau­pach an der Ost­straße Ecke Irisweg vorbei. Als Ben­jamin und Tanja Rau­pach die vielen Biker sahen, die alle gekommen waren, um sie in die Ferien zu ver­ab­schieden, konnten sie es zunächst gar nicht fassen. Selbst einigen der harten Jungs konnte da ihre Tränen nicht mehr zurück­halten.

Übri­gens: Auch ein WDR-Team hatte von der Aktion Wind bekommen und drehte schon am Vor­trag einen Bei­trag über die Familie und ihre Aus­zeit-Ferien. Zu sehen ist der Bei­trag am kom­menden Montag (20. Juli), um 19.30 Uhr in der Lokal­zeit im Dritten.

Mehr Infor­ma­tionen zum Pro­jekt bzw. Verein „Aus­zeit für die Seele“ finden Sie hier.

  • Der Verein „Aus­zeit für die Seele“ hat für Tanja Rau­pach auch ein eigenes Spen­den­konto ein­ge­richtet: DE 29 4106 2215 0056 6282 02

UPDATE v. 19. Juli: Die Biker haben bei ihrem Treffen am Krei­selck 345 Euro für die Familie Rau­pach in der Spen­denbox gesam­melt. Wirt Rolf Münd­nich run­dete den Spen­den­be­trag spontan auf 500 Euro auf, wie Aus­zeit-Bot­schafter Frank Brock­bals mit­teilt.

Auszeit-Projekt, Familie Raupach


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

Kommentar

  • Ich bin sehr gerührt von dieser Aktion, zeigt sie mir, dass es doch noch viele Men­schen mit Herz gibt.
    Danke allen, die für Tanja und ihre Familie da waren.

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