Die Tafelhelfer der Seniorengruppe "Mit Rat und Tat" bei der letzten Tafelöffnung in diesem Monat, v.l.: Ulrich Fehre, Brigitte Häger, Uschi Prädel, Udo Höing und Gunther Siepmann. Die Seniorengruppe ist dringend auf Verstärkung angewiesen und sucht engagierte Hilfe. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)

Tafelausgabe schließt vorläufig: Helfer der Seniorengruppe „Mit Rat und Tat“ brauchen Abstand

Die Tafelhelfer der Seniorengruppe „Mit Rat und Tat“ bei der letzten Tafelöffnung in diesem Monat, v.l.: Ulrich Fehre, Brigitte Häger, Uschi Prädel, Udo Höing und Gunther Siepmann. Die Seniorengruppe ist dringend auf Verstärkung angewiesen und sucht engagierte Hilfe. (Foto: P. Gräber – Emscherblog)

Die Mitglieder der Seniorengruppe „Mit Rat und Tat“ helfen Hilfsbedürftigen schon seit vielen Jahren ehrenamtlich bei Problemen im Alltag. Auch die Lebensmittelausgabe der Tafel in Holzwickede wird von der Seniorengruppe sehr engagiert gestemmt. Für viele ist das Engagement der Senioren selbstverständlich geworden. Tatsächlich ist es das nicht. Die Mitglieder kommen inzwischen immer öfters an die Grenze ihrer Belastbarkeit. Corona und vor allem das Alter macht auch vor den engagierten Ehrenamtliche nicht halt. Deutliches Indiz: Die Lebensmittelausgabe der Tafel am Mittwoch (2.2.) war die vorläufig letzte. „Wir werden zunächst bis Ende Februar unsere wöchentlichen Ausgaben aussetzen“, kündigt Sprecher Wilfried Knoke an. „Ende Februar sehen wir dann weiter.“

Die Gruppe hat sich dazu entschlossen, wegen der möglichen Gesundheitsgefährdung einmal Abstand untereinander und auch zu den Kunden der Tafel zu halten. „Wir haben das selbstverständlich vorher mit der Tafel Unna abgestimmt“, sagt Gunter Siepmann. „Die Vorsitzende Ulrike Trümper hat großes Verständnis für uns gezeigt.“

Pause zunächst bis Ende Februar

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    Gunter Siepmann hat für aller Tafelhelfer mittwochs bei der Tafelausgabe Schnelltests bereitgestellt. (Foto: P. Gräber – Emscherblog) 

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    Damit testen sich die Tafelhelfer auch regelmäßig selbst, hier Brigitte Häger. Rechts dahinter: Udo Höing. (Foto: P. Gräber – Emscherblog) 

    Das Durchschnittsalter der Mitglieder der Seniorengruppe beträgt inzwischen 78 Jahre. „Einige von uns sind aber auch schon über 80 Jahre alt“, meint Siepmann. „Wir haben ganz einfach Angst. Denn wir wissen ja nie, was die Leute zu uns mitbringen. Deshalb machen wir jetzt erst einmal drei Wochen Pause.“

    Denn trotz strenger Hygieneregeln können die Tafelhelfer nicht sicher sein, sich das Corona-Virus nicht doch einzufangen, weiß Siepmann. „Natürlich wissen wir, wer von unseren Kunden geimpft ist oder nicht. Wir haben uns die Impfausweise zeigen lassen. Nur drei der Abholer sind nicht geimpft.“ Persönlich hat Gunther Siepmann „überhaupt kein Verständnis“ für diese Ungeimpften. „Aber wir müssen deren Entscheidung natürlich akzeptieren.“

    „Wir haben ganz einfach Angst. Denn wir wissen ja nie, was die Leute zu uns mitbringen.“

    – Gunther Siepmann

    Umgekehrt müssten die Ungeimpften aber auch die Umstände akzeptieren, was heißt: Sie müssen bei der Tafelausgabe draußen bleiben und warten, bis ihnen Lebensmittel nach draußen gebracht werden.

    Über die Frage, ob Ungeimpfte überhaupt noch an der Tafelausgabe bedient werden, hatte es auch nach Wiedereröffnung auch einen kurzen Streit zwischen der Holzwickeder Tafelausgabe und der Tafel Unna gegeben. Schließlich einigte man sich aber auf folgenden Kompromiss: „Wer nicht geimpft ist, muss draußen bleiben. Er kommt nur bis zur Anmeldung vorne am Schalter bei mir“, erklärt Siepmann. „Dann packen wir eine Kiste und stellen sie ihm draußen hin. So vermeiden wir jede Berührung.“

    Ehrenamtliche der Gruppe immer älter

    Was den Gruppenmitgliedern zunehmend zu schaffen macht, ist neben der ständigen Angst vor einer Infektion bei der Tafelausgabe auch ihr fortschreitendes Alter. Insgesamt gibt es nur 18 aktive Mitglieder, von denen auch längst nicht alle gleich belastbar sind. „Normalerweise sind wir jeweils fünf oder sechs Helfer bei einer Tafelausgabe“, so Siepmann. „Aber immer öfters fällt jemand aus. Der älteste von uns ist immerhin schon 83 Jahre alt. Einige von uns können auch nicht mehr tragen, die werden dann zum Sortieren der Lebensmittel eingeteilt.“ Schließlich gebe es noch ein Mitglied, das sich aus gesundheitlichen gründen nicht impfen lassen kann und ebenfalls auf Dauer ausfällt.

    Siepmann und die übrigen Mitglieder der Seniorengruppe wären deshalb heilfroh, wenn sich das eine oder andere neue Mitglieder fände, das noch etwas jünger und rüstiger ist. Mitmachen kann jeder, besondere Voraussetzungen gibt es keine. Nur der Wille zum ehrenamtlichen Engagement muss da sein. „Aber leider haben Rentner heute keine Zeit mehr“, bedauert Siepmann. „Die sitzen lieber zu Hause vor dem PC oder Fernseher.“

    Seit Bestehen der Gruppe „Mit Rat und Tat“ sind schon sechs Mitglieder verstorben. Neu hinzugestoßen ist nur ein einziges Mitglied.  Unter diesen Voraussetzungen ist absehbar, dass die Gruppe schon bald nicht mehr existieren wird. „Darüber haben wir auch schon bei unseren zuletzt nur noch selten stattfindenden Gruppentreffen gesprochen“, bestätigt Gunther Siepmann.

    „Mit Rat und Tat“ droht ohne Zuwachs das Ende

    Das wäre wirklich sehr schade, nicht nur für die Tafelausgabe. Denn die Seniorengruppe engagiert sich über die Lebensmittelausgabe hinaus auch in anderer Hinsicht für Hilfebedürftige. Die meisten der männlichen Mitglieder kommen aus handwerklichen Berufen. „Es wird immer schwieriger, aber wir übernehmen auch noch viele handwerkliche Aufgaben“, sagt Gunther Siepmann, der noch einer der aktivsten ist. „Ich spreche dann gezielt Leute in unserer Gruppe an, von denen ich weiß, dass sie die Arbeiten noch machen können.“ 

    Zum Jahreswechsel hat die Seniorengruppe etwa die große Weihnachtstanne für die Kirche aufgestellt und auch wieder abgebaut und für die Kinder aus dem Kindergarten nebenan die Bühne aufgebaut. In dem Kindergarten hängt eine To-do-Liste, die Gunter Siepmann mit der Gruppe regelmäßig abarbeitet. „Wir helfen aber auch privat. Egal, ob eine Leuchtstoffröhre für eine ältere Dame ausgewechselt oder eine Schranktür repariert muss. Ich bringe auch schon mal Grünschnitt weg. Wir erledigen alles Mögliche. Wenn die Leute Hilfe brauchen, rufen sie im Gemeindebüro an und von dort wird ihr Anliegen an uns weitergeleitet.“

    Dringend Verstärkung gesucht

    Das nächste Projekt der Seniorengruppe wird der Bau einer neuen Rundbank für den evangelischen Kindergarten im Frühjahr sein. „Die Rundbank ist von uns auch teilweise gespendet worden“, sagt Siepmann.

    Lange werden solche engagierten Hilfsaktionen nicht mehr möglich sein, falls die Gruppe nicht bald Verstärkung bekommt, weiß Gunther Siepmann. „Schließlich werden wir alle nicht jünger.“  

    In den Ohren derer, die von der Hilfe der Seniorengruppe profitieren, dürfte das wie eine Drohung klingen.

    Mit Rat und Tat, Tafel


    Peter Gräber

    Dipl.-Journalist

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