Neue IHK-Studie zur Gesundheitswirtschaft in der Region: Motor des Strukturwandels

Die Autoren der IHK-Studie zur Gesundheitswirtschaft: IHK-Geschäftsführer Ulf Wollrath (l.) und IHK-Referent Patrick Voss. (Foto: IHK zu Dortmund - Stephan Schütze)
Die Autoren der IHK-Studie zur Gesund­heits­wirt­schaft: IHK-Geschäfts­führer Ulf Woll­rath (l.) und IHK-Refe­rent Patrick Voss. (Foto: IHK zu Dort­mund – Ste­phan Schütze)

Die Gesund­heits­wirt­schaft gehört zu den stärk­sten Bran­chen in Deutsch­land, NRW und der Region der Indu­strie- und Han­dels­kammer (IHK) zu Dort­mund. Der demo­gra­fi­sche Wandel sorgt für starke Wachs­tums­im­pulse, der medi­zi­nisch-tech­ni­sche Fort­schritt und das stei­gende Gesund­heits­be­wusst­sein in der Bevöl­ke­rung bieten vielen Unter­nehmen her­vor­ra­gende Ent­wick­lungs­mög­lich­keiten für ihre Pro­dukte und Dienst­lei­stungen.

Allein in Dort­mund, Hamm und dem Kreis Unna gibt es rund 3.660 Unter­nehmen und Selbst­stän­dige (davon 1.300 IHK-Unter­nehmen) mit etwa 83.900 Beschäf­tigten im Gesund­heits- und Sozi­al­wesen – ein Plus von rund 13 Pro­zent in den ver­gan­genen drei Jahren. In der Metro­pole Ruhr sorgen 340.800 Beschäf­tigte in 6.700 Unter­nehmen für einen Beschäf­tig­ten­an­teil von ins­ge­samt 19,5 Pro­zent. Damit hat die Gesund­heits­wirt­schaft die Indu­strie (gut 19 Pro­zent) als größten Arbeit­geber abge­löst.

Die IHK zu Dort­mund hat jetzt die neue Studie „Die Gesund­heits­wirt­schaft“ ver­öf­fent­licht, um einen Über­blick über die Struktur und Bedeu­tung dieser Zukunfts­branche im West­fä­li­schen Ruhr­ge­biet zu geben. „Die Gesund­heits­wirt­schaft ist zu einer der tra­genden Säulen der regio­nalen Wirt­schaft geworden. Sie sorgt für Wachstum und Inno­va­tionen und ist Motor des erfolg­rei­chen Struk­tur­wan­dels“, sagt IHK-Geschäfts­führer Ulf Woll­rath, der die Publi­ka­tion zusammen mit IHK-Refe­rent Patrick Voss erar­beitet hat. Auf rund 90 Seiten ana­ly­sieren die Autoren in ihrem Bran­chen­por­trät Her­aus­for­de­rungen, Chancen und Trends. Dabei richten sie ihren Fokus neben der medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung auch auf Pflege und Betreuung, die Kran­ken­ver­si­che­rungen, die Gesund­heits­in­du­strie und den Handel mit Gesund­heits­pro­dukten. „Eine zen­trale Rolle wird zukünftig auch die Gesund­heits­aus­bil­dung ein­nehmen müssen, um dem anste­henden Fach­kräf­te­mangel ent­gegen wirken zu können“, betont Patrick Voss.

Fachkräftemangel bereits spürbar

Dieser Mangel ist bereits spürbar. Auf NRW-Ebene fehlen gegen­wärtig 14.000 Beschäf­tigte für die Pflege und Betreuung. Mit aktuell rund 36.700 sozi­al­ver­si­che­rungs­pflichtig Beschäf­tigten in 420 Unter­nehmen ist dies neben der medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung auch in der IHK-Region einer der wich­tig­sten Teil­be­reiche der Gesund­heits­wirt­schaft. Der demo­gra­fi­sche Wandel und die deut­liche Zunahme pfle­ge­be­dürf­tiger Men­schen – plus 22 Pro­zent bei den Senioren über 80 Jahre bis 2030 – führen zur erhöhten Nach­frage nach Pfle­ge­dienst­lei­stungen. Als Folge wird es immer mehr ambu­lante Pflege- und Betreu­ungs­dienste geben. Ab 2020 soll die größte NRW-Pfle­ge­schule, der Cani­sius Campus im Dort­munder Hoesch­park, ihren Betrieb auf­nehmen. Wachsen werden auch Netz­werke wie Mehr­ge­nera­tio­nen­häuser und „Ambient Assi­sted Living“-Produkte und ‑Dienst­lei­stungen.

Die medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung im West­fä­li­schen Ruhr­ge­biet ist sehr gut. Bei­spiel­haft dafür stehen die 25 Kran­ken­häuser in der Region mit 8.400 Betten und rund 18.300 Beschäf­tigten. Ins­ge­samt ver­zeichnet der Bereich medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung gegen­wärtig 36.000 sozi­al­ver­si­che­rungs­pflichtig Beschäf­tigte in 1.700 Unter­nehmen. Zukünftig wird es aller­dings Her­aus­for­de­rungen bei der Haus­arzt­ver­sor­gung im länd­li­chen Raum und bei der Finan­zie­rung der Kran­ken­häuser geben. Die Studie plä­diert vor diesem Hin­ter­grund für eine fort­schrei­tende Spe­zia­li­sie­rung und die Ver­net­zung von Kran­ken­häu­sern.

Weioteres starkes Wachstum erwartet

Mit Dort­mund als Heimat von fünf bedeu­tenden Unter­nehmen (SIGNAL IDUNA Gruppe, Con­ti­nen­tale, VOLKSWOHL BUND, AOK Nord­west und BIG) ist die Region auch ein wich­tiger Standort der Kran­ken­ver­si­che­rungen. Die Gesund­heits­in­du­strie zählt 40 IHK-Unter­nehmen, dar­unter etwa mit der Bayer AG in Berg­kamen die größte Pro­duk­ti­ons­stätte für phar­ma­zeu­ti­sche Wirk­stoffe des Kon­zerns. Die Boehringer Ingel­heim micro­Parts GmbH in Dort­mund stellt 44 Mil­lionen Inha­la­ti­ons­ge­räte pro Jahr her. Dazu kommen For­schungs­ein­rich­tungen wie das Bio-Secu­rity-Center in Bönen, das Bio­Me­di­zin­Zen­trum in Dort­mund und das Fraun­hofer-Anwen­dungs­zen­trum SYMILA in Hamm.

Die Gesund­heits­wirt­schaft lebt ganz wesent­lich auch vom Handel mit Gesund­heits­pro­dukten. Dafür stehen stell­ver­tre­tend die 260 Apo­theken in der Region, die aller­dings zuneh­mend den Wett­be­werbs­druck durch Online-Anbieter spüren. Der Sani­täts­wa­ren­markt wächst und wird vor allem durch viele inha­ber­ge­führte Fami­li­en­un­ter­nehmen geprägt. Ernäh­rungs- und Gesund­heits­be­ra­tungen sowie Well­ness- und Fit­ness-Anbieter pro­fi­tieren vom Trend.

Die Gesund­heits­wirt­schaft wird auch in den kom­menden Jahren stark wachsen. „Für die erfolg­reiche und qua­li­tativ erst­klas­sige Gesund­heits­ver­sor­gung ist es not­wendig, dass neben der medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung auch Kran­ken­kassen, Phar­ma­in­du­strie und Gesund­heits­dienst­lei­ster enger zusam­men­ar­beiten. Eine zen­trale poli­ti­sche Auf­gabe bleibt die Siche­rung einer nach­hal­tigen Finan­zie­rung des Gesund­heits­sy­stems“, so der Aus­blick von Ulf Woll­rath.

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