Nach Weihnachtsmarktbesuch im Park mit Schlagstock verprügelt: 1 200 Euro Geldstrafe

Die bru­tale Tat am 25. November 2016 hatte für einiges Auf­sehen in der Gemeinde gesorgt: Nach einem Besuch des Weih­nachts­marktes war der ange­trun­kene 37-jäh­rige Holzwickeder auf dem Nach­hau­seweg im Emscher­park von Jugend­li­chen mit einem Schlag­stock übel zusam­men­ge­schlagen worden. Die beiden 18 und 21 Jahre alten Haupt­täter hatten sich wegen gefähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung am Montag (29.1.) vor dem Jugend­schöf­fen­ge­richt in Unna zu ver­ant­worten.

In der Ver­hand­lung trat der Geschä­digte mit seiner Anwältin als Neben­kläger auf – nicht die ein­zige Beson­der­heit dieser Ver­hand­lung. Mit mehr als fünf Stunden dau­erte sie auch unge­wöhn­lich lange. Denn Richter Chri­stian Johann hatte nicht weniger als elf Zeugen zur Beweis­auf­nahme geladen – die ganze Jugend­clique, die sich mut­maß­lich an jenem Tat­abend im Emscher­park auf­hielt.

Und auch das dürfte eine wei­tere Beson­der­heit gewesen sein: Über­ein­stim­mungen ließen sich in den Ver­neh­mungen der elf Zeugen kaum finden. Alle Zeugen schil­derten das, was sich angeb­lich an jenem Abend im Park gesehen hatten, unter­schied­lich. Oder sie wollen gar nicht dabei gewesen sein. Zwar exi­stiert sogar ein Video, das an jenem Abend kurz vor der Tat gedreht worden sein soll und später dann bei Snap­chat hoch­ge­laden wurde. Aller­dings ließen sich weder der Urheber noch der genaue Auf­nah­me­zeit­punkt zwei­fels­frei bestimmen.

Über fünf Stunden Verhandlung mit elf Zeugen

Die Anklage geht davon aus, dass der geschä­digte Holzwickeder am 25. November nach einem Weih­nachts­markt­be­such in leicht alko­ho­li­siertem Zustand auf dem Weg nach Hause im Emscher­park aus einer sich dort auf­hal­tenden Jugend­gruppe ange­spro­chen sei. Nach einem kurzen Wort­wechsel sei er dann grundlos von den beiden Ange­klagten geschlagen worden. Dabei trug der 37-Jäh­rige eine Platz­wunde über dem Auge, Häma­tome und Prel­lungen am Knie davon, wie ein ärzt­li­ches Attest belegt.

Mit diesem Vor­wurf kon­fron­tiert räumte der 18-jäh­rige Ange­klagte S. ein, dem 37-Jäh­rigen tat­säch­lich eine Ohr­feige ver­passt zu haben. Aller­dings soll es sich um eine Not­wehr­si­tua­tion gehan­delt haben: Man habe in einer Gruppe im Park auf den Stein­bänken gesessen und eben­falls etwas getrunken gehabt, als er 37-Jäh­rige ziem­lich betrunken vor­beikam. Zunächst habe man mit­ein­ander geredet und die Stim­mung sei eigent­lich gut gewesen. Doch plötz­lich sei der Ton rauer geworden und der 37-Jäh­rige habe ihm eine Ohr­feige gegeben. Dar­aufhin habe er zurück­ge­schlagen. „Ich hatte totale Angst und bin dann nach dem Schlag auch sofort ent­fernt.“

Sein Freund, der Mit­an­ge­klagte J. sei ihm zu Hilfe geeilt und habe den Mann ange­schrien. „Was danach pas­sierte, weiß ich nicht. Ich bin dann ja weg auf den Park­platz.“

Jugendliche wollen in Notwehr gehandelt haben

Der zweite Ange­klagte, der 21-jäh­rige J., will seinem Freund zu Hilfe geeilt sein und den Geschä­digten mit einem Ast, den er zufällig fand, geschlagen haben. „Ich wollte nur helfen und war dem Mann kör­per­lich unter­legen. Der Mann hatte sich auf S. gestürzt, der völlig ver­äng­stigt war. Der Mann war nur auf Gewalt aus. Da konnte ich doch nicht so ein­fach weg­gehen. Das hätte ich mir sonst mein Leben lang vor­ge­worfen.“ Den Ast habe er zufällig gefunden, so der Ange­klagte und beschrieb wort­reich Form und Länge.

Der 37-jäh­rige Geschä­digte beschrieb die Vor­fälle an jenem Abend de4s 25. November 2016 aller­dings ganz anders: Er sei gegen 21 Uhr auf dem Weg nach Hause im Park gewesen. Da hätten dann die beiden Ange­klagten mit zwei Mäd­chen auf den Bänken gesessen. „Sie haben mich ange­spro­chen und gefragt, ob ich jemanden von ihnen kennen würde.“ Dann hätten sie ziem­lich gelacht über ihn, was auch auf dem Video zu hören sei, auf dem er seine Stimme wie­der­erkannte. „Plötz­lich schlug der Ange­klagte J. mir mit einem Schlag­stock einmal ins Gesicht und dann auf mein linkes Knie. Die Mäd­chen liefen dar­aufhin weg und J. schrie mich an und beschimpfte mich als A…loch.“

Zunächst habe er gar nicht so richtig wahr­ge­nommen, was pas­siert sei. Doch dann habe er fest­ge­stellt, dass er eine Rie­sen­platz­wunde über dem Auge hatte und seine ganze Hose durch­ge­blutet war. „Dar­aufhin habe ich die Polizei gerufen und bin mit einem Kran­ken­wagen ins Kran­ken­haus gebracht worden.“ Auf Nach­frage des Rich­ters gab der 37-Jäh­rige an: Er sei ange­hei­tert, aber nicht stark betrunken gewesen. Den Schlag­stock beschrieb er als etwa einen halben Meter lang aus Metall und mit einer Eisen­kugel an der Spitze.

Dass er auch von dem Ange­klagten S. geohr­feigt wurde – daran konnte sich der Geschä­digte gar nicht mehr erin­nern.

Widersprüchliche Aussagen – unklare Beweislage

Nach dieser Aus­sage bat der Ver­tei­diger von J. um eine Aus­zeit, um sich mit seinem Man­danten zu bespre­chen. Danach kor­ri­gierte J. seine erste Aus­sage dahin­ge­hend, dass er tat­säch­lich nicht mit einem Ast, son­dern mit einem Schlag­stock zuge­schlagen habe. Diese Waffe habe er bei sich gehabt, weil er Angst habe, über­fallen zu werden.

Auf­grund der unklaren Beweis­lage und wider­sprüch­li­chen Zeu­gen­aus­sagen kamen die beiden Ange­klagten am Ende recht glimpf­lich davon: Das Ver­fahren gegen den 18-jäh­rigen S. stellte Richter Chri­stian Johann ohne jede Auf­lage ein. Damit kam das Gericht dem Antrag des Ver­tei­di­gers von S. nach, der darauf hin­ge­wiesen hatte, dass die seinem Man­danten zur Last gelegte Tat gar nicht zu beweisen gewesen wäre, wenn S. sie nicht selbst ein­ge­räumt hätte. „Nicht einmal der Geschä­digte konnte sagen, ob er von meinem Man­danten geschlagen worden ist.“

Auch das Ver­fahren gegen den 21-jäh­rigen J. stellte das Gericht ein – aller­dings nach § 153 a nur vor­läufig gegen Zah­lung einer Geld­strafe in Höhe von 1 200 Euro, zahlbar in sechs Raten an den Geschä­digten.

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