Warb für die Diamorphinambulanz in Holzwickede: Dr. Christian Plattner, Betreiber der Praxis an der Wilhelmstraße. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)

Nach Gespräch mit Praxisbetreibern: Politik verabredet Runden Tisch zur Diamorphinpraxis

Warb für die Diamorphinambulanz in Holzwickede: Dr. Christian Plattner, Betreiber der Praxis an der Wilhelmstraße. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Weiter gesprächs- und kooperationsbereit: Dr. Christian Plattner, Betreiber der Praxis an der Wilhelmstraße, in der Informationsveranstaltung im Forum im vergangenen Jahr. (Foto: P. Gräber – Emscherblog)

Vertreter der Gemeinde waren am Montag voriger Woche in der Diamorphin-Praxis an der Wilhelmstraße zu einem Gespräch mit den Praxisbetreibern. Holzwickedes Beigeordneter Bernd Kasischke berichtete den Fraktionen über dieses Gespräch im Hauptausschuss gestern Abend (23.9.) Konkrete Ergebnisse brachte der aus dem Gespräch nicht mit. Immerhin signalisierten die Praxisbetreiber weitere Bereitschaft zum Dialog. Zudem scheint sich die Situation vor der Praxis an den Haltestellen in der Wilhelmstraße seit einigen Tagen spürbar entspannt zu haben.

„Unser Gespräch mit den Praxisbetreibern war schon länger geplant“, betont der Beigeordnete. „Wir wollen eine bessere Vernetzung der Praxis im Kreis Unna unterstützen und waren deshalb auch mit einem Vertreter der Suchthilfe dort.“

Keine schnellen Lösungen

Nach dem Besuch einiger Vertreter der Grünen in der Praxis und der Berichterstattung darüber hätten viele Holzwickeder aber das Gefühl, dass es wenig Bereitschaft zur Kooperation seitens der Praxisbetreiber gibt, räumt Kasischke ein. „Immer wieder ist die Praxis in der Kritik, was vielfach auch berechtigt ist.“  

Wer hier auf schnelle Lösungen hofft, wird enttäuscht. Zwar betont der Beigeordnete, dass die Praxisbetreiber „grundsätzlich schon kooperationsbereit“ sind. Dr. Plattner sei aber nicht bereit, in Gremien oder Gesprächsrunden zu gehen, in denen „Stimmung gegen ihn“ gemacht wird, so Bernd Kasischke. „Dr. Plattner ist nach wie vor hundertprozentig vom Konzept der Praxis und auch von diesem Standort überzeugt. Seiner Ansicht nach gibt es noch viel zu wenige von diesen Diamorphinpraxen“, beschreibt Holzwickedes Beigeordnete dessen Haltung. „Auf Augenhöhe und wenn die Patienten auch etwas davon haben, macht er aber mit.“

Situation an Haltestellen verbessert

Das ambulante betreute Wohnen für die Patienten ist noch nicht genehmigt. „Die über der Praxis angemieteten Räume dafür sind aber schon in Betrieb“, so Kasischke. „Auch das Betreuungspersonal ist schon da. Das war ja einer unserer Wünsche. Die Patienten können nun in den oberen Räumen ihre Wartezeiten verbringen.“

Das „scheint auch ganz gut zu funktionieren“, hat der Beigeordneten beobachtet. „Die Zahl der wartenden Patienten an den Haltestellen in der Wilhelmstraße hat seit ein paar Tagen abgenommen. Aber natürlich ist durch diese Maßnahme die Patienten, die über die Nordstraße zwischen Bahnhof und Praxis pendeln, nicht weniger geworden.“

Gemeinde will mehr Präsenz zeigen

Wie der Beigeordnete weiter erklärte, hat es auch noch ein Gespräch mit Vertretern der Nordschule gegeben. Dabei hätten auch die Elternvertreter der Nordschule noch einmal die Problematik deutlich gemacht: Eltern, die ihre Kinder begleiteten, seien von Patienten morgens angebettelt worden. Kinder reagierten durch die Begegnung mit Patienten häufig verängstigt und würden erschreckt. „Wir werden deshalb unsere eigene Präsenz an der Nordschule erhöhen und auch mal die Haltestellen in diesem Bereich besuchen und Personen ansprechen, die zum Beispiel Abfälle wegwerfen oder liegen lassen“, kündigt der Beigeordnete an.

Wenn die Diamorphinpraxis demnächst die Genehmigung für das ambulante betreute Wohnen bekommt, so Kasischke weiter, „gehen wir auch davon aus, dass noch mehr Personal von den Praxisbetreibern eingestellt wird“.  

Nach wie vor hofft die Gemeinde auch noch auf eine Art Shuttlebus, mit dem Patienten zwischen Bahnhof und Praxis transportiert werden können. In dem Gespräch sei ein solcher Bus von den Praxisbetreibern „nicht abgelehnt worden“, berichtet Kasischke. „Es gab aber auch keine Zusage. Vielleicht könnte ein kleiner Bus, der von der Praxis für andere Zwecke eingesetzt wird, auch einmal für solche Fahrten eingesetzt werden.“

Gemeinde hat nur sehr begrenzte Möglichkeiten

Auf Nachfrage der Politik, wer die Kosten für einen solchen Bus übernimmt, betonte Bernd Kasischke: „Wir sicher nicht. Das wäre Sache der Praxis, so wie etwa bei Dialysepatienten der Transport ja auch von den Praxen übernommen wird. Dr. Plattner hat uns auch schon angedeutet, dass er die Kosten für solche Fahrten auch querfinanziert bekäme.“

„Die Möglichkeiten für uns, die Praxisbetreiber zu irgendetwas zu zwingen, sind sehr begrenzt. Die Diamorphinpraxis hat ein Bestandsrecht. Daran ist nichts zu ändern, auch wenn der Umgang miteinander manchmal etwas schwierig ist.“

– Bernd Kasischke (Beigeordneter)

Abschließend wurde Holzwickedes Beigeordneter dann noch einmal deutlich: „Die Möglichkeiten für uns, die Praxisbetreiber zu irgendetwas zu zwingen, sind sehr begrenzt. Die Diamorphinpraxis hat ein Bestandsrecht. Daran ist nichts zu ändern, auch wenn der Umgang miteinander manchmal etwas schwierig ist.“

Der Hauptausschuss nahm die Mitteilungen des Beigeordneten zur Kenntnis. Auf Anregung der Grünen soll nun ein Runder Tisch eingerichtet werden, an dem Vertreter aus allen Fraktionen künftig eine gemeinsame Linie zum Umgang mit der Diamorphinpraxis abstimmen können. Da die Praxisbetreiber ihre Bereitschaft zum Dialog signalisiert hätten, wurde ein solcher Runder Tisch von allen Fraktionen für sinnvoll erachtet.

Diamorphinpraxis


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

Comments (2)

  • „Es gibt noch viel zu wenige von diesen Diamorphinpraxen“
    Na da hat der Herr Doktor ja in Holzwickede noch Potenzial, vielleicht in der Nähe von Herrn Kasischke oder Frau Drossel?

  • Das elegische Verhalten der Verwaltung ist letztlich der Opferrolle geschuldet, in die sie sich manövriert hat. Mit beispielloser Naivität rennt sie den Problemen hinterher – und lässt sich von Dr. Plattner vorführen. Währenddessen hat er bereits seine nächsten Schritte geplant. Jetzt gibt es erstmal einen runden Tisch, Kritik übrigens unerwünscht. Dieser runde Tisch dient vermutlich nur dazu dient, seitens der Praxis Zeit zu gewinnen, um zwischenzeitlich weitere Fakten zu schaffen.

    Die Lösung liegt nun nicht in der Diskussion mit Dr. Plattner selbst – er mag hier machen was er will – was übrigens sein gutes Recht ist. Die Lösung liegt auch nicht im Akzeptieren eines Grundrausches, also dem Beikonsum im Zusammenhang mit Beschaffungskriminalität – so sehr sich der Praxisbetreiber das auch wünschen mag.
    Nur durch die Schaffung von Öffentlichkeit und weiterer Beteiligten über die Dysfunktionalität in Bezug auf die Ziele des Diamorphinprogramms wird Dr. Plattner gezwungen werden, seine Behandlungen dort durchzuführen wo es Sinn macht. Nähmlich da wo die Patienten wohnen. Und genau hier sind wir bei den oben genannten vermutlich nächsten Schritten seitens der Praxis liebe Gemeindeverwaltung. Action Please!

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