Lärmschutz an A 44 muss nachgebessert werden

Bruecke

Im Zusam­men­hang mit den sechs­spu­ri­gen Aus­bau der A 44 sind umfang­rei­che Lärm­schutz­maß­nah­men geplant. Nach bis­he­ri­gen Pla­nun­gen soll auch die­se Auto­bahn­brücke, über die ein Wirt­schafts­weg führt, dem Aus­bau zum Opfer fal­len. (Foto: Peter Grä­ber)

Im Pla­nungs- und Bau­aus­schuss stand am Diens­tag (9.12.)  der schein­bar lang­wei­li­ge Tages­ord­nung­punkt 5: Gemeind­li­che Stel­lung­nah­me zum Deck­blatt­ver­fah­ren IV. Hin­ter die­ser büro­kra­tisch ver­schlei­ern­den Bezeich­nung ver­birgt sich ein Bau­vor­ha­ben, das die Gemein­de Holzwicke­de nach­hal­tig beein­träch­ti­gen wird: der sechs­spu­ri­ge Aus­bau der A 44/B 1.

So sind nicht nur die bei­den Tank­stel­len an der A 40 in Holzwicke­de (West­fa­len und Esso) durch den Aus­bau in ihrer Exi­stenz mas­siv gefähr­det. Auch die Auto­bahn­brücke zwi­schen der Vin­cenz-Wie­der­holt- und  Nord­stra­ße, über die ein Wirt­schafts­weg führt, soll dem Aus­bau nach den bis­he­ri­gen Pla­nun­gen ersatz­los zum Opfer fal­len. Dar­über hin­aus wird der sechs­spu­ri­ge Aus­bau der A 44 die Gemein­de natür­lich auch ver­kehrs­be­dingt mit mehr Schad­stof­fen und Lärm beein­träch­ti­gen. Vor die­sem Hin­ter­grund sind umfang­rei­che Lärm­schutz­maß­nah­men im Bereich der Gemein­de Holzwicke­de zwi­schen der Vin­cenz-Wie­der­holt-Stra­ße und dem Oel­pfad geplant. In Höhe der Zu- und Abfahr­ten der Nord­stra­ße sind die­se Lärm­schutz­maß­nah­men teil­wei­se auch schon rea­li­siert wor­den.

Stellungnahme der Gemeinde kommentarlos abgenickt

Gleich nach der Eröff­nung des Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­rens und ersten Anhö­run­gen im Betei­li­gungs­ver­fah­ren vor etwa fünf Jah­ren ging eine Kla­ge gegen das Vor­ha­ben ein. Im Kern der Kla­ge ging es dar­um, dass die Pla­ner für ihre Berech­nun­gen  den erwar­te­ten Ver­kehr nur für einen Zeit­raum bis zum Jahr 2020 berück­sich­tigt hat­ten. Die Klä­ger beka­men Recht – und muss­ten ihre Pla­nun­gen für die Ver­kehrs­men­gen in einem um fünf Jah­re län­ge­ren Zeit­raum aus­le­gen. Mehr Ver­kehr bedeu­tet mehr Beein­träch­ti­gun­gen.

Als eine Kon­se­quenz aus die­ser ver­än­der­ten Aus­gangs­la­ge müs­sen alle bis­her vor­ge­se­he­nen Maß­nah­men zum Schutz vor Lärm und Schad­stof­fen nach­ge­bes­sert wer­den. Und genau dazu soll­te die Gemein­de Holzwicke­de nun ihre Stel­lung­nah­me abge­ben. Die Ver­wal­tung emp­fahl kei­ne wei­te­ren Anre­gun­gen und Beden­ken zu dem Vor­ha­ben abzu­ge­ben. Die Mit­glie­der im Bau- und Pla­nungs­aus­schuss nick­ten die­se Emp­feh­lung kom­men­tar­los ab.

Was bedeuten die Nachbesserungen für Holzwickede?

Was bedeu­ten die Nach­bes­se­run­gen aber nun für Holzwicke­de? Waren die ursprüng­lich vor­ge­se­he­nen Lärm­schutz­wän­de zwi­schen der Vin­cenz-Wie­der­holt-Stra­ße und dem Oel­pfad noch maxi­mal vier Meter hoch, so sol­len die jetzt not­wen­di­gen Lärm­schutz­wän­de auf der süd­li­chen Sei­te der A 44 immer­hin bis zu sechs Meter hoch wer­den. Auf der nörd­li­chen Sei­te der Auto­bahn sind die Lärm­schutz­maß­nah­men in die­ser Höhe nur zwi­schen  Oel­pfad und Nord­stra­ße beab­sich­tigt. Danach folgt in Rich­tung Dort­mund über­wie­gend gewerb­li­che  Bebau­ung, an die kei­ne so hohe Schutz­for­de­rung gestellt ist wie an Wohn­be­bau­ung. Soweit der Lärm­schutz bereits in Höhe Nord­stra­ße rea­li­siert ist, muss auch dort noch auf­ge­stockt wer­den. Rund 1,45 Mio. Euro mehr als bis­her kostet die­se Nach­bes­se­rung. Nach Ansicht der Ver­wal­tung bringt sie aber eine Ver­bes­se­rung für die Anwoh­ner und Gewer­be­be­trie­be mit sich: Tat­säch­lich sol­len 97 Pro­zent der beein­träch­tig­ten Wohn- und Gewer­be­be­rei­che geschützt sein.

Aber eben nicht alle: So wur­de etwa aus Kosten­grün­den auf Lärm­schutz­maß­ah­men zwi­schen den Ram­pen der Zufahrt in Fahrt­rich­tung Dort­mund ver­zich­tet, wodurch es einen Wohn­ort und fünf Gewer­be­be­trieb mehr geben wird, in denen die Grenz­wer­te für Lärm und Schad­stof­fe spä­ter über­schrit­ten wer­den. Auch auf noch bes­se­re Schutz­maß­nah­men, die alle betrof­fe­nen Wohn- und Gewer­be­be­rei­che geschützt hät­ten, wur­de aus Kosten­grün­den ver­zich­tet. Mit fast 3,4 Mio,. Euro wäre die­ses Plus an Schutz „unver­hält­nis­mä­ßig“, heißt es in der Vor­la­ge der Ver­wal­tung dazu.

Nach Ansicht der Ver­wal­tung haben des­halb bestimm­te Wohnorte/Bewohner einen Anspruch auf pas­si­ve Maß­nah­men.

Nördlich der A 44 sind dies:

Howi_Nord

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Südlich der A 44 sind dies:

Howi_Süd

 

 

 

 

 

 

Vorhaben eng mit Ostumgehung verbunden

Span­nend ist der geplan­te sechs­spu­ri­ge Aus­bau der A 44 aber auch noch aus einem ganz ande­ren Grund. Denn die­se Maß­nah­me ist eng mit dem Bau der Ost­um­ge­hung (L 677n) in Holzwicke­de ver­bun­den, die ja bekannt­lich mit einem neu­en Anschluss an die A 44 in Höhe  Oel­pfad anbin­den soll. Die für den sechs­spu­ri­gen Aus­bau der A 44 geplan­ten Lärm­schutz­maß­nah­men sind folg­lich auch bis in den Bereich des neu­en Anschlus­ses am Oel­pfad vor­ge­se­hen. Umge­kehrt ist nur schwer vor­stell­bar, dass der neue bAn­schluss für die L 677n am Oel­pfad gebaut wird, ohne dass bereits der ein sechs­spu­ri­ger Aus­bau der A 44 erfolgt ist. Bei­de Bau­maß­nah­men bedin­gen sich also gegen­sei­tig. Was die Bau­vor­ha­ben außer­dem gemein­sam haben: Sie sind recht teu­er und Bund und Land müs­sen mit erheb­li­chen Wider­sprü­chen in den öffent­li­chen Betei­li­gungs­ver­fah­ren und, wie sich gezeigt hat, auch Ver­zö­ge­run­gen durch juri­sti­sche Kla­gen vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt rech­nen. Desh­lab erwar­ten Exper­ten auch, dass bis zum Beginn des sechs­spu­ri­gen Aus­baus der A 44 noch min­de­stens fünf Jah­re ins Land gehen wer­den.

Lage­skiz­ze der vor­ge­se­he­nen Schall­schutz­maß­nah­men:

Die Skiz­ze des Lan­des­be­trie­bes Strassen.NRW zeigt die Lage der Berei­che, für die Lärm­schutz­maß­nah­men (rot mar­kiert) erfor­der­lich sind.

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Dipl.-Journalist

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