Holzwickeder mit „chaotischer Ader“ überliest Fahrverbot: 450 Euro Geldstrafe

Wer lesen kann, ist klar im Vor­teil: Viel­leicht hätte der 49-jäh­rige Holzwickeder etwas genauer hin­sehen sollen, als er im Sommer 2014 seine Anzeige wegen zu schnellen Fah­rens bekommen hatte. Dann wäre ihm wohl die Anklage wegen Fah­rens ohne Füh­rer­schein heute vor dem Amts­ge­richt Unna erspart geblieben. Doch der Reihe nach:

Im Sommer 2014 war der Holzwickeder auf der Auto­bahn 1 erwischt worden, weil er 36 km/​h schneller als erlaubt mit seinem Auto unter­wegs war. Dar­aufhin wurde auch ein Fahr­verbot von einem Monat gegen ihn ver­hängt. In dem amt­li­chen Schreiben wurde ihm dazu mit­ge­teilt, dass er – wie in sol­chen Fällen üblich – den Zeit­punkt seines Fahr­ver­botes selbst wählen kann.

Da er als Selbst­stän­diger auf seinen Füh­rer­schein ange­wiesen ist, wollte der Holzwickeder das Fahr­verbot in die Weih­nachts­zeit zum Jah­res­wechsel 2014/​15 legen, wie er heute erklärte. Doch dann habe er uner­wartet doch noch einige Auf­träge in der Weih­nachts­zeit bekommen und des­halb sein Fahr­verbot noch weiter hin­aus­ge­schoben.

Kein Sinn für Papierkram

Das hätte er besser nicht getan und das amt­liche Anschreiben zur Anzeige genauer durch­ge­lesen. Denn darin infor­mierten die Behörden ihn zwar, dass er den Zeit­punkt seines Fahr­ver­botes wählen kann. Aller­dings weisen sie am Ende des Schrei­bens auch darauf hin, dass ein Fahr­verbot bis spä­te­stens 20. Januar 2015 zu nehmen ist oder es anson­sten zwin­gend greift. Und das hatte der 49-Jäh­rige offenbar über­lesen.

Mit anderen Worten: Ab Januar 2015 war der Holzwickeder ohne Fahr­erlaubnis mit seinem Auto unter­wegs. Sein Pech: Im Zeit­raum von 19. Februar bis 4. April 2015 wurde er ins­ge­samt viermal in Holzwickede und ein wei­teres Mal in Unna geblitzt, weil er zu schnell unter­wegs war.

Erst durch diese Anzeigen habe er dann erfahren, dass er sich strafbar gemacht habe, so der Ange­klagte. In der Ver­hand­lung heute ent­schul­digte er sich damit, dass er „eine chao­ti­sche Ader“ und „nicht so mit dem Papierkam“ habe. Den Hin­weis mit dem zwin­genden Termin für das Fahr­verbot habe er „ganz ein­fach über­lesen“.

Da der Holzwickeder bisher unbe­scholten durchs Leben gegangen ist, ließ Richter Jörg Hücht­mann Milde walten und ver­ur­teilte ihn zu einer Geld­strafe von 450 Euro – ver­bunden mit dem guten Rat, amt­liche Schreiben in Zukunft immer sorgsam bis zum Ende zu lesen.

Fahren ohne Führerschein


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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