Fliegengitter ohne Geld im Internet bestellt: 600 Euro Geldstrafe wegen Betrugs

Weil sie im Juni 2013 vier Flie­gen­gitter im Wert von 50 Euro beim Online­händler Gartenversand24.de bestellte, obwohl sie weder wil­lens noch bin der Lage gewesen ist, die prompt gelie­ferte Ware zu bezahlen, musste sich heute eine 46-jäh­rige Holzwicke­derin vor dem Amts­ge­richt in Unna wegen Betrugs ver­ant­worten.

Für die Holzwicke­derin, die von Hartz IV lebt, ist das aller­dings nichts Neues: Die 46-Jäh­rige ist wegen meh­rere Dut­zend Betrugs­fälle ein­schlägig vor­be­straft und auch schon zu mehr­jäh­rigen Haft­strafen ver­ur­teilt worden. Ver­büßen musste sie diese aller­dings keine von ihren Vor­strafen voll­ständig: Die Holzwicke­derin ist psy­chisch krank und des­halb auch in The­rapie.

Ich musste das ein­fach tun, um mich zufrieden zu stellen. Das hat etwas mit meiner Krank­heit zu tun“

Die Ange­klagte (46 J.) zu ihrem Tat­motiv

Auf der Ankla­ge­bank heute räumte sie den aktu­ellen Betrugs­vor­wurf auch frank und frei ein: Sie habe die vier Flie­gen­gitter tat­säch­lich im Internet bestellt. Offen­kundig gegen jede Ver­nunft. „Ich musste das ein­fach tun, um mich zufrieden zu stellen. Das hat etwas mit meiner Krank­heit zu tun“, erklärte die Holzwicke­derin Richter Jörg Hücht­mann. Nach sol­chen Ein­käufen fühle sie sich ein­fach besser, so die Ange­klagte weiter.

Auf Nach­frage von Richter Hücht­mann, der die Ange­klagte bereits aus anderen Ver­fahren kennt, ver­si­cherte die 46-Jäh­rige, dass es ihr inzwi­schen zwar Dank einer The­rapie gesund­heit­lich besser gehe. Aber noch immer habe sie depres­sive Phasen, falle dann „wie in Loch“.

Aus einem ärzt­li­chen Gut­achten, das in einem der Vor­ver­fahren erstellt wurde, geht indes hervor, so Richter Jörg Hücht­mann, dass die Ange­klagte einen „gesund­heit­li­chen Hin­ter­grund“ habe, im Tat­zeit­raum aller­dings im straf­recht­li­chen Sinne voll ver­ant­wort­lich für ihr Tun gewesen ist.

Gesundheitlicher Hintergrund und mehrfache Vorstrafen

Die 50 Euro zurück­ge­zahlt hat die Holzwickeder bis­lang aller­dings nicht. „Aber ich habe Kon­takt zu dem Händler auf­ge­nommen“, erklärte sie. Von einem Kon­takt habe erin Händler aber noch kein Geld, stellte Richter Jörg Hücht­mann fest. Und dass sie nach immerhin zwei­ein­halb Jahren erst­mals Kon­takt zu dem Händler auf­ge­nommen habe, lasse „sicher nicht jeden vor Freude strahlen“.

Die Ankla­ge­ver­tre­terin sah den Tat­vor­wurf des Betrugs nach der Beweis­auf­nahme heute bestä­tigt. Zugun­sten der Ange­klagten wer­tete sie ihr Geständnis sowie ihre gesund­heit­liche Vor­ge­schichte. Zudem befinde sich die 46-Jäh­rige in The­rapie. Schließ­lich habe es sich bei der Bestel­lung auch nur um einen gering­fü­gigen Schaden gehan­delt. Gegen die Holzwicke­derin spre­chen aller­dings auch ihre mehr­fa­chen ein­schlä­gigen Vor­strafen. Des­halb sei eine Geld­strafe in Höhe von 900 Euro ange­messen, so die Ankla­ge­ver­tre­terin.

Das Urteil fiel etwas milder aus: Richter Jörg Hücht­mann ver­ur­teilte die Holzwicke­derin nur zu 600 Euro Geld­strafe. In seiner Urteils­be­grün­dung wies der Richter darauf hin, dass er eine Geld­strafe noch einmal für aus­rei­chend halte, weil die Holzwicke­derin in ihrer The­rapie tat­säch­lich erheb­lich Fort­schritte gemacht habe. Außerdem habe er die finan­zi­elle Situa­tion der Hartz-IV-Emp­fän­gerin berück­sich­tigt.

Betrug


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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