So geht Naturschutz heute: Paul-Gerhardt-Schule erhält Umweltpreis

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Schul­leiter Magnus Krämer säu­bert mit den beiden Viert­kläss­lern Lucy und Ryan (l.) einen Bie­nen­stock im Lehr­bie­nen­stand der Paul-Ger­hardt-Schule. Rechts unten im Bild ist die neu instal­lierte Webcam erkennbar, die rund um die Uhr das Flug­loch der Bienen (grüne Öff­nung) filmt. Für das Pro­jekt ist die Grund­schule jetzt mit dem 1. Preis im Wett­be­werb „Natur­schutz digital“ der Bezirks­re­gie­rung Arns­berg aus­ge­zeichnet worden. (Foto: Peter Gräber)

Die Kinder der Paul-Ger­hardt-Schule, das Kol­le­gium und natür­lich auch die Eltern sind stolz wie Oskar: Die kleine Grund­schule in Hengsen ist für ihre Bienen-Webcam von der Bezirks­re­gie­rung Arns­berg mit dem 1. Preis im Wett­be­werb „Natur­schutz digital“ aus­ge­zeichnet worden.

Es gibt Pro­jekte, da würde man als Erwach­sener am lieb­sten noch einmal die Schul­bank drücken. Der Lehr­bie­nen­stand der Paul-Ger­hardt-Schule ist so ein tolles Pro­jekt. Anfangs mochten manche Schul­leiter Magnus Krämer viel­leicht für etwas ver­rückt gehalten haben, als der Päd­agoge und Hobby-Imker mit der Idee zum Lehr­bie­nen­stand an sie her­an­trat. Doch seit zwei Jahren beob­achten, hegen und pflegen die Kinder der kleinen Grund­schule in Hengsen ihre eigenen Bienen. Es gibt eine voll aus­ge­stat­tete Schul-Imkerei, die über­wie­gend von den Kin­dern betrieben wird und wohl keinen mehr im Umfeld der Schule, der nicht begei­stert und über­zeugt von dem ein­zig­ar­tigen Pro­jekt ist. Im ganzen Regie­rungs­be­zirk Arns­berg gibt es wohl keinen zweiten Schul­be­trieb, der Bie­nen­völker behei­matet.

Schul­bienen lie­fern 30 bis 40 Kilo­gramm besten Honig

In diesem Jahr waren schon vier Kin­der­gärten aus Holzwickede wegen der Bienen bei uns zu Besuch“, berichtet Magnus Krämer. „Und auch aus Dort­mund gibt es schon Anfragen.“ Der Lehr­bie­nen­stand eignet sich her­vor­ra­gend, um die päd­ago­gi­sche Arbeit span­nender zu machen und die Kinder für den Natur­schutz zu inter­es­sieren. In der Schule gibt es inzwi­schen auch eine Wachs-Werk­statt, in der die Kinder Kerzen drehen und Anderes aus Wachs basteln. „Wir haben natür­lich auch eine Honig­küche“, erklärt Magnus Krämer. „Den Honig ver­schenken oder ver­kaufen wir“, erklärt Magnus Krämer. Immerhin 30 bis 40 Kilo­gramm besten Honig lie­fern die beiden Bie­nen­völker der Schule das Jahr über – zu wenig, um die gesamte Nach­frage zu befrie­digen. Denn die kleine Grund­schule ver­kauft einen Teil ihrer Honig­ernte auf dem Schul­basar oder am eigenen Stand auf dem Weih­nachts­markt (28. – 30.11.) in diesem Monat. „Für die Honig­gläser haben wir sogar ein eigenes Eti­kett ent­worfen“, meint der Schul­leiter stolz.

Der Lehr­bie­nen­stand der Paul-Ger­hardt-Schule gehört mitt­ler­weile auch zum Netz­werk „Bienen machen Schule“ und ist unter der Adresse

http://www.bienen-schule.de/schule/schulenetz/schule.visitenkarte/index.html?id=6990

für alle Inter­es­sierten im Internet zu finden.

Dank enga­gierter Helfer hat die Instal­la­tion der Webcam die Schule keinen Cent geko­stet

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Dank der Webcam können die Kinder nun das Ver­halten de Bienen am Flug­loch viel besser beob­achten. (Foto: privat)

Die Bie­nen­völker stehen etwa 60 bis 70 Meter hinter der Schule in unmit­tel­barer Nach­bar­schaft der schul­ei­genen Obst­wiese am Stand­ort­übungs­platz in Hengsen. Wer die Bienen sehen will, muss also jedes Mal diesen Weg nehmen. „Es wäre doch schön, wenn wir eine Webcam hätten“, dachte sich Magnus Krämer. Dann könnten die Kinder die Bienen noch besser beob­achten, sogar direkt in der Schule. Doch die Umset­zung dieser Idee erwies sich als gar nicht so ein­fach.

Zum Glück konnte sich die Schule wie immer auf ihre enga­gierten Eltern und Sym­pa­thi­santen aus der Gemeinde ver­lassen. Drei Väter waren beson­ders angetan von der Idee mit der Webcam. Dirk Walter, Stefan Diercks und Jürgen Thöne trafen sich mit Magnus Krämer und machten sich an einem Samstag an die Arbeit: Gemeinsam ver­legten sie etliche Meter Kabel, rich­teten die Webcam direkt am Bie­nen­stand ein, pro­gram­mierten die Soft­ware dazu und brachten die Bilder ins welt­weite Internet. „Aller­dings mussten wir mit dem Kabel einige Baum­wipfel über­queren“, erklärt Magnus Krämer. „Das war ein Pro­blem. Denn mit der Leiter wäre das zu gefähr­lich gewesen.“ Doch auch diese Hürde wurde genommen: Die Lie­se­gang stellte kostenlos einen Hub­steiger zur Ver­fü­gung, mit dem das Kabel gefahrlos in luf­tiger Höhe zur Webcam ver­legt werden konnte. Magnus Krämer staunt noch immer: „Ohne das Enga­ge­ment einiger Eltern und inter­es­sierter Bürger hätten wir das nie geschafft. Auch die Gemeinde hat uns unter­stützt. Für die Instal­la­tion der Webcam haben wir so keinen Cent zahlen müssen. “

Kinder können das Ver­halten der Bienen jetzt noch besser beob­achten

Die Kinder können ihre Bienen am Flug­loch jetzt ganz genau beob­achten, wie sie Pollen bringen, eine Hummel weg­schubsen oder auch mal eine Hor­nisse bekämpfen – wenn sie wollen auch in den Ferien. Die Webcam filmt das Flug­loch der Bienen und ihr mun­teres Treiben in Echt­zeit. Im Ein­gangs­be­reich der Schule läuft der Film auf einem Groß­bild und macht die Kinder stolz auf ihre Schul­bienen.

Auch auf der Home­page der Schule (www.pgs-holzwickede.de) ist der Stream ein­ge­bunden und kann von allen Inter­es­sierten jeder­zeit online ein­ge­sehen werden (s. Hin­weis unten). Und die Gemeinde möchte die Bienen-Webcam der Schule eben­falls noch auf ihrer Home­page ver­linken.

Erstaun­lich: Auch um diese Jah­res­zeit fliegen die Bienen noch, wenn auch sel­tener. „Irgend­etwas blüht ja immer“, meint Magnus Krämer. „Diese Woche war ja noch richtig tolles Wetter. Da waren ständig so etwa 50 Bienen am Flug­loch“ Zwar sam­meln die Bienen jetzt kein Nektar mehr, dafür aber Pollen. „Oder sie machen Rei­ni­gungs­flüge. Erst wenn es dann sehr kalt wird, hören sie ganz auf zu fliegen und bleiben im Stock.“ So ein Bie­nen­volk besteht aus 30- bis 40.0000 Bienen. Im Winter sind es weniger, so etwa 12- bis 15.000 Bienen.

Preis­ver­lei­hung bei der Bezirks­re­gie­rung Arns­berg

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Regie­rungs­prä­si­dent Dr. Gerd Bol­ler­mann (l.) über­reichte und den stolzen Schü­lern und Schul­leiter Magnus Krämer die Aus­zeich­nung. (Foto: RP Arns­berg)

Im Früh­jahr will der Schul­leiter gemeinsam mit der ört­li­chen NABU-Gruppe auch noch Nist­kä­sten für Vögel auf­stellen am Bie­nen­stand auf­stellen und eine Webcam anbringen. „Dann können die Kinder auch mal ins Innere eines Nist­ka­stens blicken.“ Bei den Bienen ist das natür­lich nur schlecht mög­lich. „Wir konnten aber auch keine Webcam im Stock anbringen“, weiß Magnus Krämer. „Die Bienen hätten sofort alles mit Wachs über­zogen und zuge­kittet.“

Zur Preis­ver­lei­hung in Arns­berg reiste Magnus Krämer am Montag dieser Woche mit einigen Kin­dern der Paul-Ger­hardt-Schule an. Sicht­lich stolz nahmen sie ihre Aus­zeich­nung aus den Händen von Regie­rungs­prä­si­dent Dr. Gerd Bol­ler­mann ent­gegen.

Die Jury hatte bei der 5. Auf­lage des Natur­schutz­preises die Qual der Wahl. Aus 19 starken Bei­trägen wählte sie fünf Erst- und vier Zweit­platz­ierte aus, die jeweils 1.350 bezie­hungs­weise 500 Euro als Prämie erhielten. Ins­ge­samt hatte das Mini­ste­rium für Kli­ma­schutz, Umwelt, Land­wirt­schaft, Natur- und Ver­brau­cher­schutz erneut 10.000 Euro als Preis­geld zur Ver­fü­gung gestellt. Mit der nun­mehr 5. Preis­ver­lei­hung sei es gelungen, „das moderne Gesicht des Natur­schutzes“ zu zeigen. Die aus­ge­zeich­neten Pro­jekte seien ein Beleg dafür, dass es sowohl dem amt­li­chen wie auch dem ehren­amt­li­chen Natur­schutz gelinge, mit den Ent­wick­lungen bei den digi­talen Infor­ma­tions- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gien Schritt zu halten, so Dr. Bol­ler­mann.

Begründet hat die Jury die Preis­ver­gabe an die Paul-Ger­hardt-Schule so: „Schü­le­rinnen und Schüler erfahren über die Bienen-Webcam Wis­sens­wertes und Inter­es­santes über Bienen. Deren Rolle in der Natur wird in moderner Weise dar­ge­stellt. (…) Die Bienen-Webcam macht viele Men­schen auf dieses span­nende Thema auf­merksam. So würden Natur­schutzhemen über zeit­ge­mäße digi­tale Medien ver­mit­telt – im Ein­klang mit dem päd­ago­gi­schen Lehr­auf­trag.

Hin­weis zum Link der Webcam: Die Nut­zung des Video­streams vom Flug­loch der Bienen ist leider zur­zeit noch etwas umständ­lich, räumt Schul­leiter Magnus Krämer ein. Nutzer müssen die kosten­lose Free­ware Java auf ihrem Com­puter instal­liert haben. Auf der Home­page der Schule (www.pgs-holzwickede.de) müssen sich Besu­cher über den Unter­link „Schu­lim­kerei“ zur „Bie­nenCam“ durch­klicken. Dann wird ein (nicht geheimes) Pass­wort abge­fragt. Es lautet „1 – 2‑3 – 4“. Danach können die Schul­bienen an ihrem Flug­loch beob­achtet werden.

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Regie­rungs­prä­si­dent Dr. Gerd Bol­ler­mann über­reichte die Aus­zeich­nung höchst­per­sön­lich an die Schü­le­rinnen der Paul-Ger­hardt-Schule und Schul­leiter Magnus Krämer. (Foto: RP Arns­berg)

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Regie­rungs­prä­si­dent Dr. Gerd Bol­ler­mann (2. Reihe, 4.v.l.) mit den dies­jäh­rigen Preis­trä­gern im Großen Sit­zungs­saal der Bezirks­re­gie­rung. (Foto: RP Arns­berg)

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Die Webcam der Paul-Ger­hardt-Schule zeigt das Flug­loch der Bienen in Echt­zeit. (Foto: privat)

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So können die Kinder und alle anderen Inter­es­sierten das Geschehen am Ein­gang zum Bie­nen­staat genau beob­achten. (Foto: privat)

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Magnus Krämer mit Ryan (li.) und Lucy, bei aus der 4. Klasse, bei Rei­ni­gungs­ar­beiten am Bie­nen­stock. (Foto: Peter Gräber)

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Die mei­sten Arbeiten in der Schul-Imkerei über­nehmen die Kinder selbst. Unten rechts im Bild die neue Webcam. (Foto: Peter Gräber)

Das Kabel zur Webcam wird montiert

Zur Instal­la­tion der Webcam half die Firma Lies­gang kostenlos mit einem Hub­steiger aus. (Foto: privat)

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Schon bei der Ein­rich­tung des Lehr­bie­nen­standes war das Enga­ge­ment der Kinder, Eltern und pri­vater Bürger groß. (Foto: privat)

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Das Foto zeigt die Bau­ar­beiten für den Bie­nen­stand, der etwa 60 bis 70 Meter unter­halb der Schule in direkter Nähe zum Stand­ort­übungs­platz und der schul­ei­genen Obst­wiese errichtet wurde. (Foto: privat)

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Das Inter­esse an den Schul­bienen ist groß. Im Sommer schauen oft Besu­cher vorbei. (Foto: privat)

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Auch die jüng­sten Besu­cher aus den Kin­der­gärten werden in die typi­sche Imker­klei­dung gesteckt, bevor sie sich den Bienen nähern dürfen. (Foto: privat)

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Sogar ein eigenen Eti­kett wurde für die PGS ent­worfen. Der Honig aus der Schul-Imkerei wird ver­schenkt oder auf Basaren und Märkten wie dem Weih­nachts­markt in diesem Monat ver­kauft. (Foto: privat)

sehr gesund ist, hat die der Paul-Gerhardt-Schule auch schriftlich. Schulleiter Magnus Krämer hat den Honig der Schulbienen im Institut für Bienenkunde Celle des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit analysieren lassen. Das genaue Ergebnis geht aus dem folgenden Prüfbericht (s.Bildergalerie)  hervor. In der Anlage zum Prüfbericht sind auf Seite 2 alle Pollen aufgelistet, die in dem Honig festgestellt werden konnten. Interessant: Die meisten Allergiker dürften die Pollen, gegen die sie allergisch sind, genau kennen. Finden sie diese in der Liste wieder, können sie ihr natürliches Immunsystem gezielt verbessern, indem sie täglich einen Löffel dieses Honigs zu sich nehmen, versichert der Imker und Schulleiter Magnus Krämer.

Dass ihr Honig nicht ur süß, son­dern auch sehr gesund ist, hat die Paul-Ger­hardt-Schule sogar schrift­lich. Schul­leiter Magnus Krämer hat den Honig der Schul­bienen im Institut für Bie­nen­kunde Celle des Nie­der­säch­si­schen Lan­des­amtes für Ver­brau­cher­schutz und Lebens­mit­tel­si­cher­heit ana­ly­sieren lassen. Das genaue Ergebnis geht aus diesem Prüf­be­richt hervor. Inter­es­sant ist…

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…dass in der Anlage zum Prüf­be­richt alle Pollen auf­ge­li­stet sind, die in dem Honig fest­ge­stellt werden konnten. Die mei­sten All­er­giker mit Heu­schnupfen dürften die Pollen, gegen die sie all­er­gisch sind, genau kennen. Finden sie diese in der Liste wieder, können sie ihr natür­li­ches Immun­sy­stem gezielt ver­bes­sern, indem sie täg­lich einen Löffel dieses Honigs zu sich nehmen, ver­si­chert der Imker und Schul­leiter Magnus Krämer.

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