Dr. Petra Winzer-Milo, Sachgebietsleiterin Kinder- und Jugendgesundheit. (Foto: privat)

Einschulung: Mädchen häufig übergewichtig – Jungen mit Entwicklungsdefiziten

Dr. Petra Winzer-Milo. (Foto: Kreis Unna)(PK) Mäd­chen sind häu­figer über­ge­wichtig, Jungen zeigen dafür öfter Ent­wick­lungs­de­fi­zite, die behan­delt werden müssen. Das ist das Ergebnis der Schul­ein­gangs­un­ter­su­chungen des Kreises Unna. Wie im Vor­jahr stellten die Schul­ärz­tinnen des Kreises bei fast jedem vierten Kind Sprach­pro­bleme fest.

Dabei macht es aller­dings kaum einen Unter­schied, ob die Kinder aus deutsch­spra­chigen Fami­lien kommen oder aus inter­kul­tu­rellen Fami­lien: Rund 24 Pro­zent der Kinder, die deut­sche Mut­ter­sprachler sind, haben eine Sprach­stö­rung, wäh­rend dieser Anteil bei den Kin­dern mit einer anderen Mut­ter­sprache mit rund 24,5 Pro­zent nur gering­fügig höher aus­fällt. Deut­lich auf­fäl­liger ist hier der Unter­schied zwi­schen Mäd­chen und Jungen: Rund 19 Pro­zent der Mäd­chen, aber rund 30 Pro­zent der Jungen haben Pro­bleme beim Spre­chen.

Ins­ge­samt unter­suchten die Schul­ärz­tinnen des Kreises zwi­schen Sep­tember 2014 und Juli 2015 bei den Gesund­heits-Checks, die für ange­hende i‑Männchen zum Pflicht­pro­gramm gehören, 3.149 Mäd­chen und Jungen. Aus lang­jäh­riger Erfah­rung hat Dr. Petra Winzer-Milo, die Lei­terin des Kinder- und Jugend­ge­sund­heits­dien­stes beim Kreis, Ver­gleichs­mög­lich­keiten. Sie unter­streicht: „Die Kinder sind nicht besser oder schlechter als früher. Die Ansprüche an unsere Kinder haben sich ver­än­dert, was sich bei­spiels­weise daran ablesen lässt, dass sie heute früher ein­ge­schult werden.“

Die Kinder sind nicht besser oder schlechter als früher. Die Ansprüche an unsere Kinder haben sich ver­än­dert, was sich bei­spiels­weise daran ablesen lässt, dass sie heute früher ein­ge­schult werden.“

Dr. Petra Winzer-Milo

Die Schul­ein­gangs­un­ter­su­chung dauert in Nord­rhein-West­falen durch­schnitt­lich eine Stunde. „Das zeigt, wie wichtig es ist, eine gute Grund­lage für die gezielte För­de­rung der Kinder zu haben“, betont Dr. Petra Winzer-Milo. Sie freut sich dar­über, dass sich ein posi­tiver Trend der ver­gan­genen Jahre bestä­tigt hat: Zur Ein­schu­lungs­un­ter­su­chung brachten 96 Pro­zent aller Ein­schul­kinder ihr Vor­sor­ge­heft mit. Davon hatten 95 Pro­zent an der Früh­erken­nungs­un­ter­su­chung U9 im Alter von 5 Jahren teil­ge­nommen.

Muttersprachler haben kaum weniger Sprachstörungen

Ins­ge­samt wurden in den Berei­chen Motorik, Sprache, Wahr­neh­mung und Ver­halten ähn­lich häufig Stö­rungen und Auf­fäl­lig­keiten fest­ge­stellt wie in den Vor­jahren. „Wir beob­achten aller­dings, dass die Erst­sprache nicht so ent­schei­dend ist wie das Geschlecht“, ana­ly­siert Dr. Petra Winzer-Milo. „Jungen haben nicht nur bei der Sprache, son­dern auch in anderen Berei­chen wie Motorik oder Wahr­neh­mung deut­lich häu­figer Nach­hol­be­darf als Mäd­chen.“

Des­halb emp­fehlen die Lei­terin des Kinder- und Jugend­ge­sund­heits­dien­stes und ihre Mit­ar­bei­te­rinnen Eltern, ihre Kinder zu Hause zu för­dern – und zwar durch ein ganz nor­males Mit­ein­ander: „Sprache ent­steht im Dialog. Eltern sollten viel mit ihren Kin­dern spre­chen und keine Ein-Wort-Sätze durch­gehen lassen“, nennt Dr. Petra Winzer-Milo ein Bei­spiel, wie sich Sprach­för­de­rung pro­blemlos in den Alltag ein­bauen lässt.

Wieder höher als im Vor­jahr ist mit 10,3 Pro­zent der Anteil über­ge­wich­tiger bzw. stark über­ge­wich­tiger Ein­schul­kinder (2014: 8,5 Pro­zent). Auch des­halb emp­fahlen die Gesund­heits-Exper­tinnen des Kreises mehr als einem Viertel der Kinder aus­drück­lich, Sport zu treiben, um gesund­heit­liche Pro­bleme in den Griff zu bekommen oder ihnen vor­zu­beugen.

Statistik der Schuleingangsuntersuchung der 147 Kinder in Holzwickede

Erst­sprache nicht Deutsch 14,97 %

Sprach­stö­rung 21,09 %

Moto­rik­stö­rung 7,48 %

Wahr­neh­mungs­stö­rung 2,04 %

Ver­hal­tens­stö­rung 10,20 %

Früh­för­de­rung 12,93 %

Sprach­the­rapie 26,53 %

Ergo­the­rapie 12,93 %

Schuleingangsuntersuchung

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