Ehekrieg mit Folgen: Heißblütiger Italiener wegen Körperverletzung vor Gericht

Ita­lie­nern sagt man gemeinhin nach, dass sie beson­ders heiß­blütig sind. Sein sprich­wört­li­ches heißes Blut brachte einen 70-jäh­rigen Ita­liener auf die Ankla­ge­bank des Amts­ge­richtes Unna, wo er sich heute (13.8.) wegen Kör­per­ver­let­zung und Bedro­hung zu ver­ant­worten hatte.

Im Gerichts­saal gab er sich aller­dings heute ganz ruhig. Was ver­mut­lich auch daran lag, dass er inzwi­schen von seiner Ehe­frau, in deren Haus in Holzwickede er zuletzt über ein Jahr lang in fort­wäh­rendem Streit gelebt hatte, getrennt lebt. In einer Woche werden die beiden nach 34 Jahren end­gültig geschie­dene Leute sein.

Die beiden Vor­fälle, um die es heute ging, ereig­neten sich in dem Holzwickeder Haus der Ehe­frau, in dem auch noch dessen Sohn aus erster Ehe mit seiner Part­nerin lebte, was zu einer erheb­li­chen Ver­gif­tung der ehe­li­chen Atmo­sphäre bei­trug.

Ehefrau gewürgt und bedroht

Im Juni 2014 soll der Ange­klagte seine Ehe­frau im Streit gewürgt und mit „Ti ammazzo!“ („Ich töte Dich!“) bedroht haben. Ein Jahr später, im Juni 2015, eska­lierte wieder einmal ein Ehe­streit. Weil sie Kauf­in­ter­es­senten für ihr Haus erwar­tete, for­derte die Ehe­frau ihren auf der Couch lie­genden Mann auf, dafür zu sorgen, dass sein Sohn mit dessen Part­nerin end­lich aus ihrem Haus ver­schwindet. Der wütende Ehe­mann warf schließ­lich eine TV-Fern­be­die­nung nach seiner Frau und traf sie damit am Bauch, was ein Hämatom (Blut­erguss) ver­ur­sacht haben soll. Diesmal rief die Frau Polizei. Die kam zwar, sah aber keine Not­wen­dig­keit, wei­tere Maß­nahmen zu ver­an­lassen, wie das Poli­zei­pro­to­koll belegt.

Von Richter Chri­stian Johann zu den Vor­fällen befragt, spielte der Ange­klagte sie als nor­male Ehe­strei­tig­keiten her­unter. „Das Würgen war kein würgen, eher eine Lieb­ko­sung“, erklärte der Ange­klagte treu­herzig den ersten Vor­fall vor über einem Jahr. Seine Frau habe ihn damals im Streit „bis aufs Blut gereizt“, so der 70-Jäh­rige. Und ja, er habe auch gesagt, dass er sie umbringen wolle. „Aber das war doch nicht ernst gemeint.“ Wie man das halt so sage in einem hef­tigen Streit in seiner Bezie­hung. Was Richter Chri­stian Johann zu der Bemer­kung ver­an­lasste: „Ich habe auch mich auch schon mal gestritten, aber noch nie jemanden gewürgt. – Aber ich bin auch kein Ita­liener.“

Ich habe auch mich auch schon mal gestritten, aber noch nie jemanden gewürgt. – Aber ich bin auch kein Ita­liener.“

Amts­richter Chri­stian Johann

Angeklagte bringt „Corpus delicti“ mit in Verhandlung

Zum Beweis für die Harm­lo­sig­keit des zweiten Vor­falles hatte der Ange­klagte sogar das Corpus delicti, die TV-Fern­be­die­nung, mit in den Gerichts­saal gebracht. „Die wiegt nur 82 Gramm. Damit habe ich geworfen und ihren Bauch getroffen“, gab der Ange­klagte zu. „Der ist gut bestückt. Da kann kein Hämatom ent­standen sein.“ Geworfen habe er die Fern­be­die­nung, weil seine Frau plötz­lich in den Raum gestürmt kam, als er vom Ten­nis­trai­ning ermattet fried­lich auf der Couch lag, und „übelste Beschimp­fungen“ gegen ihn aus­ge­stoßen habe. Nach dem Wurf habe seine Frau die Polizei gerufen. „Ich habe dann ganz ruhig mit den Beamten gespro­chen und die haben mich auf der Couch liegen lassen.“

Die Fern­be­die­nung wiegt nur 82 Gramm. Damit habe ich geworfen und ihren Bauch getroffen. Der ist gut bestückt. Da kann kein Hämatom ent­standen sein.“

Erklä­rung des 70-jäh­rigen Ange­klagte

An diesem Punkt wollte der Richter die Vor­würfe schon als min­der­schwer ein­stufen und das Ver­fahren ein­stellen. Zumal sich der Ehe­krieg durch die inzwi­schen voll­zo­gene räum­liche Tren­nung beru­higt hat und wieder „nor­maler“ Umgang gepflegt wird. Doch die Ankla­ge­ver­tre­terin bestand darauf, auch die Ehe­frau noch als Zeugin zu den Vor­fällen zu hören. Die Ehe­frau schil­derte den Vor­fall, bei dem ihr Mann sie mit dem Unterarm gegen die Wand gedrückt und dabei bedroht hatte, durchaus dra­ma­ti­scher. Sie habe anschlie­ßend aller­dings nicht die Polizei gerufen, was wohl ein Fehler gewesen sei. „Aber ich habe mir danach Pfef­fer­spray gekauft und mich abends im Zimmer immer ein­ge­schlossen.“ Nach dem weniger schwer­wie­genden Wurf mit der TV-Fern­be­die­nung ein Jahr später habe sie dann die Polizei gerufen. Die habe die Sache aber wohl nicht so ernst genommen.

Nach dieser Aus­sage folgte Richter Chri­stian Johann schließ­lich dem Antrag der Staats­an­walt­schaft und stellte das Ver­fahren ein. Vor­aus­set­zung dafür ist jedoch, dass der Ange­klagte 200 Euro an die Johan­niter in Dort­mund-Apler­beck zahlt, wozu er sich nach Rück­sprache mit seinem Rechts­bei­stand und „unter Pro­test“ auch bereit­erklärt hatte.

Bedrohung, Körperverletzung


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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