Der alte Litfaß lässt grüßen: „Hömma, hasse schon Ilkas Omma auffe Säule gesehen?“

Mit viel Humor und Farbe bei der Sache: Die freie Künstlerin Ilka Breker beim Gestalten der Litfaßsäule an der Ecke Massener- und Hauptstraße. (Foto: P. Gräber – Emscherblog)

An Ideen, Humor und Kreativität mangelt es Ilka Breker nicht. Jüngstes Beispiel ist die Litfaßsäule an der Ecke Massener- und Haupstraße.  Den alten Werbeträger aus den 50er Jahren ziert neuerdings das farbenfrohe Portrait einer freundlichen alten Dame, die mit ihrem Enkelkind aus dem Fenster schaut. „Hömma“, heißt es in schönstem Ruhrpott-Deutsch darunter.

Auf der Rückseite der Litfaßsäule hat Ilka Breker auch noch ein Werbemotiv für „Vorhang auf!“ hinterlassen, auf dass der Theater- und Musicalverein „Vorhang auf!“, dem sie angehört, in diesen Coronazeiten nicht in Vergessenheit gerät.

Tatsächlich ist das Hauptmotiv auf der Säule eine Reminiszenz an ihre eigene Oma, wie die freie Künstlerin, verrät. „Ich bin hier aufgewachsen und habe mit meiner Oma im Haus dort gelebt“, sagt Ilka Breker und deutet auf den grauen Altbau an der Hauptstraße schräg gegenüber der Litfaßsäule. „In diesem Haus habe ich als Kind gewohnt. Hier haben früher überall nur Bergleute und Arbeiter von Wiederholt gewohnt. Ich erinnere mich noch genau, wie meine Oma immer aus dem Fenster hing, wenn die Arbeiter nach Schichtende hier vorbei kamen auf ihrem Weg nach Hause“, erzählt sie. „Da gab es immer viel zu sehen und zu reden. “ Ihr Oma sei auch recht klein gewesen, lacht Ilka Breker: „Darum hat sie immer einen Hocker genutzt, um aus dem Fenster zu lehnen. Den Hocker hatte mein Opa ihr extra gebaut.“

Ihre Oma zu malen, hatte die freie Künstlerin allerdings noch nicht sofort im Sinn, als sie erstmals von dem FDP-Antrag hörte, die insgesamt sechs alten Litfaßsäulen im Gemeindegebiet abzureißen, weil diese nicht mehr benötigt werden. „Wäre doch schade“, dachte sich Ilka Breker damals sofort. „Da kann man doch sicher noch etwas Besseres mit anfangen.“

Ilka Breker gestaltet insgesamt drei Litfaßsäulen

Die Kehrseite der Oma im Fenster: eine Werbung für den Verein „Vorhang auf!“. (Foto: privat)

Im September stellte die freie Künstlerin, die auch für den Bürgerblock politisch aktiv ist, einen Antrag, die Litfaßsäulen nicht abzureißen. Im März schloss sie schließlich mit der Gemeinde einen Nutzungsvertrag für insgesamt drei Säulen. „Der Vertrag war kostenlos und ich bekomme auch nichts dafür. Aber ich bin jetzt sozusagen für die drei Säulen verantwortlich“, erklärt Ilka Breker. „Sollte irgendjemand auf die Idee kommen, einen Blödsinn damit zu machen, müsste ich dafür geradestehen.“

Die zweite Liftfaßsäule an der Breslauer Straße – die einzige im Norden der Gemeinde – hat die Holzwickederin auf Bitten des Treffpunktes Villa übernommen. „Leider können wir die wegen Corona nicht zusammen mit den Kindern bemalen“, bedauert Ilka Breker. „Aber ich werde die Säule gemeinsam mit Kerstin Dreisbach-Dirb nach Bildern und Motiven der Kinder gestalten.“

Die dritte Litfaßsäule steht am Hittentempel an der Sölder Straße und wird in Absprache mit dem Bürgerblock von Ilka Breker morgen (30. April) kreativ umgestaltet. „Es darf aber keine politischen Motive geben“, sagt die Künstlerin. „Die Säule ist eine der neueren und aus Beton. Darum werde ich sie nur bekleben, nicht bemalen.“ Die Motive werden sich thematisch um die Bibliothek drehen, verrät Ilka Breker: hunderte Buchrücken, aber auch Portraits der Bürgerblock-Mitglieder und dazwischen auch Pauli, das neue Maskottchen der Bibliothek, werden darauf zu sehen sein.

Die Motive auf den drei Litfaßsäulen sind auch gar nicht für die Ewigkeit gedacht. Die Künstlerin will sie regelmäßig durch neue Straßenkunst ersetzen. „Ich habe schon jede Menge neuer Ideen für die Säulen.“ Ihre Oma könnte also vielleicht schon bald durch einen „riesigen Kaugummiautomaten“ oder eine „Pfefferminz-Packung mit der Aufschrift ,Holzwickede bleibt frisch‘“ ersetzt werden, so Ilka Breker.

Ilka Breker, Litfaßsäulen


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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