Bewährungsstrafe für süchtigen Ladendieb mit Langzeittherapie als Auflage

Der 41-jäh­rige K. wurde am 27. April gegen 18 Uhr im Netto in Holzwickede dabei erwischt, wie er das Geschäft mit eine Packung Eis und zwei Fla­schen Wodka Gor­bat­schow im Wert von ins­ge­samt 16,37 Euro ver­lassen wollte, ohne zu bezahlen. Dafür musste sich der Schwerter heute vor dem Amts­ge­richt wegen Dieb­stahls ver­ant­worten.

Die ihm zur Last gelegte Tat räumte der Ange­klagte, der ohne einen Anwalt, jedoch mit seinem Street­worker erschienen war, ohne Umschweife ein. Er sei in starkem Maße dro­gen­ab­hängig und an jenem Tag ganz schlecht zurecht gewesen. „Ich hatte großes Sucht­ver­langen.“

Bis vor zwei Jahren ver­lief das Leben des Ange­klagten noch in unauf­fäl­ligen Bahnen, ging er auch seinem Beruf als Kran­ken­pfleger nach. Doch dann starb sein Freund und der Schwerter verlor zuse­hends den Halt und geriet in die Abhän­gig­keit von Drogen, Medi­ka­menten und Alkohol: das volle Sucht­pro­gramm. Immer wieder, ins­ge­samt fünf Mal, ist der inzwi­schen arbeits­lose K. seither straf­fällig geworden. Stets waren es kleine Dieb­stähle. Bei seinem sech­sten Dieb­stahl im April in Holzwickede, stand er noch unter Bewäh­rung.

Absturz nach Tode des Freundes

Auch eine abge­bro­chene Lang­zeit­the­rapie hat K. bereits ver­sucht, aber mit Panik­at­tacken wieder abge­bro­chen. „Nicht unge­wöhn­lich“ für Süch­tige wie ihn, wie sein Street­worker heute dem Gericht erläu­terte: „Die Erst­the­rapie ist für Süch­tige häufig ganz ein­fach zuviel. Im zweiten Anlauf gelingt es meist besser.“ Auch K. wäre „ein­fach noch nicht soweit“ gewesen. Den­noch ist der Street­worker, der den 41-Jäh­rigen schon meh­rere Jahre von der Straße her gut kennt, zuver­sicht­lich, dass es K. im neuen The­ra­pie­an­lauf schaffen wird von der Sucht los­zu­kommen. „Ent­giftet ist er inzwi­schen schon.“ 

Der Staats­an­walt hielt dem Ange­klagten sein Geständnis und Willen zur The­rapie zugute. Den­noch for­derte für K. drei Monate Haft. Der Waren­wert sei zwar gering und die Waren auch im Laden ver­blieben. Aller­dings sei der Ange­klagte auch ein­schlägig vor­be­straft und Bewäh­rungs­ver­sager. Trotzdem könne die Strafe noch einmal zur Bewäh­rung aus­ge­setzt werden, da K. ernst­haft eine Lang­zeit­the­rapie angehe und eine relativ gün­stige Pro­gnose habe.

Drei Monate Haft auf drei Jahre zur Bewährung

Richter Jörn Grans­euer sah es ähn­lich und ver­ur­teilte K. zu drei Monaten Haft auf drei Jahre zur Bewäh­rung aus­ge­setzt. Außerdem gab er dem Ange­klagten die Durch­füh­rung der Lang­zeit­the­rapie zur Bewäh­rungs­auf­lage. Schließ­lich muss K. die Kosten des Ver­fah­rens tragen. Da der Ange­klagte mit einer The­rapie als Bewäh­rungs­auf­lage ein­ver­standen ist, sei eine Bewäh­rungs­strafe „ein letztes Mal noch mög­lich“ gewesen. Auch sein per­sön­li­cher Ein­druck vom Ange­klagten sei, so der Richter, dass er es schaffen könne, end­gültig von der Sucht los­zu­kommen. Dass er durchaus den Willen dazu auf­bringen könne, etwas zu schaffen, habe er schon gezeigt. Immerhin habe er drei Berufe gelernt. „Da haben wir hier schon ganz andere Kan­di­daten gehabt. “

Diebstahl


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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