Beerdigung der Mutter nicht bezahlt: Anklage wegen Betrugs

Weil er nach dem Tod seiner Mutter im März vorigen Jahres dem Holzwickeder Bestat­tungs­un­ter­nehmen Göß­mann den Auf­trag zur Beer­di­gung seiner Mutter gab, obwohl er wusste, so die Anklage, dass er die Rech­nung der Bei­set­zung von knapp 1.700 Euro nicht bezahlen kann, muss sich ein 55-jäh­riger Bochumer wegen Betrugs vor dem Amts­ge­richt in Unna ver­ant­worten.

Da der Bochumer den ersten Termin für seine Haupt­ver­hand­lung unent­schul­digt platzen ließ, wurde er heute (30.7.) von der Polizei vor­ge­führt. Auf der Ankla­ge­bank bestä­tigte er Amts­rich­terin Sarah Mal­cherek heute auch sofort, dass er nach wie vor sowohl die Rech­nung des Bestat­ters als auch die offene Gebüh­ren­rech­nung bei der Gemeinde Holzwickede noch beglei­chen will. „Ich habe nie vor­ge­habt, jemanden übers Ohr zu hauen“, ver­si­cherte der Ange­klagte treu­herzig. Doch er habe im Januar den Offen­ba­rungseid ablegen müssen und ein­fach kein Geld dafür. Zumal er auch noch anderen Ver­pflich­tungen wie Unter­halts­zah­lungen nach­kommen müsse. Doch es besteht Hoff­nung: „Ich warte noch immer auf die Aus­zah­lung einer Ster­be­geld­ver­si­che­rung, die meine Mutter abge­schlossen hatte.“ 7.500 Euro erwarte er von der Ver­si­che­rung, so der 55-Jäh­rige.

Warten auf Auszahlung der Sterbeversicherung

Das Pro­blem sei, fuhr der Ange­klagte fort, dass die Mutter seinen Bruder als Begün­stigten ein­ge­setzt habe. Und sein Bruder sei leider noch kurz vor der Mutter ver­storben. „Ich wusste nicht, wie ich an die Ster­be­ur­kunde meines Bru­ders kommen sollte“, sagte der Bochumer. „Die muss ich bei der Ster­be­ver­si­che­rung meiner Mutter ein­rei­chen.“

Die Kinder seines Bru­ders, wie sein Bruder zu seinen Leb­zeiten auch, seien schlecht auf ihn zu spre­chen. Und ihn selbst habe der Tod der Mutter sehr mit­ge­nommen, weil er der Letzte sei. „Ich habe einen auf Vogel Strauß gemacht und das ganze Thema erst einmal nicht anrühren wollen.“ Inzwi­schen habe er jedoch die Ster­be­ur­kunde seines Bru­ders erhalten und der Ver­si­che­rung ein­ge­reicht.

Dass Sie in Ihrer Situa­tion ein Jahr lang nichts getan haben, obwohl Sie wussten, dass Ihnen 7.500 Euro aus der Ster­be­ver­si­che­rung zustehen, fällt mir schwer zu glauben“, sagte Rich­terin Sarah Mal­cherek zum Ange­klagten. Doch der ver­tei­digte sich: Er könne alles mit Unter­lagen belegen. Die Rich­terin, immer noch skep­tisch, ver­tagte die Haupt­ver­hand­lung – nicht ohne den Bochumer noch einmal zu ermahnen: „Wir werden das alles natür­lich nach­prüfen. Ich rate Ihnen, in Ihrem eigenen Inter­esse, die Unter­lagen bis zum näch­sten Termin ein­zu­rei­chen. Sonst kann ich Ihnen ihre Geschichte nicht glauben.“

Betrug


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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