Bei Scheidungen sitzen die Kinder zwischen den Stühlen: ASD vermittelt

S. Hofschlaeger / pixelio.de
Bei Tren­nungen oder Schei­dungen sitzen Kinder zwi­schen den Stühlen. Zudem leiden sie am mei­sten unter der Situa­tion. (Foto: S. Hof­schla­eger /​pixelio.de)

Der Bür­ger­ser­vice steht bei der Kreis­ver­wal­tung im Vor­der­grund. Des­halb haben viele Tätig­keiten wenig mit dem „Vor­gang“ und viel mit den Men­schen zu tun. Der Emscher­blog stellt in einer Serie die Arbeit des All­ge­meinen Sozi­al­dien­stes (ASD) vor. Heute Teil 3: Elter­liche Sorge nach Schei­dung

Kinder sitzen bei Tren­nungen zwi­schen den Stühlen „Jah­re­lang hat er sich nicht um die Kinder geküm­mert und jetzt will er ständig was mit ihnen unter­nehmen!“ – „Meine Frau hetzt die Kinder doch den ganzen Tag gegen mich auf. Kein Wunder, dass sie mich nicht sehen wollen!“ – „Nach den Besuchs­wo­chen­enden sind die Kinder immer völlig ver­stört.“ Wer schon einmal eine Schei­dung durch­lebt hat oder getrennt lebt, dem sind diese Sätze ver­mut­lich ver­traut.

Jede dritte Ehe wird inzwischen geschieden

Jede dritte Ehe wird inzwi­schen geschieden. Mei­stens geht dies nicht ohne Streit und Aus­ein­an­der­set­zung – Streit um den Besitz, wegen der Unter­halts­an­sprüche und um die Kinder. „Auf beiden Seiten gibt es ver­letzte Gefühle und darum fällt es Eltern nicht leicht, zu sehen, was ihre Kinder in dieser schwie­rigen Situa­tion wirk­lich brau­chen“, weiß Sach­ge­biets­leiter Gerd Steiner aus der Praxis.

Kin­dern schadet die Tren­nung der Eltern vor allem dann, wenn lange und aus­dau­ernd – manchmal bis zur letzten Instanz – gestritten wird. „Je eher sich die Eltern einigen, desto besser kommen Kinder mit der Tren­nung zurecht“, unter­streicht Gerd Steiner.

Wo die Kinder leben und wie die Besuchs­kon­takte gestaltet werden, sollte gemeinsam ent­schieden werden. Hierzu sind strei­tende Eltern jedoch oft nicht fähig. Jugend­ämter stehen hier als neu­trale Mittler und Berater zur Ver­fü­gung“

Gerd Steiner, Sach­ge­biets­leiter ASD

Sachgebietsleiter ASDD: Gerd Steiner. (Foto: Peter Gräber/emscherblog.de)
Sach­ge­biets­leiter ASDD: Gerd Steiner. (Foto: Peter Gräber/emscherblog.de)

Kinder haben ein Recht auf Kon­takt zu beiden Eltern Kinder haben das Recht auf den Kon­takt zu ihren beiden Eltern. Beson­ders in der schwie­rigen und manchmal chao­ti­schen Tren­nungs­zeit sind des­halb Mutter und Vater in ihrer Rolle als Eltern gefragt. „Wo die Kinder leben und wie die Besuchs­kon­takte gestaltet werden, sollte gemeinsam ent­schieden werden. Hierzu sind strei­tende Eltern jedoch oft nicht fähig. Jugend­ämter stehen hier als neu­trale Mittler und Berater zur Ver­fü­gung“, betont Gerd Steiner.

Unab­hängig davon, ob Eltern sich außer­ge­richt­lich über das Sor­ge­recht einigen oder nicht: Alle Eltern und Kinder haben ein Recht auf Bera­tung und Unter­stüt­zung bei Tren­nung und Schei­dung durch das Jugendamt. In strit­tigen Ver­fahren vor dem Fami­li­en­ge­richt werden das Jugendamt und damit in Bönen, Frön­den­berg und Holzwickede der All­ge­meine Sozi­al­dienst des Kreises ein­ge­schaltet.

Auf­gabe der Sozi­al­ar­beiter des Kreises ist nicht her­aus­zu­finden, wer der bes­sere Eltern­teil ist. Im Gegen­teil: Beide Eltern werden bei dem Bemühen unter­stützt, ein­ver­nehm­liche, für alle Seiten – also auch für die Kinder – akzep­table Lösungen zu finden.

Elternvereinbarung oft besser als richterliche Entscheidung

Lösungen können in einer Eltern­ver­ein­ba­rung fest­ge­legt werden. Diese Lösungen, meist lebens­naher als rich­ter­liche Ent­schei­dungen, können schrift­lich – in der Eltern­ver­ein­ba­rung – fest­ge­halten werden. Ist die elter­liche Sorge auch ein Thema im Schei­dungs­ver­fahren vor dem Fami­li­en­ge­richt, teilt der ASD dem Gericht in Absprache mit den Eltern die getrof­fenen Ver­ein­ba­rungen mit.

In der Praxis zeigt sich, dass Ant­worten nicht „auf die Schnelle“ in einem Gespräch gefunden werden können: Es kommt oft zu neuen Strei­tig­keiten und Rück­schlägen. Neue Partner kommen ins Spiel, Ver­ab­re­dungen werden nicht ein­ge­halten, ein Schreiben des geg­ne­ri­schen Anwalts flat­tert ins Haus und, und, und…

Das Hin und Her ist ner­ven­zeh­rend, aber in sol­chen Situa­tionen normal. „Alle brau­chen Zeit, um Ver­bit­te­rung und Ent­täu­schung zu ver­ar­beiten und sich an das neue Leben zu gewöhnen. Vor­läu­fige Abspra­chen und befri­stete Lösungen eignen sich gut, um die Situa­tion zu ent­spannen. Denn eins ist ganz wichtig: Die Eltern müssen auf­ein­ander zugehen, damit es ihren Kin­dern auf Dauer gut geht“, unter­streicht Gerd Steiner.

Hin­ter­grund: Der All­ge­meine Sozi­al­dienst (ASD) bietet Schutz für Kinder und Jugend­liche in akuten Kri­sen­si­tua­tionen, z.B. bei kör­per­li­cher oder see­li­scher Miss­hand­lung oder bei sexu­ellem Miss­brauch. Der ASD berät und unter­stützt Eltern, Fami­lien, Kinder, Jugend­liche und Erwach­sene ein schwie­rigen Fami­lien- und Lebens­si­tua­tionen in Tren­nungs- und Schei­dungs­si­tua­tionen bei der Gestal­tung des Sorge- und Umgangs­rechtes bei Erzie­hungs- und Schul­schwie­rig­keiten bei Pro­blemen zwi­schen Eltern und Kin­dern bei der Ver­mitt­lung ambu­lanter und sta­tio­närer Hilfen bei der Ver­mitt­lung an Bera­tungs­stellen und andere soziale Ein­rich­tungen, z.B. Erzie­hungs­be­ra­tung, Sucht­be­ra­tung, Schuld­ner­be­ra­tung, Schwan­ger­schafts­kon­flikt­be­ra­tung. Der ASD ist dem Fach­be­reich Familie und Jugend in der Kreis­ver­wal­tung Unna zuge­ordnet. Tätig beim ASD sind 14 Mit­ar­bei­te­rinnen und Mit­ar­beiter, davon arbeiten fünf beim ASD Bönen, vier beim ASD Frön­den­berg und vier beim ASD Holzwickede. Erreichbar ist der ASD in Holzwickede, Rausinger Straße 3, T. 0 23 01 /​91 39 20.

ASD

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