Marihuana und Pfefferspray in der Schublade: 7 Monate Haft zur Bewährung

Pech für den 45-jäh­ri­gen staa­ten­lo­sen S.: Eigent­lich hat­ten die Poli­zei­be­am­ten am 6. Juli vori­gen Jah­res in sei­ner Woh­nung an der Haupt­stra­ße in Holzwicke­de etwas ganz ande­res über­prü­fen wol­len. Doch dann ent­deck­ten die Beam­ten in einer Schub­la­de 92,5 Gramm Mari­hua­na und Pfef­fer­spray sowie 840 Euro in bar. Das brach­te S. eine Ankla­ge wegen des Besit­zes von ver­bo­te­nen Betäu­bungs­mit­teln und des bewaff­ne­ten Han­dels damit vor dem Schöf­fen­ge­richt Unna ein.

Von Rich­ter Jörg Hücht­mann befragt, räum­te der Ange­klag­te frei­mü­tig ein, dass er die Dro­gen in Dort­mund für sich und sei­ne bei­den Freund gekauft hat. „Eigent­lich soll­ten es sogar 100 Gramm sein. Aber ich woll­te nicht damit han­deln.“  Viel­mehr habe er die Dro­gen für sich und zwei Freun­de gekauft, mit denen er eine Zeit lang gemein­sam gekifft habe. Das Geld habe immer man zusam­men­ge­legt und die Ware anschlie­ßend red­lich geteilt wer­den. Dazu kam nach dem letz­ten Kauf aller­dings nicht mehr, weil die Beam­ten das Mari­hua­na ent­deck­ten. „Ich habe auch gele­gent­lich selbst geraucht“, räum­te S. ein. Er sei aller­dings nie abhän­gig gewe­sen und inzwi­schen durch den Schock der Ver­haf­tung auch ganz von die­sem Laster weg.

Keine Beweise für bewaffneten Drogenhandel

Das Pfef­fer­spray, was vor dem Gesetz als Waf­fe gilt, gehö­re sei­ner frü­he­ren Frau, die ihn ver­las­sen habe. „Ehr­lich, ich wuss­te gar nicht, dass so etwas in der Schub­la­de lag. Die war so voll.“

Wie ein Dro­gen­dea­ler wirk­te S. heu­te tat­säch­lich nicht. Zu sei­nem Glück ist er auch noch betro­gen wor­den von sei­nem Dea­ler, der ihm 7,5 Gramm weni­ger als ver­ein­bart ver­kauf­te, was den Besitz der Dro­gen vor den Augen der Justiz zu einem min­der­schwe­ren Fall macht. Die Dro­gen will S. auch vor­her schon immer nur in klei­nen Men­gen bei ver­schie­de­nen Dea­lern in der Dort­mun­der Nord­stadt gekauft haben. „Da wird man ja über­all ange­spro­chen und stellt sich auch nicht mit Namen vor.“

Das bei ihm in der Woh­nung ent­deck­te Mari­hua­na lag nicht etwa  ver­kaufs­be­reit auf­ge­teilt, son­dern als Klum­pen in Sta­ni­ol­pa­pier in sei­ner Schub­la­de. Und auch die in der Woh­nung gefun­de­nen 840 Euro waren nicht etwa in deal­erty­pi­scher klei­nen Stücke­lung, son­dern in grö­ße­ren Schei­nen gefun­den wor­den. Dar­über hin­aus lie­ßen sich auch sonst kei­ne Bewei­se für einen Han­del mit Dro­gen fin­den: weder Tüt­chen, Waa­ge noch ande­re Uten­si­li­en fan­den die Beam­ten bei dem Ange­klag­ten S.

Urteil „mit Augenmaß“

Des­halb blieb von der Ankla­ge heu­te ledig­lich noch der Besitz von Mari­hua­na in einem min­der­schwe­ren Fall nach § 29a BTMG übrig. Da der Ange­klag­te bis­lang gänz­lich ohne Vor­stra­fen durchs Leben gegan­gen ist und sich heu­te gestän­dig und beein­druckt zeig­te, bean­trag­te die Staats­an­wäl­tin eine Haft­stra­fe von sie­ben Mona­ten zur Bewäh­rung auf drei Jah­re aus­ge­setzt sowie 30 Stun­den Sozi­al­ar­beit. Auch der Ver­tei­di­ger von S. hielt, hielt das für ange­mes­sen und schloss sich die­sem „Antrag mit Augen­maß“ an.

Rich­ter Jörg Hücht­mann wich in sei­nem Urteil nur leicht davon ab und ver­ur­teil­te den Ange­klag­ten zu sie­ben Mona­ten Haft, setz­te die­se aber nur für zwei Jah­re zur Bewäh­rung aus und ver­hängt eine Geld­stra­fe in Höhe von 500 Euro zahl­bar an die Ver­kehrs­wacht.

Print Friendly, PDF & Email
visage

Dipl.-Journalist

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.