"Elterntaxis" blockieren den breiten Fahrradschutzstreifen vor dem Parkplatz an der Dudenrothschule, wenn sie ihre Kinder zur Schule bringen oder abholen und verursachen ein tägliches Verkehrschaos. Die Politik sprach sich jetzt für eine konsequente Sanktionierung aus. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)

Alltägliches Verkehrschaos vor der Dudenrothschule: „Elterntaxis“ drohen saftige Bußgelder

"Elterntaxis" blockieren den breiten Fahrradschutzstreifen vor dem Parkplatz an der Dudenrothschule, wenn sie ihre Kinder zur Schule bringen oder abholen und verursachen ein tägliches Verkehrschaos. Die Politik sprach sich jetzt für eine konsequente Sanktionierung aus. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
„Elterntaxis“ blockieren den breiten Fahrradschutzstreifen vor dem Parkplatz an der Dudenrothschule, wenn sie ihre Kinder zur Schule bringen oder abholen und verursachen ein tägliches Verkehrschaos. Die Politik sprach sich jetzt für eine konsequente Sanktionierung aus. (Foto: Frank Brockbals)

Das Problem der „Elterntaxis“, die morgens und mittags Schulen ein gefährliches Verkehrschaos verursachen, ist nicht neu und beschäftigt die Behörden landesweit. Auch vor der Dudenrothschule existiert das Problem schon seit schätzungsweise 20 Jahren. Doch seit der Haupteingang der Grundschule wegen der Bauarbeiten für die OGS von der Opherdicker Straße auf die Hauptstraße verlegt wurde, hat sich die Problematik extrem verschärft, wie ein Bericht der Straßenverkehrsbehörde im Verkehrsausschuss gestern (17.11.) verdeutlichte.

Berichterstatter war Michael Arnold, dessen eigenes Kind die Dudenrothschule besucht, und der im Hauptberuf als Vertreter der Straßenbehörde des Kreises Unna für den Straßenverkehr in der Emschergemeinde zuständig ist. Für das, was der Vater und Verkehrsexperte seit der Verlegung des Haupteingangs zur Hauptstraße erlebt, wenn morgens der kleine Parkplatz besetzt ist, findet er nur eine treffende Beschreibung: „grauenhaft“.

Fahrradschutzstreifen wird ignoriert

Eltern in ihrem Autos halten oder parken auf dem Gehweg und Fahrradschutzstreifen, Radfahrer kommen die abschüssige Hauptstraße herunter, müssen links oder rechts an den haltenden Autos vorbeimanövrieren, manche springen ab und beschimpfen die Mütter und Väter in den haltenden Pkw. „Die Gemeinde muss hier unbedingt etwas tun: entweder kontrollieren oder einen Parkstreifen anlegen. „Es wurden ja gerade erst neue Markierungen und Piktogramme angelegt. Da kann eigentlich niemand mehr behaupten, dass der Fahrradstreifen nicht erkennbar ist. Doch es hat sich nichts geändert, die Situation ist her noch schlimmer geworden“, stellt Arnold fest.

Selbst der Bezirksbeamte, wenn er denn morgens am Parkplatz auftaucht, bekomme das Problem durch freundliche Ansprache oder Ermahnungen nicht in den Griff, hat Arnold beobachtet. Die Ausreden der Sünder sind immer dieselben: „Ich halte doch nur kurz… Ich doch nur mal eben mein Kind raus… Bin auch sofort wieder weg…“

„Auch abends ist die Situation dort schwierig, wegen der Sportvereine, die die Halle nutzen“, weiß Arnold. Eine besondere Verschärfung stellt der Situation stellt der Fahrradstreifen dar. Nach dem gerade geänderten neuen Bußgeldkatalog, erläutert Arnold im Ausschuss, drohen eigentlich saftige Strafen: Parken auf dem Radstreifen kostet 55 Euro, mit Behinderung sogar 70 Euro. Bei vorsätzlichem Parken auf dem Radstreifen verdoppelt sich die Strafe auf 140 Euro plus einem Punkt in der Verkehrssünderkartei.

Politik fordert konsequente Sanktionen

„Was also tun?“ fragte Arnold im Verkehrsausschuss nach seinem Bericht ratsuchend in die Runde. Nach einer ersten Schrecksekunde sprachen sich schließlich alle Fraktionen dafür aus, die Verkehrsverstöße durch die Elterntaxis konsequent zu sanktionieren.

Zumal Thorsten Doennges, stellvertretender Leiter des Ordnungsamtes, versicherte, dass die Gemeinde über die verschärfte Halte- und Parksituation „alle Anlieger bis hoch zum Lünschermannsweg schriftlich informiert“ habe. Grundsätzlich kontrolliere das Ordnungsamt der Gemeinde auch den ruhenden Verkehr. „Allerdings gibt es einen längerfristigen personellen Engpass bei uns.“  Noch könnten die uneinsichtigen Eltern also eine Galgenfrist haben.

KOMMENTAR

Verkehrsausschuss in Absurdistan

Es ist schon absurd, mit welchen Dingen sich der Verkehrsausschuss mitunter beschäftigt. Eine Höhepunkt in dieser Hinsicht war sicher die Sitzung am Mittwochabend. Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen: Da beschäftigten sich Holzwickeder Kommunalpolitikern ernsthaft damit, ob die deutsche Straßenverkehrsordnung auch in Holzwickede anzuwenden ist.
Natürlich wurde diese Fragestellung erst von deutschen Behördenvertretern aufgeworfen, was mindestens genauso absurd ist.
Ganz ohne Grund ist das alles aber nicht passiert: Denn man kann sich lebhaft vorstellen, welcher Shitstorm losbrechen würde, wenn die Eltern, die ihre Kinder morgens zur Dudenrothschule bringen, plötzlich konsequent mit Bußgeldern zwischen 55 und 140 Euro und einem Punkt in Flensburg bedacht würden. Dem will sich natürlich niemand weder bei der Polizei noch im Ordnungsamt und schon gar nicht in der Politik aussetzen.
Es wird allerdings nichts anderes übrig bleiben. Denn legale Halte- oder Parkmöglichkeiten gibt es weit und breit nicht, wenn der kleine Lehrerparkplatz vor der Schule belegt ist.
Was also wird passieren? Was immer passiert, wenn Vorschriften im Straßenverkehr eingeführt werden, die unsinnig sind oder nur unzureichend kontrolliert werden können: Sie werden geflissentlich ignoriert. Wenn es dann doch einmal zu vereinzelten Sanktionen kommen sollte, wird das prompt als Willkür ausgelegt.  Dass im konkreten Fall die Eltern ihre eigenen Kinder gefährden, scheint nur eine marginale Rolle dabei zu spielen.
Wie, das glauben Sie nicht? Wie anders ist es denn zu verstehen, dass in eben dieser Sitzung des Verkehrsausschusses auch ernsthaft überlegt wurde, ob es denn keine praktikable Alternative sei, auf der Gegenfahrbahn der Hauptstraße zu halten. Dann müssten die Kinder zwar erst die Hauptstraße überqueren, wenn sie in ihre Schule wollen.
Aber es wäre auf jeden Fall preiswerter, als auf dem Fahrradstreifen zu parken, wenn Mama oder Papa erwischt werden. Noch Fragen? (
Peter Gräber)  

Dudenrothschule, Elterntaxis, Verkehrsausschuss


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

Comments (3)

  • Und sollte das dann tatsächlich kontrolliert werden.. An der Aloysiusschule darf dann auch gerne geguckt werden. Ecke Josefstr. vor dem Seniorenheim stehen jeden Wochentag Elterntaxen oder auch gerne Transporter einer ansässigen Firma mitten auf dem Radweg. Ob damit zig andere Kinder gefährdet werden scheint den Leuten total egal zu sein. Hauptsache das eigene Kind muss keine 5m laufen.
    Sind nicht zufällig grad Waschbetonwürfel von der Sölderstr. über?

  • Es gibt ja zum Glück noch die Hol- und Bringzone Im Hof, aber da wird es den Eltern ja durch die netten Anwohner schwer gemacht. Man möchte nicht, dass die Eltern und Kinder da zu Fuß wohlgemerkt, die Straße der Anwohner blockieren. Darüber könnte der Emscherblock auch mal berichten! Wie und von wo sollen die Kinder dann bitte die Schule betreten?

  • Wie wäre es denn, die Kinder einfach zu Fuß zur Schule gehen zu lassen, oder per Rad? Ich weiß, die Idee ist uralt und aus mir völlig unbegreiflichen Gründen, finden Eltern das doof. Wenn die Eltern ihren Kinder in dem Alter noch keine Verkehrserziehung angedeiehen lassen wollen, können sie sie ggf. auch zu Fuß, mit dem Rad oder Tretroller begleiten. Ganz ehrlich, bei der definitiv überschaubaren Länge der Schulwege dürfte das mit dem Rad kaum länger dauern als mit dem Auto.
    Auch die Idee, den Parkplatz an der Kirchstraße zu nutzen, und die Kinder den Rest des Schulweges allein oder in elterlicher Begleitung zu Fuß gehen zu lassen, wurde in der Vergangenheit bereits vorgeschlagen.
    Mir kann keiner erzählen, dass es den Eltern hier um die Sicherheit ihrer armen, vom Straßenverkehr überforderten Kinder geht. Das ist doch reine Bequemlichkeit, die andere (und eben auch die eigenen Kinder) erheblich gefährdet und die Umwelt belastet.
    Soweit ich das beurteilen kann, handelt es sich im Übrigen aufgrund der neu angebrachten Beschilderung nicht um einen „Fahrradschutzstreifen“ (so die Bildunterschrift) oder einen „Radstreifen“ (wie im Text benannt), sondern um einen Fahrradweg.

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