Allgemeiner Sozialdienst mit klarem Auftrag: Helfen, wo Hilfe notwendig ist

Lisa Spreckelmeyer  / pixelio.de
Auch im Kreis Unna kommt es immer wieder vor, dass Kinder in Fami­lien ver­nach­läs­sigt oder gar miss­han­delt werden. (Foto: Lisa Spreckel­meyer /​pixelio.de)

Bür­ger­ser­vice steht bei der Kreis­ver­wal­tung im Vor­der­grund. Des­halb haben viele Tätig­keiten wenig mit dem „Vor­gang“ und viel mit den Men­schen zu tun. Der Emscher­blog stellt in einer drei­tei­ligen Arti­kel­serie heute die Arbeit des All­ge­meinen Sozi­al­dien­stes (ASD) vor. Heute in Teil 1: Klarer Auf­trag.

Eigent­lich wollen wir ja keinen Ärger haben, aber irgendwie machen wir uns doch Sorgen um die Kinder von nebenan. Erst gestern Abend wieder: Zunächst hörten wir nur den Nach­barn schreien, dann die Kinder immer wieder „Nein“ rufen, dann Türen knallen und Möbel rücken, dann Schreien, Weinen, Schluchzen. Das kann doch so nicht wei­ter­gehen.“

Sachgebietsleiter ASDD: Gerd Steiner. (Foto: Peter Gräber/emscherblog.de)
Sach­ge­biets­leiter ASDD: Gerd Steiner. (Foto: Peter Gräber/emscherblog.de)

Mit einem Anruf wie diesem oder einem ähn­li­chen Hin­weis beginnt oft die Arbeit des ASD.

Immer wieder gibt es bun­des­weit Fälle, bei denen Kinder und Jugend­liche in ihrer Familie miss­han­delt, ver­nach­läs­sigt oder schwer ver­letzt werden und sogar sterben. Auch wenn die Fälle nicht so dra­ma­tisch sind: Der ASD des Kreises Unna hat häufig mit Fami­lien zu tun, in denen der Nach­wuchs in seiner kör­per­li­chen, gei­stigen und see­li­schen Ent­wick­lung gefährdet ist. „Kinder werden zum Bei­spiel nicht aus­rei­chend ver­sorgt, werden geschlagen und ange­schrien, werden sexuell miss­han­delt oder fühlen sich von ihren Eltern ständig unge­recht behan­delt“, erklärt Sach­ge­biets­leiter Gerd Steiner.

Was passiert nach Hinweis auf Misshandlung?

Alle Infor­ma­tionen werden ver­trau­lich behan­delt. Was pas­siert eigent­lich, wenn sich ein besorgter Nachbar oder Ange­hö­riger an den ASD wendet? „Zunächst einmal möchten wir genauer wissen, was der­je­nige kon­kret beob­achtet, gehört oder auch von Dritten erfahren hat“, schil­dert Steiner die ersten Ver­fah­rens­schritte. Je klarer und genauer die Infor­ma­tionen sind, desto genauer sei die erste Ein­schät­zung.

Alle Infor­ma­tionen werden selbst­ver­ständ­lich ver­trau­lich behan­delt“, unter­streicht Gerd Steiner. In Aus­nah­me­fällen könne es aber sinn­voll und not­wendig sein, dass das Gese­hene oder Gehörte bezeugt wird. „Das gilt vor allem dann, wenn durch eine solche Zeu­gen­aus­sage eine akute Gefähr­dung der Kinder oder Jugend­li­chen abge­wendet werden kann“, macht Steiner klar.

Was passiert mit der betroffenen Familie?

Sind die Infor­ma­tionen gesam­melt und ist die erste Ein­schät­zung erfolgt, sucht der ASD den Kon­takt zur Familie. Sie wird über die an den All­ge­meinen Sozi­al­dienst her­an­ge­tra­genen Hin­weise infor­miert; par­allel dazu machen sich die Fach­kräfte des Kreises selbst, in der Regel zu zweit, ihr erstes eigenes Bild. Im Mit­tel­punkt der dann fol­genden Gespräche steht das Bemühen, gemeinsam mit der betrof­fenen Familie Lösungen für die Pro­bleme zu finden.

Im Grunde lieben die Eltern ihre Kinder und wollen nur das Beste für sie. Es gibt aller­dings Situa­tionen, in denen sie sich über­for­dert fühlen, selber vor für sie kaum lös­baren Pro­blemen stehen und nicht mehr weiter wissen. Wenn dann noch Arbeits­lo­sig­keit, Alkohol oder Drogen dazu­kommen, führt dieses noch weiter in Aus­weg­lo­sig­keit, Frust und Gereizt­heit“

Gerd Steiner, Sach­ge­biets­leiter ASD

Im Grunde lieben die Eltern ihre Kinder und wollen nur das Beste für sie. Es gibt aller­dings Situa­tionen, in denen sie sich über­for­dert fühlen, selber vor für sie kaum lös­baren Pro­blemen stehen und nicht mehr weiter wissen. Wenn dann noch Arbeits­lo­sig­keit, Alkohol oder Drogen dazu­kommen, führt dieses noch weiter in Aus­weg­lo­sig­keit, Frust und Gereizt­heit“, weiß der Sach­ge­biets­leiter aus der Praxis.

In der Regel können wir in den Gesprä­chen eine ver­trau­ens­volle Bezie­hung zu der Familie auf­bauen, so dass auch die Hin­ter­gründe für die momentan schwie­rige Situa­tion erkennbar werden“, beschreibt Gerd Steiner seine Erfah­rungen.

ASD bietet vielschichtige Unterstützung an

Der ASD kann natür­lich nicht alle Pro­bleme lösen. Er bietet aber eine viel­schich­tige Unter­stüt­zung an. Das Spek­trum reicht dabei von der Bera­tung über the­men­ori­en­tierte Eltern­abende bis hin zur prak­ti­schen Hilfe bei der Kin­der­er­zie­hung und dem Mei­stern all­täg­li­cher Pro­bleme. Bei Bedarf arbeiten des­halb auch meh­rere Fach­kräfte Hand in Hand.

Das Ein­schalten des Fami­li­en­ge­richts ist der letzte Schritt Nur wenn eine Gefähr­dung der Kinder und Jugend­li­chen auch mit inten­siver Hilfe nicht ver­hin­dert oder besei­tigt werden kann, wendet sich der All­ge­meine Sozi­al­dienst an das Fami­li­en­ge­richt, das den Eltern das Sor­ge­recht ent­ziehen kann. Dies kommt vor allem dann in Frage, wenn die Eltern trotz einer Gefähr­dung ihrer Kinder nicht bereit sind, die bestehenden Gefahren zu besei­tigen und auch jede Hilfe ablehnen.

In akuten Fällen kann der ASD sogar gegen den Willen der Eltern Kinder und Jugend­liche zu ihrem Schutz „in Obhut“ nehmen. Eine Ent­schei­dung des Fami­li­en­ge­richts muss dann nach­träg­lich ein­ge­holt werden. „So weit müssen wir aber nur in sel­tenen Aus­nah­me­fällen gehen. Mei­stens gelingt es den Sozi­al­ar­bei­tern vom ASD, in ver­trau­ens­voller Zusam­men­ar­beit mit der Familie Lösungen zu finden.“

  • Hin­ter­grund: Der All­ge­meine Sozi­al­dienst (ASD) bietet Schutz für Kinder und Jugend­liche in akuten Kri­sen­si­tua­tionen, z.B. bei kör­per­li­cher oder see­li­scher Miss­hand­lung oder bei sexu­ellem Miss­brauch. Der ASD berät und unter­stützt Eltern, Fami­lien, Kinder, Jugend­liche und Erwach­sene in schwie­rigen Fami­lien- und Lebens­si­tua­tionen in Tren­nungs- und Schei­dungs­si­tua­tionen bei der Gestal­tung des Sorge- und Umgangs­rechtes bei Erzie­hungs- und Schul­schwie­rig­keiten bei Pro­blemen zwi­schen Eltern und Kin­dern bei der Ver­mitt­lung ambu­lanter und sta­tio­närer Hilfen bei der Ver­mitt­lung an Bera­tungs­stellen und andere soziale Ein­rich­tungen, z.B. Erzie­hungs­be­ra­tung, Sucht­be­ra­tung, Schuld­ner­be­ra­tung, Schwan­ger­schafts­kon­flikt­be­ra­tung. Der ASD ist dem Fach­be­reich Familie und Jugend in der Kreis­ver­wal­tung Unna zuge­ordnet. Tätig beim ASD sind 14 Mit­ar­bei­te­rinnen und Mit­ar­beiter, davon arbeiten fünf beim ASD Bönen, vier beim ASD Frön­den­berg und vier beim ASD Holzwickede.

Erreichbar ist der ASD in Holzwickede, Rausinger Straße 3, T. 0 23 01 /​91 39 20

ASD, Missdhandlung

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