Gemeinsames Sorgerecht trotz Trennung: Im Streitfall ist auch der ASD gefragt

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Das gemein­same Sor­ge­recht bleibt auch nach einer Tren­nung oder Schei­dung bestehen. Die Fami­li­en­ge­richte befassen sich nur mit dem Sor­ge­recht, wenn einer der beiden Partner dies bean­tragt. Dann ist auch der ASD gefragt. (Grafik: Didi01 /​pixelio.de)

Bür­ger­ser­vice steht bei der Kreis­ver­wal­tung im Vor­der­grund. Des­halb haben viele Tätig­keiten wenig mit dem „Vor­gang“ und viel mit den Men­schen zu tun. Der Emscher­blog stellt in einer drei­tei­ligen Arti­kel­serie die Arbeit des All­ge­meinen Sozi­al­dien­stes (ASD) vor. Heute Teil 2: Sor­ge­recht

Auch nach der Schei­dung sind beide Eltern ver­ant­wort­lich Tren­nung, Schei­dung: Etwa jede dritte Ehe geht aus­ein­ander. Gefühls­mäßig beson­ders betroffen sind oft die Kinder. Eltern fragen sich dann, wie das gemein­same Sor­ge­recht gere­gelt werden soll. Was dies im Alltag bedeutet, also ob zum Bei­spiel jede Klei­nig­keit abge­stimmt werden muss. Da nicht alle Eltern wissen, welche Mög­lich­keiten sie bei der Aus­ge­stal­tung des Sor­ge­rechts haben, bietet der All­ge­meine Sozi­al­dienst auf den Ein­zel­fall zuge­schnit­tene Bera­tungen an. Mehr noch: Die Sozi­al­ar­beiter beim Kreis haben auch ein paar all­ge­mein­gül­tige Infor­ma­tionen parat.

Per Gesetz ist gere­gelt, dass das gemein­same Sor­ge­recht auch nach einer Tren­nung oder Schei­dung weiter besteht. „Das ist der Nor­mal­fall. Des­halb spielt das Sor­ge­recht auch nur in Aus­nah­me­fällen bei einem Schei­dungs­ver­fahren vor dem Fami­li­en­ge­richt eine Rolle“, erklärt Sach­ge­biets­leiter Gerd Steiner und wird kon­kreter: „Das Gericht befasst sich mit dem Thema nur, wenn ein Eltern­teil einen Antrag auf Rege­lung der elter­li­chen Sorge stellt. Im Vor­der­grund steht dann das Bemühen um eine mög­lichst ein­ver­nehm­liche Lösung im Inter­esse der Kinder.“

Wie funktioniert das gemeinsame Sorgerecht im Alltag?

Mög­lichst zeitnah trag­fä­hige Lösungen finden: Das ist auch das Anliegen der Jugend­ämter in der Kreis­stadt Unna und in der Kreis­ver­wal­tung Unna. Sie haben sich des­halb mit dem Fami­li­en­ge­richt, mit Bera­tungs­stellen, Gut­ach­tern, Anwälten, Umgangs­pfle­gern und Ver­fah­rens­bei­ständen zusam­men­ge­schlossen und stimmen ihr Vor­gehen mit­ein­ander ab.

Was genau bedeutet aber „gemein­sames Sor­ge­recht“ und wie funk­tio­niert das im Alltag? Sach­ge­biets­leiter Gerd Steiner nennt die ersten wich­tigen Schritte: „Zunächst einmal sollten sich die Eltern über den Wohnort des Kindes einigen. Ebenso wichtig sind Rege­lungen zu den Umgangs- und Besuchs­zeiten für den Eltern­teil, bei dem das Kind nicht lebt.“

Nicht jede Ent­schei­dung muss detail­liert abge­spro­chen werden. Auch getrennt lebende Eltern müssen ständig Ent­schei­dungen für ihre Kinder treffen. Nicht alles kann und muss dabei detail­liert abge­spro­chen werden. Als grobe Richt­linie gilt die Unter­schei­dung zwi­schen all­täg­li­chen Ange­le­gen­heiten und Ange­le­gen­heiten von erheb­li­cher Bedeu­tung.

Pro­bleme gibt es häufig dann, wenn die Eltern unter­schied­liche Stand­punkte haben oder sich nicht über den Weg trauen“

Gerd Steiner, Sach­ge­biets­leiter ASD

Zu den ersteren zählen Ent­schei­dungen im täg­li­chen Ablauf wie etwa die Höhe des Taschen­geldes, die Ent­schul­di­gung im Krank­heits­fall oder die Teil­nahme an Ver­an­stal­tungen und Aus­flügen“, gibt Gerd Steiner eine Ori­en­tie­rungs­hilfe. Diese Dinge regelt der Eltern­teil, bei dem das Kind lebt bzw. sich auf­hält.

Ent­schei­dungen von großer Bedeu­tung, also mit weit rei­chenden Folgen müssen die Eltern gemeinsam treffen. „Dazu gehören die Wahl der Schulart bzw. Aus­bil­dungs­stätte, plan­bare Ope­ra­tionen und risi­ko­be­haf­tete medi­zi­ni­sche Behand­lungen, Fragen der Reli­gion oder auch der Umgang mit einem even­tuell vor­han­denen Ver­mögen des Kindes“, nennt Steiner einige Bei­spiele.

Welche Ange­le­gen­heiten abge­spro­chen werden müssen, kann in der Eltern­ver­ein­ba­rung gere­gelt werden, und: „Sind sich die Eltern einig, können sie auch ganz indi­vi­du­elle Rege­lungen treffen“, so Steiner.

Pro­bleme gibt es häufig dann, wenn die Eltern unter­schied­liche Stand­punkte haben oder sich nicht über den Weg trauen“, erklärt Gerd Steiner. „In sol­chen Fällen steht der All­ge­meine Sozi­al­dienst als neu­traler Mittler und Berater bei der Suche nach klaren, ver­bind­li­chen und für alle Betei­ligten akzep­ta­blen Lösungen zur Ver­fü­gung.“

Hin­ter­grund: Der All­ge­meine Sozi­al­dienst (ASD) bietet Schutz für Kinder und Jugend­liche in akuten Kri­sen­si­tua­tionen, z.B. bei kör­per­li­cher oder see­li­scher Miss­hand­lung oder bei sexu­ellem Miss­brauch. Der ASD berät und unter­stützt Eltern, Fami­lien, Kinder, Jugend­liche und Erwach­sene in schwie­rigen Fami­lien- und Lebens­si­tua­tionen in Tren­nungs- und Schei­dungs­si­tua­tionen bei der Gestal­tung des Sorge- und Umgangs­rechtes bei Erzie­hungs- und Schul­schwie­rig­keiten bei Pro­blemen zwi­schen Eltern und Kin­dern bei der Ver­mitt­lung ambu­lanter und sta­tio­närer Hilfen bei der Ver­mitt­lung an Bera­tungs­stellen und andere soziale Ein­rich­tungen, z.B. Erzie­hungs­be­ra­tung, Sucht­be­ra­tung, Schuld­ner­be­ra­tung, Schwan­ger­schafts­kon­flikt­be­ra­tung. Der ASD ist dem Fach­be­reich Familie und Jugend in der Kreis­ver­wal­tung Unna zuge­ordnet. Tätig beim ASD sind 14 Mit­ar­bei­te­rinnen und Mit­ar­beiter, davon arbeiten fünf beim ASD Bönen, vier beim ASD Frön­den­berg und vier beim ASD Holzwickede.
Erreichbar ist der ASD in Holzwickede, Rausinger Straße 3, T. 0 23 01 /​91 39 20


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

Comments (3)

  • Ein gemein­sames Sor­ge­recht der geschie­denen Eltern wäre wohl – soweit es funk­tio­niert – das Beste für das Kind. Beru­hi­gend, dass dies immer noch als „Nor­mal­fall“ ange­sehen wird! Gerade, wenn es Unstim­mig­keiten durch einen gewünschten Wohn­ort­wechsel kommt, zer­bricht das Kon­strukt jedoch und es bleibt nur der Gang zum Anwalt für Fami­li­en­recht.

  • Mein Onkel und seine Frau werden sich trennen. Sie können ein­fach nicht mehr mit­ein­ander leben, möchten aber trotzdem ein gemein­sames Sor­ge­recht haben. Ich werde ihnen raten, sich hier mit einem Anwalt für Fami­li­en­recht zu bespre­chen. Danke für den Tipp, im Vor­feld die Umgangs- und Besuchs­zeiten zu regeln.

  • Mein Onkel hat mich letz­tens zum Thema fami­li­en­recht etwas gefragt, aber ich wusste dar­über nichts. Des­wegen bin ich echt froh, dass ich diesen Bei­trag gefunden habe. Näch­stes Mal, wenn ich ihn sehe, kann ich ihm erzählen, was ich hier gelesen habe.

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