Wohnpark Emscherquelle: Bedingungen für Investoren schon aufgeweicht

Die Verhandlungen über den Ankauf kann die Gemeinde erst Ende des Jahres aufnehmen: die ehemalige Emscherkaserne. (Foto: Peter Gräber)
Die Rah­men­be­din­gungen der Inve­sto­ren­suche für den „Wohn­park Emscher­quelle“ sind jetzt fest­ge­legt worden: die ehe­ma­lige Emscher­ka­serne. (Foto: P. Gräber)

Die Ver­wal­tungs­spitze hat im Pla­nungs- und Bau­aus­schuss am Dienstag (6.9.) die Ergeb­nisse der bis­he­rigen Gespräche mit der Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­gaben (BImA) in einer Vor­lage zusam­men­ge­fasst und zum Beschluss vor­ge­legt – und die Kri­tiker der Umnut­zung sehen sich bereits bestä­tigt:

Hatte es bis­lang stets geheißen, dass die Kaser­nen­fläche bei der Umnut­zung je zur Hälfte in Wohn-bau­land und Grün­land umge­wan­delt werden soll, hat sich dieser Pro­zent­satz inzwi­schen schon zu Gun­sten von mehr Bau­land ver­schoben.

Unter fol­gende Bedin­gungen wollen die Gemeinde und BImA nun euro­pa­weit Inve­storen für den Wohn­park Emscher­quelle suchen, u.a. bei der EXPO REAL 2916 in Mün­chen:

  • Statt 50 Pro­zent sollen nun bereits 59 Pro­zent Wohn­bau­land zuzüg­lich 5 Pro­zent pri­vate Grün­flä­chen bei der Umwand­lung zum „Wohn­park Emscher­quelle“ ent­stehen dürfen.
  • Vor­ge­sehen sind wei­terhin Ein­fa­mi­lien- bzw. Dop­pel­häuser in offener Bau­weise.
  • Außerdem soll eine Fläche für sechs bis acht Mehr­fa­mi­li­en­häuser des sozialen Woh­nungs­baus (zwei- bis drei­ge­schossig) und Mehr­ge­nera­tio­nen­häuser aus­ge­wiesen werden.
  • Außerdem ist eine Her­stel­lung und kosten­lose Über­tra­gung der inneren Erschlie­ßung und von Grün­flä­chen an die Gemeinde vor­ge­sehen (zusammen ca. 35 Pro­zent des jet­zigen Grund­stücks).
  • Der Wohn­park Emscher­quelle soll über min­de­stens zwei Ein­fahrten von der Sölder Straße und Schä­fer­kamp­straße aus erschlossen werden.
  • Der Ausbau der Schä­fer­kamp­straße wird aus­schließ­lich durch den Inve­stor getragen.
  • Der Ausbau der Sölder Straße wird eben­falls durch den Inve­stor getragen. Aller­dings bei einer Kosten­be­tei­li­gung der Gemeinde in nicht fest­ge­legter Höhe.
  • Für junge Fami­lien sollen wei­terhin Grund­stück zu erschwing­li­chen Preisen ange­boten werden, die unter­halb des Boden­richt­wertes liegen.
  • Es ist eine Fläche von rund 1.000 qm2 zur Errich­tung einer zwei­zü­gigen Kin­der­ta­ges­stätte aus­zu­weisen.
  • Die Regen­ent­wäs­se­rung erfolgt im Trenn­sy­stem mit Ein­lei­tung in eine Was­ser­fläche auf dem Grund­stück (Teil der 35 Pro­zent öffent­liche Grün­fläche).
  • Die Häuser sollen rege­ne­ra­tive Ener­gien nutzen.
  • Die Kosten für das Bebau­ungs­plan­ver­fahren muss der Inve­stor tragen.

Kritik an „realitätsfernen“ Bedingungen

Die Emscherkaserne aus der Vogelperspektive. (Foto: googlemaps.de)
Die Emscher­ka­serne aus der Vogel­per­spek­tive. (Foto: googlemaps.de)

Der Aus­schuss­vor­sit­zender Wil­fried Brink­mann (Bür­ger­block) lehnte im Namen seiner Frak­tion die genannten Rah­men­be­din­gungen ab. „Wenn erst ein Inve­stor gefunden ist, dann werden auch diese Bedin­gungen noch weiter auf­ge­weicht“, fürchtet Brink­mann und sagt voraus: „Wenn die EXPO beendet ist und es einen Inve­stor gibt, sind wir bei 69 Pro­zent Bau­land.“

FDP und Grünen stimmten eben­falls gegen die Rah­men­din­gungen. Dass ein Inve­stor der Gemeinde rund 40 Pro­zent der Fläche schenkt, noch dazu den Ausbau der Erschlie­ßungs­straßen über­nimmt und Grund­stücke unter Boden­richt­wert an junge Fami­lien abgibt sei ein­fach „rea­li­täts­fern“, so Fried­helm Klemp (Grünen). Die FDP wun­derten sich über das Ver­fahren: Die Ver­schie­bung der Pro­zent­zahlen beim Anteil der Wohn- und Grün­flä­chen hätte vorher dis­ku­tiert werden müssen.

Mit den Stimnmen der SPD und CDU im Fach­aus­schuss wurden die Rah­men­be­din­gungen trotzdem ange­nommen. Mit diesen Bedin­gungen soll nun die euro­pa­weite Aus­schrei­bung und Suche nach Inve­storen auf­ge­nommen werden. Wie Fach­be­reichs­leiter Jens-Uwe Schmiedgen erklärte, könnte es durchaus sein, dass bereits Ende Oktober/​Anfang November erste Inve­storen auf­treten.

Wohnpark Emscherquelle


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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