Uneinsichtiger Angeklagter wegen Diebstahls zu 2.400 Euro Geldbuße verurteilt

Hätte er doch nur auf die mehr als deut­li­chen Hin­weise des Rich­ters gehört und seinen Wider­spruch gegen einen Straf­be­fehl wegen Dieb­stahls zurück­ge­zogen. Dann wäre der 48 Jahre alte Ange­klagte mit einer Geld­buße von 500 Euro davon­ge­kommen. So aber „bet­telte“ er förm­lich um ein Urteil und wurde am Ende seiner Haupt­ver­hand­lung heute (13. Juni) vor dem Amts­ge­richt Unna zu einer Geld­strafe von 2.400 Euro ver­ur­teilt.

Erschienen war der Ange­klagte vor Gericht heute nur mit einer ver­ei­digten Dol­met­scherin. Sein Anwalt kam nicht. Wie sich nach einem Anruf von Richter Jörg Hücht­mann her­aus­stellte, sollte das auch so bleiben, denn wie der Anwalt dem Richter bestä­tigte, habe er dem 48-Jäh­rigen auch klar und deut­lich erklärt, dass er seine Ver­tei­di­gung nicht über­nimmt.

Dar­aufhin erklärte der Richter dem Ange­klagten nochmal ein­dring­lich, dass er auch ohne dessen Anwalt die Haupt­ver­hand­lung eröffnet, falls es der Ange­klagte wünscht, dass sich im Falle einer mög­li­chen Ver­ur­tei­lung die im Raum ste­hende Geld­buße von 500 Euro aber „min­de­stens ver­vier­fa­chen wird“. Doch der Ange­klagte zeigte sich von diesem gut gemeinten Rat des Rich­ters unbe­ein­druckt und bestand darauf, dass die Ver­hand­lung eröffnet wird. Was dann auch pas­sierte. Die Geduld des Rich­ters war erschöpft.

Widerspruch gegen Strafbefehl von 500 Euro

Die Staats­an­walt­schaft warf dem 48-Jäh­rigen vor, als Aus­hilfs­fahrer in einem Hermes-Lager in Holzwickede einen großen Flach­bild­fern­seher ent­wendet zu haben, um ihn gewinn­brin­gend wei­ter­zu­ver­kaufen.

Zur Über­ra­schung aller im Saal wollte sich der Ange­klagte jedoch ohne Ver­tei­diger zunächst nicht äußern zu dieser Anklage. Als Zeugen wurden dar­aufhin eine Büro­an­ge­stellte und der Arbeit­geber ver­nommen. Beide erklärten über­ein­stim­mend: Der Fern­seher, um den es geht, war von einem anderen Fahrer, der ihn nicht hatte aus­lie­fern können, am Ende seiner Tages­tour auf einem Sam­mel­platz abge­stellt worden. Dar­über gibt es Video­auf­zeich­nungen und auch das Abstellen im Lager wurde per Scanner erfasst.

Als er den Fern­seher am anderen Tag aus­lie­fern sollte, war der ver­schwunden und die Nach­for­schungen des Arbeit­ge­bers begannen. Video­auf­zeich­nungen zeigen schließ­lich, dass der Ange­klagten den großen Karton mit dem Fern­seher in sein Auto geladen hat und damit weg­ge­fahren ist, ohne die Über­nahme und Aus­lie­fe­rung per Scanner zu doku­men­tieren.

Geständnis widerrufen

Später zur Rede gestellt leug­nete der Ange­klagte zunächst. Erst als er mit den Video­auf­nahmen kon­fron­tiert wurde gestand der 48-Jäh­rige schließ­lich, den Fern­seher gestohlen und an einen Hehler am Bor­sig­platz in Dort­mund wei­ter­ge­geben zu haben. Diese Aus­sage wie­der­holte er später auch bei der Polizei. Mit einem kleinen Unter­schied: An wen er den Fern­seher abge­geben hat, wollten er nicht mehr ver­raten.

Nach diesen Zeu­gen­aus­sagen äußerte sich der Ange­klagte in der Ver­hand­lung heute plötz­lich doch noch – und ver­blüffte den erfah­renen Amts­richter erneut: Er habe den Fern­seher nicht gestohlen, den Dieb­stahl aber ein­ge­räumt, weil er schnell zu seiner erkrankten Mutter nach Ita­lien gewollt habe. „Des­halb gibt man doch keinen Dieb­stahl zu, den man nicht begangen hat“, wun­derte sich Jörg Hücht­mann. „Sie hätten doch ein­fach den Dieb­stahl leugnen und dann gehen können. Es hat sie ja nie­mand fest­ge­halten.“

Unglaubwürdige Schutzbehauptung

Die Staats­an­wältin sah nach den Zeu­gen­aus­sagen den Tat­vor­wurf als erwiesen an. Der Hin­weis auf die kranke Mutter seine nur eine Schutz­be­haup­tung. Der Ange­klagte sei zwar nicht vor­be­straft, aber auch nicht geständig. Eine Geld­strafe von 50 Tages­sätzen a‘ 40 Euro hielt die Ankla­ge­ver­tre­terin des­halb für ange­messen.

Richter Jörg Hücht­mann ging mit seinem Urteil von 60 Tages­sätzen a‘ 40 Euro (= 2.400 Euro) noch über dieses Plä­doyer hinaus. Der gestoh­lene Fern­seher habe eine erheb­li­chen Wert dar­ge­stellt. Die Schutz­be­haup­tung des Ange­klagten sei absolut nicht über­zeu­gend. „Da können wir ja froh sein, dass es hier nicht um Mord ging, sonst hätten sie den womög­lich auch gestanden.“ Er habe „keinen Zweifel, dass der Dieb­stahl über­zeu­gend nach­ge­wiesen“ sei, so der Richter. Neben der Geld­buße muss der Ange­klagte nun auch noch die Kosten des Ver­fah­rens tragen.

Diebstahl, Gericht


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kontakt

Mobil: +49 (170)  9 03 26 14

E-mail: info@emscherblog.de

Folgen Sie uns

Archiv