Jan Brückhändler (Die Partei) bei der Abstimmung zur Wahl der stellvertretenden Bürgermeister. Der 23-Jährige kandidierte selbst auch für das Bürgermeisteramt. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)

Plädoyer für die Jugend vor der Bürgermeisterwahl im Rat: Chance vertan

Jan Brückhändler (Die Partei) bei der Abstimmung zur Wahl der stellvertretenden Bürgermeister. Der 23-Jährige kandidierte selbst auch für das Bürgermeisteramt. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Jan Brückhändler (Die Partei) bei der Abstimmung zur Wahl der stellvertretenden Bürgermeister. Der 23-Jährige kandidierte selbst auch für das Bürgermeisteramt. (Foto: P. Gräber – Emscherblog)

Wenn ein neuer Gemeinderat zusammenkommt, ist das immer etwas Besonderes: Die neu gewählten Volksvertreterinnen und -vertreter müssen sich beschnuppern und ihre neue Rolle finden. In den Vorgesprächen zwischen den Fraktionen sind zumeist alle Personalentscheidungen schon vorab besprochen worden. „Die Partei“ als kleinste Fraktion mit nur zwei Mitgliedern hat es trotzdem gewagt, einen Kandidaten für das Amt des stellvertretenden Bürgermeisters aufzustellen. Das ist ungewöhnlich. Noch ungewöhnlicher ist es allerdings, dass dieser Kandidat, Jan Brückhändler (23 J.), vor der Abstimmung im Rat auch noch seine Beweggründe für die Kandidatur darlegte. Seine kurze Rede, ein Plädoyer für die stärkere Beteiligung von Jugendlichen an der Politik, finden wir so bemerkenswert, dass wir sie unseren Leserinnen und Lesern nicht vorenthalten möchten:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

wir hatten leider noch nicht das Vergnügen uns bei allen persönlich vorzustellen, deswegen… Hey, das ist Lukas ich bin Jan.

Viele die hier sitzen werden sich über meine Nominierung mit Sicherheit gewundert haben. Verständlicherweise, der stellvertretende Bürgermeister war wohl in diesem Haus meist ein Selbstläufer.

Ich stehe hier heute aber nicht, weil ich mich für kompetenter als die anderen Kandidaten halte. Das wäre auch ziemlicher Wahnsinn, sondern stellvertretend für die Menschen die eigentlich, das gute Recht hätten hier ebenfalls zu sitzen.

Viele Parteien hatten vor der Wahl ausgesprochen, sich verjüngen zu wollen.

„Zeit für junge Köpfe“ hieß es da unter anderem aus einer Richtung.

Leider waren die Chancen für eben diese aber nie wirklich realistisch. Die Plätze auf der Reserveliste waren alles andere als vielversprechend und ein Direktmandat zu bekommen ist immer eine schwierige Aufgabe, in manchen Wahlbezirken, je nach Partei, sogar eine fast unmögliche.

Es ist schade, dass die Wertschätzung junger Leute, die sich für Politik engagieren, offenbar dort aufhört, wo es ernst wird, dort wo Entscheidungen getroffen werden. Anscheinend dort, wo das Ego der Älteren über das Mitwirken der jüngeren Generation in der Kommunalpolitik gestellt wird. Die Tatsache, dass Luki und ich heute hier nicht sitzen würden, wenn wir vor einem Jahr keinen Ortsverband mit unseren Parteikollegen gegründet hätten, spricht Bände.

Umso deprimierender ist es, zu wissen, dass gerade die etablierten Parteien verdammt gute junge Leute in ihren Reihen haben, die diesen Rat durch ihre Ansichten mit Sicherheit bereichern würden.

Natürlich ist mir bewusst, dass diese Wahl für mich ziemlich aussichtslos erscheint. Allerdings habe ich die Hoffnung, vielleicht in den vergangen zwei Minuten einen Eindruck hinterlassen zu haben, wie ernst es uns ist, die Zukunft unserer Gemeinde mitgestalten zu können, um auch im Rat ein Holzwickede für mehrere Generationen zu repräsentieren. Wir können etwas bewegen, glauben Sie mir, man muss uns nur die Möglichkeit geben.

Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit.“

Jan Brückhändler (Die Partei)

Die Partei, Gemeinderat


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

Comments (5)

  • Hallo in den alten Wohnort,

    wünsche beiden jungen Leuten viel Courage, die sie ja schon bewiesen haben und viel Erfolg.

    Demokratie in Holzwickede braucht Euch.

    Schaut vor allem und prüft genau, was die Verwaltung macht. Der Gemeinderat hat theoretisch die Entscheidungshoheit. In Holzwickede eben nur theoretisch.

    Seid unbequem und stellt Fragen und forscht nach der Wahrheit.

    Das würde ich mir für die Menschen, die dort eingeschüchtert werden sehr wünschen.

    Holzwickede haben wir verlassen, weil wir von der Verwaltung gemobbt wurden.
    Niemand hat sich um Wahrheitsfindung gekümmert oder aus Angst vor Repressalien geschwiegen.

    Nun offensichtlich sind wir als Aachener zu viel Demokratie und Meinungsfreiheit gewohnt und kommen mit Diktaturen eher schlecht zurecht.

    Viel Erfolg Lukas und Jan !

  • Der drückt bestimmt. Lasst euch nicht beirren. Ich bin über 70 Jahre
    alt und finde, dass die Alten auf dem Mehrgenerationen-Spielplatz
    aktiv sein sollten und nicht im Rat
    der Gemeinde ihr Unwesen treiben.

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