IHK-Präsident Heinz-Herbert Dustmann. (Foto: IHK Dortmund)

Neue IHK-Umfrage zeigt aktuelles Krisenausmaß für regionale Wirtschaft

IHK-Präsident Heinz-Herbert Dustmann. (Foto: IHK Dortmund)
IHK-Prä­si­dent Heinz-Her­bert Dust­mann. (Foto: IHK Dort­mund)

Die Insol­venz­ge­fahr in der hei­mi­schen Wirt­schaft ist deut­lich gestiegen. Das zeigt eine wei­tere Blitz­um­frage der Indu­strie- und Han­dels­kam­mern (IHK) in Nord­rhein-West­falen, die erneut die aktu­elle Situa­tion zur Corona-Krise unter ihren Mit­glieds­un­ter­nehmen abge­fragt. Aus dem IHK-Bezirk mit Dort­mund, Hamm und dem Kreis Unna nahmen ins­ge­samt 125 Unter­nehmen teil. Die Ergeb­nisse zeigen, dass die Wirt­schaft mit immer grö­ßerer Wucht von der Pan­demie getroffen wird.

Vier von zehn Unter­nehmen in unserer Region fürchten für 2020 bis zu 25 Pro­zent Umsatz­rück­gänge. Auch die Insol­venz­ge­fahr steigt deut­lich“, sagt Heinz-Her­bert Dust­mann, Prä­si­dent der IHK zu Dort­mund. „In dieser schwie­rigen Zeit müssen Wirt­schaft, Politik und Gesell­schaft zusam­men­stehen. Soli­da­rität ist das Gebot der Stunde. Die Corona-Krise können wir nur gemeinsam bewäl­tigen – mit Ent­schlos­sen­heit und dem rich­tigen Augenmaß“, so Dust­mann.

Die Umfrage zeigt auch, dass die Bereit­schaft zur Öff­nung unter der Prä­misse von not­wen­digen Schutz- und Hygie­ne­maß­nahmen in den Unter­nehmen groß ist. Neben einem Zeit­plan bedarf es jetzt eines kon­kreten Ori­en­tie­rungs­rah­mens für die Unter­nehmen. Hier will die IHK mit ihrer Umfreage Trans­pa­renz schaffen – für die Arbeit der Behörden vor Ort, die Lan­des­re­gie­rung und für die Unter­nehmen. Auch nachdem jetzt die ersten Schritte ein­ge­leitet wurden, fehlen vielen Unter­nehmen noch immer eine belast­bare Per­spek­tive und Pla­nungs­si­cher­heit für das Hoch­fahren ihrer Geschäfte“, erläu­tert IHK-Haupt­ge­schäfts­führer Stefan Schreiber.

Kernergebnisse der noch laufenden Umfrage

Die Krise ver­tieft sich: Trotz sin­kender Infek­ti­ons­zahlen ist die Gefahr der Pan­demie kei­nes­wegs aus­ge­standen. Es wird deut­lich, dass die Krise die Wirt­schaft immer stärker erfasst. Ledig­lich sieben Pro­zent der befragten Unter­nehmen rechnen für das Gesamt­jahr 2020 mit sta­bilen Umsätzen. Vier von zehn Unter­nehmen fürchten Umsatz­rück­gänge von bis zu 25 Pro­zent, fast jeder achte Betrieb sogar von bis zu 50 Pro­zent. Dagegen erwarten ledig­lich zwei Pro­zent Umsatz­stei­ge­rungen.

Viele Umsatz­rück­gänge werden exi­stenz­ge­fähr­dend: In der aktu­ellen Aus­wer­tung geben 16 Pro­zent der Unter­nehmen an, dass sie ihre Lage als so bedroh­lich ein­stufen, dass eine Insol­venz folgen könnte. Beson­ders gefährdet zeigen sich die Unter­nehmen aus dem Ein­zel­handel, der Gastro­nomie und dem Rei­se­ge­werbe, aber auch Schau­steller und Mes­se­bauer.

Daraus fol­gert die IHK: Auch wenn die ersten Schritte zum Wie­der­an­laufen der Wirt­schaft erfolgt sind, fehlt vielen der beson­ders betrof­fenen Unter­nehmen noch immer eine belast­bare Per­spek­tive, wie es für sie wei­ter­gehen kann. Unter Beach­tung der Anfor­de­rungen des Gesund­heits­schutzes gilt es den­noch nun, Wege für diese Unter­nehmen auf­zu­zeigen.

Schneller Einstieg in den Ausstieg

Der schnelle Ein­stieg in den Aus­stieg ist mög­lich: Ein schneller Ein­stieg in den Aus­stieg ist für den Groß­teil der befragten Unter­nehmen rea­li­stisch umsetzbar. In zwei Drittel der befragten Unter­nehmen in der IHK-Region läuft der Betrieb – etwa im pro­du­zie­renden Gewerbe –, wenn auch teils mit Ein­schrän­kungen. Wei­tere 18 Pro­zent benö­tigen nach eigenen Angaben keine Vor­lauf­zeiten für ein volles Wie­der­an­laufen.

Bei etwa einem Sech­stel der befragten Unter­nehmen sind hin­gegen Vor­be­rei­tungen von min­de­stens einer Woche bis zu einem Monat erfor­der­lich, bevor der Betrieb wieder anlaufen kann. Vor allem Gastro­nomie und per­so­nen­be­zo­gene Dienst­lei­ster benö­tigen zeit­li­chen Vor­lauf, um etwa fri­sche Ware zu besorgen oder um Schutz- und Hygie­ne­maß­nahmen zu ergreifen.

Des­halb for­dert die IHK: Die Unter­nehmen benö­tigen schnell Pla­nungs­si­cher­heit über die wei­teren Schritte des Wie­der­an­fah­rens, damit sie das Hoch­fahren ihrer Geschäfte planen können.

Europäische Abstimmung erforderlich

Euro­päi­sche Koor­di­na­tion ist erfor­der­lich: Für viele kom­plexe Wert­schöp­fungs- und Ver­sor­gungs­ketten ist eine euro­päi­sche Koor­di­na­tion des Wie­der­an­lau­fens unab­dingbar. Vor allem in der Indu­strie und im Groß­handel prüfen Unter­nehmen der­zeit die Sta­bi­lität ihrer Lie­fer­ketten. Da die euro­päi­schen Regionen sehr unter­schied­lich von der Corona-Pan­demie betroffen sind, müssen die Zeit­pläne für das Wie­der­an­laufen der Wirt­schaft so abge­stimmt werden, dass es für die jewei­ligen Länder nicht zu War­te­zeiten und Frik­tionen in den Grenz­re­gionen kommt.

Darum sollte nach Auf­fas­sung der IHK das Wie­der­an­fahren der Wirt­schaft mit einer umfas­senden Kom­mu­ni­ka­tion auch zu den Schutz- und Hygie­ne­maß­nahmen begleitet werden. Eine Koor­di­na­tion der Akti­vi­täten zumin­dest auf euro­päi­scher Ebene ist drin­gend erfor­der­lich.

Schutz- und Hygienemaßnahmen nötig

Unter­nehmen setzen auf Schutz- und Hygie­ne­maß­nahmen: Die Unter­nehmen bereiten sich der­zeit intensiv auf ein Wie­der­an­fahren vor und planen eigene Schutz und Hygie­ne­maß­nahmen. Oberste Prio­rität haben dabei Maß­nahmen zur Ein­hal­tung der Min­dest­ab­stands­re­geln (94 Pro­zent) und die Bereit­stel­lung von Des­in­fek­ti­ons­an­ge­boten für Kunden und Mit­ar­beiter (86 Pro­zent). Viele Unter­nehmen ver­su­chen, Hilfs­mittel wie Mund­schutz oder Hand­schuhe für ihre Mit­ar­beiter zu orga­ni­sieren (58 Pro­zent). Immer mehr Unter­nehmen setzen auf Alter­na­tiven zum per­sön­li­chen Kun­den­termin (72 Pro­zent). Ein Anzei­chen, dass sich auch dau­er­haft die Arbeits­or­ga­ni­sa­tion ändern könnte.

Damit die Unter­nehmen sich wirksam vor­be­reiten und ihre Kunden und Mit­ar­beiter schützen können, benö­tigen sie nun schnell Sicher­heit über die erfor­der­li­chen Schutz- und Hygie­ne­maß­nahmen, for­dert die IHK. Zen­tral wird dabei, dass die Unter­nehmen ins­be­son­dere in der Start­phase des Wie­der­an­lau­fens die Unter­nehmen gesi­cherten Zugang zu Schutz- und Hygie­ne­ar­ti­keln erhalten.

Corona, IHK-Umfrage

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