Neue IHK-Broschüre analysiert lokale Einzelhandelsstrukturen im Kreis Unna

Vor­stel­lung des Han­dels­re­port Kreis Unna am 28. März im Mei­ster­haus in Unna, v.l.: Patrick Voss (IHK zu Dort­mund), Jörg Leh­nerdt (BBE Han­dels­be­ra­tung GmbH) und Ulf Woll­rath (IHK zu Dort­mund).
Foto: IHK zu Dortmund/​Stephan Schütze

Die Struk­turen des sta­tio­nären Ein­zel­han­dels in den zehn Kom­munen des Kreises Unna haben sich in den ver­gan­genen Jahren stark ver­än­dert. Diese Ent­wick­lung ver­an­schau­licht der neue 60-sei­tige IHK-Han­dels­re­port Kreis Unna 2016, den die BBE Han­dels­be­ra­tung im Auf­trag der Indu­strie- und Han­dels­kammer (IHK) zu Dort­mund erar­beitet hat. Zusammen mit IHK-Geschäfts­führer Ulf Woll­rath und Jörg Leh­nerdt (BBE Han­dels­be­ra­tung) stellte IHK-Refe­rent Patrick Voss den Report heute beim Pres­se­ge­spräch im Mei­ster­haus Unna vor. 

So ist etwa die Zahl der Betriebe, die größer als 650 Qua­drat­meter (650+) sind, deut­lich gestiegen. 2001 gab es im Kreis­ge­biet 160 dieser 650+-Betriebe, mitt­ler­weile sind es 217 – ein Plus von 69 Pro­zent. Auch die Gesamt­ver­kaufs­fläche der 650+-Betriebe hat sich in diesem Zeit­raum um ins­ge­samt 27 Pro­zent ver­grö­ßert. „Um im Wett­be­werb unter­ein­ander und gegen­über dem Online­handel kon­kur­renz­fähig zu bleiben, setzen viele sta­tio­näre Ein­zel­han­dels­un­ter­nehmen auf moderne und groß­zü­giger gestal­tete Ver­kaufs­flä­chen“, erläu­tert IHK-Refe­rent Patrick Voss diesen Trend.

Mit dem Han­dels­re­port Kreis Unna bietet die IHK Betrei­bern, poten­zi­ellen Inve­storen und Inter­es­sierten einen guten Über­blick über die Ein­zel­han­dels­struk­turen in den zehn Kom­munen des Kreises Unna. „Eine starke und wett­be­werbs­fä­hige Ein­zel­han­dels­land­schaft im Kreis Unna und der gesamten Region ist wichtig. Leben­dige und attrak­tive Innen­städte und Stadt­teil­zen­tren können nur durch das Zusam­men­spiel von Ein­zel­handel, Gastro­nomie, Ver­wal­tungs­ein­rich­tungen und Kultur- und Frei­zeit­an­ge­boten flo­rieren. Dabei dient der Ein­zel­handel nach wie vor als Fre­quenz­bringer“, so Woll­rath.

Der Kreis Unna als Teil des ‚Speck­gür­tels‘ der Metro­pole Ruhr weist wei­terhin gute Vor­aus­set­zungen für lei­stungs­starken und zukunfts­fä­higen Ein­zel­handel auf. Durch die Nähe zum Ober­zen­trum Dort­mund ist aber auch der Wett­be­werbs­druck hoch. Die Akteure vor Ort müssen zukünftig noch inten­siver zusam­men­ar­beiten“

Jörg Leh­nerdt, BBE-berater

Das für den Ein­zel­handel rele­vante Kauf­kraft­po­ten­zial für den gesamten Kreis liegt bei knapp 2,4 Mil­li­arden Euro. Aber in wel­cher Kom­mune ist die Kauf­kraft am höch­sten? Wo unter­stützen Wer­be­ge­mein­schaften den Ein­zel­handel? Und wie stark ist die Inter­net­prä­senz der Händler? Die neue Publi­ka­tion gibt Ant­worten, zeigt Stärken und Schwä­chen des Ein­zel­han­dels in den Kom­munen auf. Dabei über­wiegen die posi­tiven Aspekte. „Der Kreis Unna als Teil des ‚Speck­gür­tels‘ der Metro­pole Ruhr weist wei­terhin gute Vor­aus­set­zungen für lei­stungs­starken und zukunfts­fä­higen Ein­zel­handel auf. Durch die Nähe zum Ober­zen­trum Dort­mund ist aber auch der Wett­be­werbs­druck hoch. Die Akteure vor Ort müssen zukünftig noch inten­siver zusam­men­ar­beiten“, sagt BBE-Berater Leh­nerdt.

Kernaussagen zum Einzelhandel in Holzwickede

  • Das ein­zel­han­dels­re­le­vante Kauf­kraft­ni­veau (ver­füg­bares Netto-Ein­kommen pro Ein­wohner im Ver­hältnis zum Gesamt­ein­kommen der BRD) in Holzwickede ist mit 105 Mio. Euro das höchste im ganzen Kreis Unna.
  • Der Ein­zel­han­dels­um­satz betrug im Vor­jahr 85 Mio. Euro.
  • Die Anzahl der Ein­zel­han­del­be­triebe (650+ m2) wird mit zwölf ange­geben, die Ver­kaufs­fläche dieser 650+-Betriebe mit ins­ge­samt 17.650 m2

In der Beur­tei­lung der Gut­achter anhand von neun aus­ge­wählten Kri­te­rien schneidet das Haupt­zen­trum Holzwickede in keiner Kate­gorie richtig schlecht ab. Am schlech­te­sten bewerten die IHK-Gut­achter die Lage­qua­li­täten (keine Fuß­gän­ger­zone, keine A‑Lage, meh­rere Ange­bots­schwer­punkte an der Stehfen‑, Haupt- und Kirch­straße). Bemän­gelt werden auch feh­lende oder nur sehr gering vor­han­dene funk­tio­nale Aus­tausch­be­zie­hungen zu den son­stigen inner­städ­ti­schen Ange­boten.

Auch die Inter­net­prä­senz des Ein­zel­han­dels in Holzwickede wird schlecht bewertet. Online-Shop­ping gibt es gar nicht, wenn über­haupt ist der Ein­zel­handel teil­weise über die Gemein­de­seite, den Gewer­be­verein Aktiv­kreis Holzwickede ange­bunden und das auch nur mit Infor­ma­tionen.

Mit gut schneidet die Gemeinde dagegen bei zwei Kri­te­rien ab: die Park­si­tua­tion und die ver­kehr­liche Erschlie­ßung der Gemein­de­mitte. Diese ist für Pkw sehr gut, außerdem gibt es einen Bahnhof und ÖPNV-Hal­te­stellen.

Weitere Kernaussagen zum Handelsreport Kreis Unna 2016

  • Die zehn Kom­munen im Kreis Unna sind von sehr unter­schied­li­chen Sied­lungs- und Han­dels­struk­turen geprägt. Neben tra­di­tio­nellen Ein­kauf­sin­nen­städten und einigen lei­stungs­starken Fach­markt­stand­orten gibt es auch länd­liche Teil­räume mit ledig­lich Nah­ver­sor­gungs­an­ge­boten.
  • Der stark wach­sende Online­handel ver­än­dert die bis­he­rigen Stand­ort­be­din­gungen für alle Markt­teil­nehmer erheb­lich: Vor allem Anbieter von typi­schen Innen­stadt­sor­ti­menten (Beklei­dung, Schuhe, Sport, Spiel­waren, Bücher, Elek­tronik) haben bereits große Markt­an­teile ver­loren. Viele Unter­nehmen möchten zum „Multichannel“-Anbieter werden und den Online-Boom nutzen, oft­mals fehlen aber die Vor­aus­set­zungen.
  • In den grö­ßeren Innen­städten Unna, Lünen, Schwerte, Kamen und Werne gibt es oft noch Nach­hol­be­darf bei „Mul­tich­annel-Fähig­keit“ und Inter­net­prä­senz. Die vor­han­denen Struk­turen bieten aber gute Vor­aus­set­zungen für eine digi­tale Ein­kaufs­stadt. Dazu zählen struk­tu­relle Rah­men­be­din­gungen ebenso wie eine attrak­tive Nut­zungs­mi­schung aus Handel, Gastro­nomie, Dienst­lei­stung und Kultur.
  • Die klei­neren Kom­munen sind bereits stärker auf Nah­ver­sor­gungs­auf­gaben fokus­siert und werden diese Funk­tion auch in Zukunft wahr­nehmen. Der Online­an­teil beim Kauf von Lebens­mit­teln und Dro­ge­rie­waren wird im unteren ein­stel­ligen Pro­zent­be­reich bleiben und die Anbieter kaum ver­drängen. Auch die Nah­ver­sorger werden jedoch neue Auf­gaben über­nehmen und bei­spiels­weise Abhol- und Lie­fer­dienste bieten.
  • Damit die Kom­munen auch in Zukunft ein attrak­tives Ein­zel­han­dels­an­gebot anbieten können, müssen die Akteure vor Ort ihre Zusam­men­ar­beit inten­si­vieren und das Stand­ort­mar­ke­ting auf die Bedürf­nisse der Ziel­gruppen ein­stellen. Kaum ein Unter­nehmen wird dieser Her­aus­for­de­rung allein begegnen können. Eine lokale oder regio­nale Online­platt­form mit bequemem Zugang zu allen rele­vanten Infor­ma­tionen und Dienst­lei­stungen ent­steht nur, wenn mög­lichst alle Anbieter daran betei­ligt sind.
  • Die gute Nach­richt: Auch die mit dem Internet und dem Smart­phone auf­ge­wach­senen „Digital Natives“ halten sich gerne in attrak­tiven Innen­städten auf und werden ihr Geld dort aus­geben, wenn das Angebot stimmt.

Der IHK-Han­dels­re­port Kreis Unna 2016 finden Sie als Down­load hier. Fragen beant­wortet IHK-Han­dels­re­fe­rent Patrick Voss, E‑Mail: p.voss@dortmund.ihk.de, Tel. 02 31 54 1 71 53.

Handelsreport, IHK


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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