Schlägerei im Emscherpark: Haftstrafen zur Bewährung

JustitiaEinen ordent­li­chen Denk­zettel bekamen heute (9.10.) zwei 34 und 33 Jahre alte Männer vor dem Amts­ge­richt Unna ver­passt, die im April des Jahres eine Schlä­gerei im Emscher­park vom Zaun gebro­chen haben: Die beiden Ange­klagten aus Holzwickede und Dort­mund wurden wegen gemein­schaft­li­cher gefähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung, Belei­di­gung und Bedro­hung zu acht Monaten Haft und 70 Stunden Sozi­al­ar­beit sowie sieben Monaten Haft und 60 Stunden Sozi­al­ar­beit ver­ur­teilt. Das Gericht setzte die Haft­strafen zur Bewäh­rung auf einen Zeit­raum von zwei Jahren aus. Außerdem müssen beide Ange­klagten die Kosten des Ver­fah­rens tragen.

Was genau an dem reg­ne­ri­schen Tag im April im Holzwickeder Emscher­park pas­siert war – dar­über gab es ganz unter­schied­liche Aus­sagen der Betei­ligten. Unstrittig ist, dass die beiden Ange­klagten mit einem wei­teren Bekannten im Park abhingen und schon mehr oder weniger kräftig dem Alkohol zuge­spro­chen hatten, als ein Jogger vorbei gelaufen kam, der sich ein paar Meter weiter im Park mit einem Lauf­freund treffen wollte.

Anlass für den Streit: eine Bayern-Buxe 

Der Jogger, der eine Lauf­hose in den Farben des FC Bayer Mün­chen trug, sagte später aus, dass er von einem der beiden Ange­klagten wegen dieser Hose laut­stark beschimpft und als „Schwuchtel“ belei­digt worden sei. Offenbar waren die beiden Ange­klagten jedoch an die Fal­schen geraten. Denn der Lauf­freund mit dem sich der Jogger regel­mäßig trifft, ist ein Poli­zei­be­amter in zivil. Und der wollte die Sache nicht auf sich beruhen lassen und sprach die beiden Ange­klagten auf ihr „aso­ziales Benehmen“ an. Ein Wort folgte dem anderen und der Streit eska­lierte. Dar­über, was genau ablief, gibt es wider­sprüch­liche Aus­sagen. Der Jogger und der Poli­zist sagten aus, dass einer der beiden Ange­klagten auf den Poli­zi­sten zuge­stürmt sei und ver­sucht habe, ihm einen Kopf­stoß zu geben. Der Poli­zist räumte ein, dass er den ziem­lich alko­ho­li­sierten Angreifer zu Boden geworfen und auch mehr­fach getreten habe. In dem Gerangel soll der Angreifer dann seinen Gürtel aus der Hose gezogen und damit um sich geschlagen haben. Auch einen Stein soll er auf­ge­nommen und gedroht haben, damit zu werfen. Schließ­lich soll der Satz: „Ich stech‘ Dich ab!“, gefallen sein. Als ein Pkw hielt und mit der Polizei gedroht wurde, hätten sich die Ange­klagten schließ­lich getrollt.

Beide und auch ihr Bekannter aus Dort­mund, der gestern als Zeuge auf­trat, stellten die Sache etwas anders dar: Von wüsten Dro­hungen mit einem Stein, einem geschwun­genen Gürtel oder Belei­di­gungen wegen der Bayern-Buxe will keiner etwas gehört oder gesehen haben. Zum Bayern-Outfit des Jog­gers wollen die Ange­klagten ledig­lich bemerkt haben: „Ach, gegen die Bayern müssen wir ja auch noch spielen.“ Der Bekannte der Ange­klagten sagte gestern als Zeuge aus, dass alle drei vor dem Streit im Park Alkohol getrunken hätten, aber ledig­lich der Ange­klagte, der später auf den Poli­zi­sten los­ge­gangen sei, betrunken gewesen sei. Die Gruppe habe auch gerade aus­ein­ander gehen wollen, weil es zu regnen begonnen hatte, als der Ärger anfing. Und der Anlass? Angeb­lich hätten die Ange­klagten den Jogger nur „nach der Uhr­zeit gefragt“, so der Zeuge gestern. Dar­aufhin seien sie als „aso­zial“ belei­digt worden.

Aus­sagen der Ange­klagten „wenig lebensnah“ 

Rich­terin Mal­cherek erschienen die Ein­las­sungen dieses Zeugen und auch der beiden Ange­klagten „als wenig lebensnah“. Dagegen halte sie es für durchaus mög­lich, dass sich die Sache so abge­spielt habe, wie es der Jogger und der Poli­zist geschil­dert haben, meinte die Rich­terin. Zumal sie bei diesen beiden Zeugen kei­nerlei Bela­stungs­ten­denzen erkennen konnte. Der Poli­zist habe etwa kei­nes­wegs ver­schwiegen, dass er selbst auch nach Kräften Tritte und Schläge aus­ge­teilt habe. Auch sei die unstrit­tige gefal­lene Bemer­kung über das „aso­ziale Ver­halten“ der Ange­klagten „sicher nicht grundlos“ erfolgt.

Zugun­sten der Ange­klagten berück­sich­tigte die Rich­terin, dass keiner der Betei­ligten Ver­let­zungen bei dem Streit davon trug und die Ange­klagten unter Alko­hol­ein­fluss standen. Ande­rer­seits ist einer der beiden schon einmal wegen einer Kör­per­ver­let­zung ein­schlägig auf­ge­fallen. Mit seinem Urteil von acht bzw. sieben Monaten Haft zur Bewäh­rung auf zwei Jahre aus­ge­setzt und 70 bzw. 60 Sozi­al­stunden, die beide Ange­klagten ablei­sten müssen, folgte das Gericht gestern dem Antrag der Ankla­ge­be­hörde. Ein­dring­lich gab Rich­terin Mal­cherek den beiden Ange­klagten, die gestern ohne Ver­tei­diger erschienen waren, die Mah­nung mit auf dem Weg, ihre Bewäh­rungs­auf­lagen ein­zu­halten: In den näch­sten zwei Jahren müssen sie sich regel­mäßig bei ihren Bewäh­rungs­hel­fern melden. Sie dürfen sich keine wei­teren Geset­zes­ver­stöße lei­sten und müssen jeden Wechsel ihres Wohn­sitzes den Behörden melden. Bei einem Ver­stoß gegen nur eine dieser Auf­lagen wan­dern sie hinter Gitter.

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