„Lebenslinien“ des Meisters der Zeichnung: Haus Opherdicke wie für Rolf Escher gebaut

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Rolf Escher, der Meister der Zeichnung, auf Haus Opherdicke: Ab Sonntag und dann den ganzen Sommer über zeigt er hier seine „Lebenslinien“. (Foto: Simone Melenk)

 Das barocke Haus Opherdicke scheint für die Bilder von Rolf Escher gebaut. So wunderbar kann sich der Meister der Zeichnung in den Kabinetten mit seinen Durchgängen, Zwischenräumen und Wandnischen, mit seinen vielen Lichtöffnungen und Schattenspielen präsentieren. „Lebenslinien“ nennt der Künstler seine Ausstellung – eine Geburtstagsschau. Im Herbst wird Rolf Escher 80 Jahre alt, die Bilderreise durch vier Jahrzehnte seines Schaffens „ist für mich ein später glücklicher Moment“, sagt er selbst.

104 Werke aus verschiedenen Zyklen werden gezeigt. Immer sind der Mensch, sind seine Dinge das Thema, ohne dass er auftaucht. Mit einer unglaublichen handwerklichen Perfektion widmet sich Escher, der Generationen von Studenten in Münster das Zeichnen lehrte, den Details, bildet sie nicht nur ab, sondern porträtiert sie. Die Stuhlreihen im Theater, die Kabelstrippen, die aus der Wand hängen, der vergessene Koffer, ein Schnürsenkel, das Glas auf der Fensterbank, der ausgefranste Ledereinband eines alten Buches oder das eilig hingeworfene Hemd über der Lehne eines zerschlissenen Korbsessels. Nichts ist in Eschers Augen so unwichtig, so wertlos, um nicht ins Blickfeld zu rücken.

Geburtstagsschau Rolf Eschers zeigt 104 Werke

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Das Erwachen der Dinge, 2002, Tuschfeder, Aquarell, Farbkreiden, Privatbesitz (Foto: Kreis Unna)

Immer hat der Mensch etwas liegen- oder stehengelassen. Immer ist er gerade gegangen, ist nur kurz durch die Tür, holt sich vielleicht eine Zeitung zum süßen Hörnchen auf seinem Teller. Oder er macht Pause und gleich erst wieder die Schubladen zu. Rolf Escher liebt die stille Welt, den intensiven Moment in der Abwesenheit des Menschen.

Viele „Fundstücke“ des eingestürzten Archivs in Köln hat er gezeichnet, der Künstler zeigt Bücher und Bibliotheken, „Sehnsuchtsorte“ wie Venedig, Paris oder Rom hat er bereist, und in den Städten nach „magischen Orten“ gesucht. Immer wieder in Italien. Das Land, wo die Zitronen blüh‘n, hat den bescheidenen Westfalen, der in Hagen geboren ist und in Essen und Berlin lebt, farbenfroher und dynamischer werden lassen.

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: Rolf Escher, Bibliothek in St. Peter auf dem Schwarzwald, 2014, Aquarell über Tuschfeder (Foto: Kreis Unna)

Ein großes Zimmer im Herrenhaus ist für Stillleben reserviert, die Escher indes surrealer interpretiert als die alten Meister. Seine Hummer kriechen aus einer Hutschachtel, seine Krebse in die Zeitung: Die Szene wirkt dämonisch, irgendwie geheimnisvoll. Obwohl schon hunderte Scheren und Zangen gezeichnet, auf dem Teller hatte Rolf Escher noch nie ein Meerestier. Er mag sie nicht.

Duldet sie aber im Schrank, eingelegt in Formalin. „Ein Fasan ist auch mal diesen Weg gegangen“, verrät er und lächelt verschmitzt.

Vergänglichkeit ist eben auch sein großes Thema.

  • Info: Rolf Escher – Lebenslinien: 24. April bis 14. August im Haus Opherdicke, Dorfstraße 29, Holzwickede, Di-So 10.30 bis 17.30 Uhr. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen und es gibt ein museumspädagogisches Begleitprogramm für Schulklassen (Magische Räume, Architektur stimmungsvoll gezeichnet). www.kreis-unna.de

 

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