Kommunales Präventionskonzept: Kreis siedelt Familienbüro in Hauptstraße an

Das Familienbüro des Kreises ist im ehemaligen HSC-Point (Foto) an der Hauptstraße untergebracht. Dort wird es in der zweiten Hälfte des nächsten Monats eröffnet und wichtige Anlaufstelle für junge Familien sein. (Foto: privat)
Nachmieter gesucht: Der HSC-Gesundheitssport gibt den HSC-Point an der Hauptstraße auf und zieht zur Kirchstraße in größere Räume um. (Foto: privat)
Nachmieter gefunden: Das Familienbüro des Kreises Unna wird die ehemaligen Räumlichkeiten des HSC an der Hauptstraße beziehen. (Foto: privat)

Die Leiterin des Fachbereichs Jugend und Familie, Katja Schuon, und Kreis-Jugendhilfeplanerin Monika Thünker stellte am Montagabend im Fachausschuss für Jugend, Familie, Senioren und Gleichstellung Präventive Aufgaben der Jugendhilfe sowie das Kommunale Präventionskonzept vor. Die Aufgaben in diesem Bereich werden bekanntlich vom Kreis Unna in den drei Kommunen Holzwickede, Fröndenberg und Bönen wahrgenommen.

Wie Katja Schuon darlegte, läuft das landesweite Modellvorhaben „Kommunales Präventionsprojekt“ bereits seit Februar 2012. „Wir haben bereits einen guten Stand, den es nun auszubauen gilt“, so die Fachbereichsleiterin des Kreises. Dazu sollen in Holzwickede und den beiden anderen Kommunen des Jugendamtsbereichs  kommunale Präventionsketten etablieren werden.  Die Stichworte dazu sind Vernetzung, Transparenz und Kommunikation.

Bestehendes Netzwerk soll ausgebaut werden

Leiterin Fachbereich Jugend und Familie: Katja Schuon. (Foto: Linda Peloso - Kreis Unna)
Leiterin Fachbereich Jugend und Familie: Katja Schuon. (Foto: Linda Peloso – Kreis Unna)

Konkret hat der Kreistag gerade beschlossen, das bereits vorhandene Familienbüro (eine Vollzeitstelle) zu erweitern und jeweils eine halbe Stelle in allen drei Kommunen vorzuhalten. Auch der Standort des neuen Familienbüros in Holzwickede steht schon fest, wie Katja Schuon auf Nachfrage bestätigt: Das Familienbüro wird die ehemaligen Räume des HSC-Points an der Hauptstraße beziehen. Das Familienbüro soll möglichst niedrigschwellige Anlaufstelle für junge Familien sein. Vornehmliche Aufgabe der hier eingesetzten Mitarbeiterin wird es sein, junge Familie mit Neugeborenen zu besuchen, um über Angebote und Hilfeleistungen des Jugendamtes zu informieren und sich als Erstkontakt vorzustellen.

Weitere nächste Schritte auf dem Weg zu einem Kommunalen Präventionskonzept sollen sein:

  • Schaffung eines gemeinsamen Präventionsverständnisses
  • Priorisierung des Handlungsbedarfs
  • Weitere Maßnahmenplanung
  • Anknüpfen an das bestehende Angebot

Umfangreiches präventives Angebot

Was im Kreis Unna bislang schon an Angeboten im präventiven Bereich existiert, kann sich sehen lassen und ließ auch die Ausschussmitglieder staunen:

  • Schwangerschaftsberatung  
  • FamoS (Familienorientierter Start: Unterstützung und Beratung vor und nach der Geburt)
  • Neugeborenenbesuchsdienst
  • Familienhebammen und -sprechstunde
  • Wellcome – Unterstützung nach der Geburt
  • Konzept „Sicher gebunden“
  • Elternbildungsangebote und -cafés in den Familienzentren
  • Elternstart NRW
  • Verschiedene Beratungen, z.B. ASD, Psychologische Beratung, Frauenforum, Kinderschutzbund, Beratungen psychisch Kranker und Suchtkranker
  • Bundesstiftung Mutter und Kind. Bildung und teilhabe, Tafel
  • Frühförderung, heilpädagogische Praxen, Mototherapie, Lebenszentrum
  • Elternschule, z.B. Rückbildungskurse, Schreibberatung
  • Spiel- und Krabbelgruppen
  • Ärzte
  • Gemeindebibliothek
  • Integrationsarbeit, z.B. mit dem Kommunalen Integrationszentrum oder über Ehrenamtler
  • Angebote der Kinder- und Jugendforderung, z.B. über den Treffpunkt Villa
  • Alltagsintegrierte Sprachbildung in der Kindertagesbetreuung
  • präventiver Ansatz in der Kinder- und Jugendhilfe, z.B. Frühe Hilfen, Erweiterung des Familienbüros
  • öffentlicher Gesundheitsdienst, z.B. Schuleingangsuntersuchung oder Zahngesundheit
  • Dienstleistungszentrum Bildung und Regionales Bildungsbüro, z.B. Übergang Kita-Schule
  • Kommunales Integrationszentrum. z.B. Eltern- und Sprachbildungsprogramme
  • Angebote des Jobcenters bis hin zu gemeinsamen Fallkonferenzen
  • Aufbau eigenständiger (freier) Jugendpolitik

Vor dem Hintergrund dieses bereits geschaffenen Angebotes sieht die Jugendamtsleiterin es etwas als kontraproduktiv an, würde sich die Gemeinde in das Projekt „Kinderfreundliche Kommune“ einsteigen. „Wir haben ja schon etwas aufgebaut und sind da eigentlich schon weiter“, so Katja Schuon.

Lücken sollen geschlossen werden

Bernd Kasischke, Holzwickedes Beigeordneter, sieht es ähnlich. Der verwies darauf, dass es in Holzwickede seit 2008 bereits ein Netzwerk aller Beteiligten (Frühe Hilfen und Kinderschutz) gibt. Das Kommunale Präventionskonzept sei nun eine Pflichtaufgabe. „Insofern ist es keine Frage, ob wir ein solches Konzept erstellen. Es geht nur darum, wie wir es erstellen und wieviel Geld wir da reinstecken wollen.“

Lücken und Bedarf besteht nach Darstellung des Kreises in der emotionalen und sozialen Entwicklung im Vorschulalter bei Kindern aus besonders belasteten Familien, bestehende Angebote der Elternbildung werden zu wenig genutzt, im Ausbau und in der Absicherung bestehender Angebote (z.B. Sprachförderung, Frühförderung, Übergangsprotokoll oder Neugeborenenbesuchsdienste) und in den Informationsmöglichkeiten für Fachkräfte in Bezug auf die Angebote. Außerdem fehlt es an Lotsen zu den Angeboten. Die Versorgungsstruktur für den Zugang zum Aufbau frühkindlicher Bindung, Kindergesundheit, besonders bei psychischer Erkrankung, Alkoholmissbrauch und Schütteln müsste intensiviert werden. Ärzte (Gynäkologen und Kinderärzte) sollten in das Vorsorgenetzwerk eingebunden werden. Schließlich ist die Begleitung besonders belasteter Jugendlicher im Übergang von Schule/Beruf nur lückenhaft. Die beteiligten Institutionen sind nur unzureichend vernetzt.

Der Fachausschuss nahm den Bericht der beiden Kreis-Mitarbeiterinnen über die Inhalte und Ziel des zu erarbeitenden Präventionskonzepts zur Kenntnis.  

AfJFSG


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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