Kita-Neubau auf Festplatz: Anwohner kritisieren Planung mit der Brechstange

Etwa 50 bis 60 Anwohner waren zur Bürgeranhörung heute ins Rathaus gekommen: Sie machten mehrheitlich ihrer Verärgerung über die Standortwahl für den neuen Kindergarten auf dem Festplatz Luft. (Foto: P. Gräber - Emscherblog.de)

Etwa 50 bis 60 Anwohner waren zur Bür­ger­an­hö­rung heute ins Rat­haus gekommen: Sie machten mehr­heit­lich ihrer Ver­är­ge­rung über die Stand­ort­wahl für den neuen Kin­der­garten auf dem Fest­platz Luft. (Foto: P. Gräber – Emscherblog.de)

Die Gemeinde hatte heute Abend ins Rat­haus zur Bür­ger­an­hö­rung ein­ge­laden. Formal ging es um die Ände­rung des Bebau­ungs­planes Mitte, die not­wendig ist, weil die Gemeinde im süd­li­chen Bereich des Fest­platzes einen vier­zü­gigen Kin­der­garten errichten lassen will. Träger wird die Arbei­ter­wohl­fahrt (AWO, gebaut wird das zwei­ge­schos­sige Gebäude von der Unnaer Kreis- Bau- und Sied­lungs­ge­sell­schaft (UKBS). Etwa 50 bis 60 Bürger und einige Lokal­po­li­tiker hatten den Weg ins große Sit­zungs­zimmer des Rat­hauses gefunden und ließen kein gutes Haar an der Pla­nung der Gemeinde.

Kaum hatte Bür­ger­mei­sterin Ulrike Drossel die Anwe­senden begrüßt und Martin Bauer vom Büro Plan­qua­drat die geplanten Ände­rungen des Bau­rechts vor­ge­stellt, wurde deut­lich: Ein­ver­nehm­lich, wie stets von der Ver­wal­tung behauptet, ist die Pla­nung für die Kita auch nach der nun­mehr vierten Über­ar­bei­tung ganz und nicht. Die Anlieger sind längst nicht ein­ver­standen damit und werfen der Gemeinde vor, die Kin­der­garten-Pla­nung auf dem Fest­platz nach dem Motto „Augen zu und durch“ mit der Brech­stange umsetzen zu wollen.

Mit teils sehr fun­dierten Ein­wen­dungen, teils aber auch mit Argu­menten, die an den Haaren her­bei­ge­zogen waren, wandten sich die Anlieger gegen das Kita-Pro­jekt vor ihren Haus­türen und Bal­konen.

Elf Seiten mit Einwänden

In einer elf­sei­tigen gemein­samen Stel­lung­nahme der Ehe­leute Klein­jo­hann und Ger­lings trugen etwa Rein­hard und Ange­lika Ger­lings ihre Bedenken vor, warum der Fest­platz als Standort für den geplanten Kin­der­garten „die schlech­teste Stand­ort­wahl“ ist. Aus­drück­lich betonen die Ein­wender, dass sie sich nicht etwa gegen eine Geräusch­ku­lisse wehren und auch den Bau einer Kita aus­drück­lich befür­worten. Viel­mehr gehe es Ihnen um ekla­tante Pla­nungs­fehler und -mängel am aktu­ellen Standort, der „leider unge­eignet“ sei. „Allein schon die Tat­sache, dass für die Fin­dung einer Zufahrt zuvor drei ver­geb­liche Anläufe unter­nommen wurde, zeigt, mit wel­cher Ver­zweif­lung die Gemeinde ver­sucht, diesen Standort trotz aller Wid­rig­keiten durch­zu­setzen“, heißt es in ihrer Stel­lung­nahme zur Ver­kehrs­er­schlie­ßung.

Die Ände­rung des Bebau­ungs­planes und das Kita-Bau­vor­haben ver­än­dere zudem das pla­ne­ri­sche Grund­kon­zept des Fest­platzes, argu­men­tieren sie weiter. Der Fest­platz sei als Raum für Frei­zeit­ge­stal­tung, Erho­lung und Ent­span­nung aus­ge­wiesen. Eine Abwei­chung von dieser Fest­set­zung laufe dem pla­ne­ri­schen Grund­kon­zept zuwider. Der geplante Kin­der­garten sei auf dem Fest­platz völlig deplatz­iert. Die Kinder seien den nega­tiven Seiten der Festi­vi­täten aus­ge­setzt. Bis in die Nacht werden alko­ho­li­sche Getränke aus­ge­schenkt.

Die Gastro­nomie hin­ter­lasse Müll, der sich in der geplanten Hol- und Bring­zone und in der Bedarfs­zu­fahrt wie­der­findet. Der Lärm des Schüt­zen­fe­stes und ins­be­son­dere der Auto­scooter sei schon für die Anwohner schwer zu ertragen, für die Kinder, die dem Freitag nach­mit­tags (Senio­ren­emp­fang) und den ganzen Montag aus­ge­setzt würden, sei es eine „gesund­heit­liche Zumu­tung“.

Zudem könnten in der Gemein­de­mitte nur auf dem Platz von Lou­viers Ret­tungs­hub­schrauber landen. Für Klein­kinder könnte das Getöse eines lan­denden und star­tenden Hub­schrau­bers nach­hal­tige Folgen haben.

Festplatz als Standort „leider ungeeignet“

Aber auch die eigent­liche Pla­nung des Bau­kör­pers, soweit sie über­haupt schon vor­liegt, sei „man­gel­haft und gar nicht unter­sucht sowie nicht zu Ende gedacht“, kri­ti­sieren die Anwohner. Der 40 Jahre alte Baum­be­stand, der angeb­lich erhalten werden soll, „wird nicht zu erhalten sein“, sagt Rein­hard Ger­lings voraus: „Der Platz fehlt dafür. Oder der ganze Bau­körper müsste 6,5 Meter nach Westen ver­schoben werden.“ Auch ein Frei­schneiden der Kronen werde nicht funk­tio­nieren.

Was die Anwohner etwa dem Vor­sit­zenden des Pla­nungs- und Bau­aus­schusses, Wil­fried Brink­mann, vor­werfen: Brink­mann klage selbst gegen die Ost­um­ge­hung, weil die Trasse an seinem Grund­stück vor­bei­führt, so Rein­hard Ger­lings: „Aber uns wollen Sie in nur 14 Meter Abstand eine dunkle Klin­ker­wand vor die Nase setzen.“

Glauben Sie ernst­haft, dass sich mün­dige Bürger so etwas klaglos gefallen lassen werden?“

Frage von Ange­lika Ger­lings, Anwoh­nerin, an die Ver­wal­tungs­spitze

Aber auch Über­bauung der Ver­sor­gungs­lei­tungen und Kana­li­sa­tion unter dem Fest­platz berge ein „erheb­li­ches finan­zi­elles Risiko“ für die Gemeinde. Einem Kanal als Vor­sichts­maß­nahme für eine Über­bauung einen Inliner ein­zu­ziehen sei „fach­lich falsch und wird nicht funk­tio­nieren“.

Glauben Sie ernst­haft, dass sich mün­dige Bürger so etwas klaglos gefallen lassen werden?“, fragte Ange­lika Ger­lings Rich­tung Ver­wal­tungs­spitze zum Abschluss ihrer Stel­lung­nahme.

Auch Hol- und Bring-Zone in der Kritik

Für viele Anwohner ein Knackpunkt: Ausgerechnet in diesem unübersichtlichen Bereich der Hamburger Allee sollen die beiden Zufahrten der Hol- und Bringzone liegen. (Foto: P. Gräber - Emscherblog.de)

Für viele Anwohner ein Knack­punkt: Aus­ge­rechnet in diesem unüber­sicht­li­chen Bereich der Ham­burger Allee sollen die beiden Zufahrten der Hol- und Bring­zone (linke Seite) liegen. (Foto: P. Gräber – Emscherblog.de)

Ins­be­son­dere auch die geplante Hol- und Bring­zone im öst­li­chen Bereich des Fest­platzes stößt bei vielen Anwoh­nern auf Ableh­nung: Die beiden Zufahrten liegen genau in einem unüber­sicht­li­chen und schlecht ein­seh­baren Kur­ven­be­reich der Ham­burger Allee. Hier werde unnötig ein Gefah­ren­be­reich her­auf­be­schworen, fürchten die Anwohner. Zudem sei die Zufahrt für Müll­fahr­zeuge, den Paket­dienste oder ambu­lante Dienste nicht mehr gewähr­lei­stet, wenn die Bedarfs­zu­fahrt wie geplant abge­pol­lert wird, so die Sorge der Anwohner.

Denken Sie bitte auch an die Kinder, die unsere Zukunft sind und künftig unsere Renten zahlen.“

Bitte einer berufs­tä­tigen Mutter

Doch auch besorgte Eltern, deren Kinder in den als Über­gangs­lö­sung an der Rausinger Halle auf­ge­stellten Con­tai­nern betreut werden, mel­deten sich zu Wort: Sie erin­nerten daran, dass dies wirk­lich nur eine Not­lö­sung dar­stellt und sie drin­gend auf den neuen Kin­der­garten ange­wiesen sind, um ihre Kinder dort unter­bringen zu können. „Denken Sie bitte auch an die Kinder, die unsere Zukunft sind und künftig unsere Renten zahlen“, mahnte etwa eine Mutter.

Für Gemeinde ist aktuelle Planung „beste Lösung“

Für die Gemeinde erläu­terte der 1. Bei­geord­nete, Bernd Kasischke, abschlie­ßend den Stand des Ver­fah­rens: Es gehe jetzt ledig­lich noch um die Ände­rung des Bebau­ungs­planes. Diese sei noch nicht beschlossen. Dazu werden die Plan­un­ter­lagen in den näch­sten Tagen im Fach­be­reich öffent­lich aus­ge­legt. Dann können die Bürger auch noch, soweit noch nicht geschehen, wei­tere Ein­wen­dungen gel­tend machen. Der Bei­geord­nete ver­sprach, dass man sich mit allen Ein­wänden, auch den heute vor­ge­tra­genen, ernst­haft aus­ein­an­der­setzen wird.

Der Bei­geord­nete machte aber auch deut­lich: „Es geht hier nicht mehr um die Stand­ort­wahl, die ist end­gültig gelaufen. Da muss ich Sie ent­täu­schen. Was wir noch tun können ist, durch ver­nünf­tige Ände­rung die Folgen milden. Und da sind wir auf einem guten Weg. “ Der neue Kin­der­garten gehöre in die Gemein­de­mitte. „Wir halten die vor­ge­stellte Pla­nung mit der Hol- und Bring­zone für die beste Lösung mit den geringst­mög­li­chen Ein­griffen für das Umfeld“, betont Kasischke: Der Ver­kehr werde nicht über den ganzen Platz geführt und der Ver­kehrs­lärm auf die west­liche Seite an der Ham­burger Allee kon­zen­triert. Auch das Über­fahren der Abwas­ser­rohre und das Landen der Ret­tungs­hub­schrauber auf dem Fest­platz seien als Pro­bleme „nach Ansicht unserer Experten vom Tisch“.

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