er Bürgerblock hatte am Montagabend in die alte Scheune auf Haus Opherdicke eingeladen, um unter Coronabedingungen über die Einrichtung eines Bürgerbussystems zu informieren. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)

Info-Abend zum Bürgerbus in Opherdicke: Wichtigster Treibstoff ist der Bürgerwille

er Bürgerblock hatte am Montagabend in die alte Scheune auf Haus Opherdicke eingeladen, um unter Coronabedingungen über  die Einrichtung eines Bürgerbussystems zu informieren. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Der Bür­ger­block hatte am Diens­tag­abend in die alte Scheune auf Haus Opher­dicke ein­ge­laden, um unter Coro­nabe­din­gungen über die Ein­rich­tung eines Bür­ger­bus­sy­stems zu infor­mieren. (Foto: P. Gräber – Emscher­blog)

Nicht wenige Holzwickeder, vor allem in den Orts­teilen, wün­schen sich einen Bür­gerbus. Seit gestern Abend ist man der Rea­li­sie­rung dieses Wun­sches ein kleines Stück­chen näher gekommen. Der Holzwickeder Bür­ger­block hatte am Diens­tag­abend in die Scheune von Haus Opher­dicke ein­ge­laden, um über ein mög­li­ches Bür­ger­bus­an­gebot zu infor­mieren und zu dis­ku­tieren. Erklärtes Ziel der Ein­lader war es, das Thema Bür­gerbus aus der Politik in die Bür­ger­schaft zu tragen und mög­lichst kon­kret die Bereit­schaft zu ehren­amt­li­chem Enga­ge­ment abzu­klopfen.

Letz­teres scheint gelungen: Immerhin zwölf der Besu­cher erklärten am Ende der Ver­an­stal­tung ihre Bereit­schaft, in einem Arbeits­kreis wei­tere not­wen­dige Schritte auf dem Weg zum Bür­ger­bus­sy­stem vor­zu­be­reiten. 

Mit von der Partie waren am Diens­tag­abend auch der 1. Vor­sit­zende des Trä­ger­ver­eins Bür­gerbus Fröndenberg/​Ruhr e.V., Jochen Ober­schelp, sowie der Geschäfts­führer des Ver­eins, Lothar Susen. Beide berich­teten über ihre Erfah­rungen mit dem schon 22 Jahre alten Bür­ger­bus­sy­stem in Frön­den­berg und beant­wor­teten auch die Fragen der etwa drei Dut­zend inter­es­sierten Zuhörer.

Fördermittel vom Land in Aussicht

Mode­riert wurde die Ver­an­stal­tung von Frank Nie­haus, Spre­cher des Bür­ger­blocks im Ver­kehrs­aus­schuss. Bekannt­lich hatte der Bür­ger­block im Dezember vorigen Jahres die Ver­wal­tung beauf­tragt, ein Kon­zept für die wei­tere Pla­nung eines Bür­ger­busses vor­zu­legen. Wich­tig­stes Ziel eines sol­chen Ange­botes in Holzwickede ist für den Bür­ger­block die Anbin­dung der Orts­teile Hengsen und Opher­dicke an die Orts­mitte. Denn schon seit vielen Jahren ist die mise­rable Nah­ver­kehrs­an­bin­dung der Orts­teile an die Gemeinde ein Pro­blem, wie Orts­vor­ste­herin Petra Kittl im Laufe des Abends noch betonen sollte. „Vor allem ältere Bürger können des­halb prak­tisch nicht mehr an Ver­an­stal­tungen in der Orts­mitte teil­nehmen, weil ein­fach kein Bus fährt.“ 

So wün­schens­wert er auch wäre: „Ein Bür­gerbus hat nur eine Chance, wenn sich mög­lichst viele Bür­ge­rinnen und Bürger in Holzwickede ehr­amt­lich enga­gieren“, betonte Frank Nie­haus zum Auf­takt der Ver­an­stal­tung. Denn auch wenn die Ver­wal­tung für eine kon­ti­nu­ier­liche Geschäfts­füh­rung sorgen und moti­vie­rend und bera­tend zur Seite stehen würde, ist die Grün­dung eines Ver­eins uner­läss­lich. Von aus­rei­chend vor­han­denen moti­vierten Fah­re­rinnen und Fah­rern des Bür­ger­busses ganz zu schweigen.

Wenn wir uns ent­scheiden für einen Bür­gerbus, unter­stützt uns das Land NRW auch bei der Anschaf­fung des Fahr­zeuges sowie mit einer jähr­lich Pau­schale von 6.500 bis 7.500 Euro für die Orga­ni­sa­tion“, erläu­terte Frank Nie­haus den Anwe­senden.

Holzwickedes Wirt­schafts­för­derer und Nah­ver­kehrs­ex­perte Stefan Thiel machte deut­lich, was noch alles Vor­aus­set­zung für das Bür­ger­bus­sy­stem ist. So müsste gemeinsam mit der Ver­kehrs­ge­sell­schaft Kreis Unna (VKU) zunächst ein soge­nanntes Defi­zit­ge­biet defi­niert werden, ein Gebiet, das inner­halb des Ver­sor­gungs­ge­bietes der VKU unter­ver­sorgt ist. Und natür­lich müsste vorab eine Linie für den Bür­gerbus fest­ge­legt werden. 

Trotz aller zu erwar­tender Zuschüssen muss auch davon aus­ge­gangen werden, dass der Bür­gerbus rote Zahlen schreiben wird. Der Gemein­derat müsste des­halb auch vorab beschließen, dass ein mög­li­ches Defizit von der Gemeinde über­nommen wird.

Mitglieder vom Bürgerbus-Verein Fröndenberg zu Gast

Wie Jochen Ober­schelp berich­tete, fährt der Bür­gerbus in Frön­den­berg seine fest­ge­legte Route, wobei die ehren­amt­li­chen Fahrer jeweils drei Stunden im Ein­satz sind. Gefahren wird auf der fest­ge­legten Linie im Zwei-Stunden-Takt in der Runde. Aller­dings hält der Bür­gerbus auf Wunsch auch zwi­schen den Hal­te­stellen, wenn Fahr­gäste dort stehen oder aus­steigen wollen. Zusätz­lich fallen sams­tags Stadt­rund­fahrten sowie neu­er­dings Fahrten mit dem Kul­turbus zu Ver­an­stal­tungen nach und von Haus Opher­dicke an.

Die Lini­en­füh­rung ist nicht ganz unpro­ble­ma­tisch“, warnt der Vor­sit­zende des Frön­den­berger Trä­ger­ver­eins. „Da muss man sich schon sehr genau mit der VKU und der Bezirks­re­gie­rung abstimmen. Wir hatten damals keine Pro­bleme. West­fa­lenbus hatte uns von Anfang an ein­be­zogen. Aller­dings gab es dann zunächst einen Vor­schlag, mit dem wir über­haupt nicht ein­ver­standen waren. Schließ­lich ist West­fa­lenbus aber auf uns ein­ge­gangen und hat die Linie nochmal geän­dert.“ Aber auch danach sei noch einiges Aus­pro­bieren nötig gewesen, bevor die end­gül­tige Lini­en­füh­rung gefunden wurde.

Die ist übri­gens seit 20 Jahren unver­än­dert sehr erfolg­reich: Der Frön­den­berger Bür­gerbus trans­por­tiert etwa 15- bis 18.000 Fahr­gäste jähr­lich und ist damit gut aus­ge­la­stet. Die Corona-Pan­demie sorgte für stark rück­läu­fige Fahr­gast­zahlen. „Bis Juni konnten wir gar nicht fahren“, so Ober­schelp. Inzwi­schen hat der Frön­den­berger Bür­gerbus aber schon wieder 60 Pro­zent der alten Aus­la­stung erreicht.

Informierten und beantworteten die Fragen der Bürger, v.li.: Frank Niehaus (BBL), Jochen Oberschelp (Vorsitzender des Trägervereins für den Bürgerbus Fröndenberg), Stefan Thiel (Gemeinde Holzwickede) und Lothar Susen (Geschäftsführer Trägerverein). (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Infor­mierten und beant­wor­teten die Fragen der Bürger, v.li.: Frank Nie­haus (BBL), Jochen Ober­schelp (Vor­sit­zender des Trä­ger­ver­eins für den Bür­gerbus Frön­den­berg), Stefan Thiel (Gemeinde Holzwickede) und Lothar Susen (Geschäfts­führer Trä­ger­verein). (Foto: P. Gräber – Emscher­blog)

Fahrpreis letztlich Verhandlungssache

In Frön­den­berg beträgt der Ein­heits­preis 1,80 Euro, egal wie weit oder wohin gefahren wird. Akzep­tiert werden in Frön­den­berg alle Tickets vom Scho­ko­ticket bis zu Flash­ticket u.a. Es gibt auch eigene Monats- und Zeh­ner­karten für den Bür­gerbus in der Nach­bar­stadt. Bei diesem Fahr­preis, so Jochen Ober­schelp schmun­zelnd, unter­nehmen viele ältere Frön­den­berger gerne öfters einmal drei­stün­dige Sight­seeing-Touren durch die Ruhr­stadt. Vor allem, weil sie unter­wegs auch nett mit dem Fahrer plau­dern können.

Aller­dings: Dass der Bür­gerbus in Frön­den­berg zu diesem Son­der­tarif fahren darf, führt der Trä­ger­ver­eins­vor­sit­zende auf das aus­ge­zeich­nete Ver­hältnis des Trä­ger­ver­eins zum Ver­kehrs­träger West­fa­lenbus zurück. „Bei uns hat der Trä­ger­verein den Fahr­preis fest­ge­legt.“ In Bönen schreibt die VKU dem Bür­gerbus den eigenen nor­malen Beför­de­rungs­preis vor. In vielen anderen Kom­munen bestehen die Ver­kehrs­träger eben­falls auf Tarif­preise. Dass unter diesen Umständen der Bür­gerbus in Holzwickede nicht ins Rollen käme, befürch­teten gleich meh­rere Anwe­sende gestern Abend. Hier sollte massiv auf die VKU ein­ge­wirkt werden, so etwa hein­rich Schlink­mann. „Es kommt ganz darauf an, wel­chen Kon­takt Sie zur VKU haben und auf etwas Fin­ger­spit­zen­ge­fühl“, glaubt Jochen Ober­schelp. Er emp­fiehlt. „Sie müssen eben besser ver­han­deln als die Bönener. Aber dass traue ich ihrem Herrn Thiel und der Bür­ger­mei­sterin durchaus zu.“

Auf Nach­frage erläu­terten die Frön­den­berger: In der Ruhr­stadt sind aktuell 25 Fah­re­rinnen und Fahrer ehren­amt­lich im Ein­satz. Aller­dings fährt der Bür­gerbus dort auch 45 Stunden pro Woche. Die Alters­struktur der Fahrer liegt zwi­schen 58 und 80 Jahren. „Wir emp­fehlen aber Mit­glie­dern, auch wenn es ihnen noch so viel Spaß macht, dass sie ab 80 Jahren über­legen sollten, wie sie sich anders im Verein ein­bringen können“, so Ober­schelp diplo­ma­tisch.

Eine beson­derer Per­so­nen­be­för­de­rungs­schein ist wegen der Größe des Bür­ger­busses (sechs Plätze) nicht erfor­der­lich, vor­aus­ge­setzt der Bus wird als Pkw ange­meldet. Aller­dings: Wenn alle Sitz­plätze in dem Mer­cedes Sprinter belegt sind, darf/​kann auch nie­mand zusätz­lich beför­dert werden. Steh­plätze gibt es nicht. Min­dest­alter für Fahrer: 21 Jahre

Der Ver­eins­bei­trag im Jahr beträgt 15 Euro. Der­zeit hat der Trä­ger­verein in Frön­den­berg etwa 80 Mit­glieder.

Zwölf Bürger wollen in Arbeitskreis mitarbeiten

Ein sehr großer Vor­teil des Bür­ger­busses, so Jochen Ober­schelp auf Nach­frage, sei die Behilf­lich­keit: „Das ist ja gerade, was den Bür­gerbus aus­zeichnet. Unsere Fahrer helfen immer, wenn es nötig ist und haben auch die Zeit dafür.“

Gegen Ende der Ver­an­stal­tung trugen sich immerhin zwölf Per­sonen in eine Liste ein, die nun in einem Arbeits­kreis wei­tere Schritte hin zu einem Bür­ger­bus­sy­stem vor­be­reiten wollen. „Das ist schon recht gut“, freute sich Michael Laux, Frak­ti­ons­vor­sit­zender des Bür­ger­blocks. „Wir hatten uns ja vorher von dieser Ver­an­stal­tung erhofft, dass sich einige Men­schen finden, die sich weiter mit dem Thema aus­ein­an­der­setzen wollen.“ Des­halb zieht der Bür­ger­block-Chef auch ein posi­tives Fazit des gest­rigen Abends. „Knack­punkt ist natür­lich der künf­tige Fahr­preis. Da müssen wir sehen. Aber unsere Ver­wal­tung hat auch ein ganz gutes Netz­werk zur VKU.“ 

Und auch Stefan Thiel von der Gemein­de­ver­wal­tung zeigte sich zufrieden. „Das ist doch eine gute Zahl. Die Bereit­schaft der Bürger, sich ehren­amt­lich zu enga­gieren, ist Grund­vor­aus­set­zung für den Bür­gerbus.“ Thiel kün­digte an, in einem näch­sten Schritt jetzt Kon­takt mit der VKU auf­nehmen zu wollen.

Bürgerbus


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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