Glimpfliches Urteil für überforderten Firmenchef

Mit einer Geld­stra­fe „zur Bewäh­rung“ aus­ge­setzt kam gestern vor dem Amts­ge­richt in Unna ein 49-jäh­ri­ger bri­ti­scher Staats­an­ge­hö­ri­ger aus Holzwicke­de davon. Der in Holzwicke­de woh­nen­de ehe­ma­li­ge Sol­dat hat­te von August 2011 bis Sep­tem­ber 2012 als Selbst­stän­di­ger für sei­ne Mit­ar­bei­ter in ins­ge­samt 17 Fäl­len kei­ne Sozi­al­ab­ga­ben an die Kran­ken­ver­si­che­run­gen abge­führt.

Reu­ig und sicht­lich betrof­fen zeig­te sich der Ange­klag­te gestern vor Gericht: Als der Hand­wer­ker sei­ner­zeit die Chan­ce gese­hen hat­te, sich selbst­stän­dig zu machen, ergriff er die Chan­ce und mach­te einen „Lebens­traum wahr“, wie er sag­te. Anfangs lie­fen die Geschäf­te sei­ner klei­nen Regal­bau­fir­ma in Holzwicke­de auch recht gut. Der Holzwicke­der beschäf­tig­te zuletzt drei Mit­ar­bei­ter und wei­te­re Teil­zeit­kräf­te in sei­nem klei­nen Hand­werks­be­trieb. Doch schon bald lie­fen die Geschäf­te schlech­ter.

Fleißig, aber mit Buchhaltung überfordert 

Vor allem aber ver­lor der 49-Jäh­ri­ge zuse­hends den Über­blick über sei­ne Buch­hal­tung, wie er gestern ein­räum­te. Der Ange­klag­te zeig­te sich zwar flei­ßig, doch war er kauf­män­nisch über­for­dert und auch die Geschäf­te lie­fen immer schlech­ter. Neben Alt-Kre­di­ten häuf­te der 49-Jäh­ri­ge Steu­er­schul­den und wei­te­re Ver­bind­lich­kei­ten an. Schließ­lich muss­te er mit einem Schul­den­berg von rund 100.000 Euro Insol­venz anmel­den. Seit­dem müs­sen er und sei­ne Ehe­frau mit einem Net­to-Ein­kom­men von 1.500 Euro aus­kom­men und die­se enor­me Schul­den­last mit 65 Euro monat­lich abstot­tern – ein nahe­zu aus­sicht­lo­sen Unter­fan­gen.

Wohl auch aus die­sem Grund wur­de die Geld­stra­fe von 75 Tages­sät­zen a‘ 20 Euro gestern von Rich­ter Hücht­mann unter Straf­vor­be­halt gestellt. Das heißt: Wird der Holzwicke­der nicht wie­der straf­fäl­lig, muss er die Geld­stra­fe nicht zah­len. Ganz ein­stel­len woll­te die Staats­an­walt­schaft das Ver­fah­ren nicht. Immer­hin han­delt es sich bei der Vor­ent­hal­tung von Arbeits­ent­gelt um einen Straf­tat­be­stand.  Zugu­te hielt Rich­ter Hücht­mann dem Ange­klag­ten aber, dass er selbst die Not­brem­se gezo­gen und Insol­venz ange­mel­det hat­te. Außer­dem ver­su­che er im Rah­men sei­ner Mög­lich­kei­ten nach wie vor alles, um den Scha­den wie­der gut zu machen. Inwi­schen ist der Holzwicke­der bei einem sei­ner ehe­ma­li­gen Mit­ar­bei­ter beschäf­tigt und hat die Nase voll von der Selbst­stän­dig­keit. „Nie wie­der!“, wie er in sei­nem Schluss­wort gestern ver­si­cher­te.

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visage

Dipl.-Journalist

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