Je oller, je doller: Richter droht 86-jähriger Angeklagten Ordnungsgeld an

JustitiaEs kann der Frömmste nicht in Frieden leben… Ein laut­starker Nach­bar­schafts­streit fand gestern seine Fort­set­zung vor dem Amts­ge­richt in Unna – ob der Kon­flikt aller­dings mit dem Urteils­spruch beendet ist, darf bezwei­felt werden: Auf der Ankla­ge­bank fand sich die 86-jäh­rige Emma K. aus Holzwickede wegen Belei­di­gung wieder. Im Streit um einen Park­platz im Frank­furter Weg soll die betagte ältere Damen ihre 64-jäh­rige Nach­barin, eine Sozi­al­ar­bei­terin aus dem ehe­ma­ligen Jugo­sla­wien, wenig damen­haft beschimpft haben: „Euch Scheiß-Jugos sollte man alle nach Hause schicken. Solche Leute brau­chen wir hier nicht!“ Pikan­ter­weise ist die rabiate 86-jäh­rige selbst vor Jahren aus Russ­land nach Deutsch­land ein­ge­wan­dert.

Nach­bar­schafts­streit um Park­platz

Wie das 64-jäh­rige mut­maß­liche Opfer ihrer Ver­bal­at­tacke gestern als Zeugin aus­sagte, habe sie an jenem heißen 23.Juli diesen Jahres ledig­lich ihre schweren Ein­kaufs­ta­schen aus dem Kof­fer­raum holen wollen, als die 86-Jäh­rige wie eine Furie auf sie los­ge­schossen sei und sie wüst beschimpft habe. Richter Ganseuer und alle wei­teren Anwe­senden hatten bei der Ver­neh­mung der Zeugin einige Mühe den Sach­ver­halt zu ergründen: Nicht nur, weil die seit vielen Jahren in Holzwickede lebende Zeugin vor lauter Auf­re­gung immer unver­ständ­li­cher radeb­rechte. Auch die 86-jäh­rige Ange­klagte mischte sich immer wieder in die Befra­gung ein und war selbst durch Andro­hung eines Ord­nungs­geldes durch den Richter kaum in ihrem Rede­fluss zu bremsen. Dass sich die Ver­hand­lung teils in enormer Laut­stärke abspielte, war dabei nicht allein der Schwer­hö­rig­keit der älteren Ange­klagten geschuldet.

Zwar wurde durch die Aus­sage der 64-jäh­rigen Zeugin deut­lich, dass es an jenem Julitag heiß her gegangen sein und der Vor­fall sie ziem­lich mit­ge­nommen haben muss. Zumal sich auch der Ehe­mann der 86-Jäh­rigen noch ein­mischte. Unklar blieb aller­dings, ob die 86-Jäh­rige die frem­den­feind­liche Belei­di­gung aus­ge­stoßen hat oder ihr Ehe­mann. Da die Ange­klagte vehe­ment bestritt, die frag­liche Äuße­rung getan zu haben und auch die 64-Jäh­rige sich nicht mehr an den genauen Wort­laut der derben Beschimp­fungen und ihre Urheber erin­nern konnte, ließ sich der Tat­vor­wurf der Belei­di­gung nicht ein­deutig nach­weisen. Sicht­lich irri­tiert vom wenig nach­bar­schaft­li­chen Ver­halten der streit­baren Senioren sprach Richter Ganseuer die 86-jäh­rige Ange­klagte frei. Die Kosten des Ver­fah­rens trägt die Lan­des­kasse.

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