Für manche Kinder werden Ferien erst mit Kinderglück e.V. richtig schön

In Zusammenarbeit mit dem KreisSportbund unterstützt Kinderglück e.V. auch Freizeiten im Sportcamp in Hachen/Sauerland. (Foto: Kinderglück e.V.)
Es muss nicht immer das Aus­land sein: In Zusam­men­ar­beit mit Part­nern wie den Falken oder dem Kreis­Sport­bund Unna unter­stützt Kin­der­glück e.V. auch Frei­zeiten für Kinder und Jugend­liche in hei­mi­schen Regionen, etwa im Sport­camp in Hachen/​Sauerland. (Foto: Kin­der­glück e.V.)

Die mei­sten Men­schen in Holzwickede und dem Kreis Unna ver­binden mit dem Verein Kin­der­glück e.V. die Ver­tei­lung von Schul­ranzen an bedürf­tige Kinder. Das Schul­ranzen-Pro­jekt ist in der Tat beein­druckend: Sechs ganze Lkw-Ladungen mit rund 1.800 hoch­wer­tigen Schul­ranzen im Wert von rd. 450.000 Euro stellte das ehren­amt­liche Hel­fer­team des Ver­eins dabei im Vor­monat in der Kin­der­glück-Halle in Holzwickede für bedürf­tige Kinder bereit. Tat­säch­lich ist das bun­des­weit größte Schul­ranzen-Pro­jekt aber nicht das größte Pro­jekt des Ver­eins, der sich aus­schließ­lich aus pri­vaten Mit­teln und Spenden finan­ziert. Ein noch grö­ßeres und älteres Pro­jekt von Kin­der­glück e.V. sind die Feri­en­pa­ten­schaften für Kinder und Jugend­liche.

Kin­der­armut bedeutet auch an gesell­schaft­li­chen Akti­vi­täten nicht teil­nehmen zu können“, weiß Bernd Krispin, Gründer und Vor­sit­zender von Kin­der­glück e.V. „Kino, Zoo oder ein Feri­en­auf­ent­halt sind für viele Kinder uner­reich­bare Wün­sche. Einige dieser Kinder wachsen auf und haben noch nie das Meer oder die Berge gesehen. Hier sehen wir als Verein eine unserer Auf­gaben“, so der 62-jäh­rige weiter. „Es geht uns darum, Pro­bleme zu iden­ti­fi­zieren und nach­haltig zu ver­bes­sern. Diese Kinder und Jugend­li­chen haben ein Recht auf soziale Teil­habe und auch für ihre Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung sieht es Kin­der­glück e.V. als ganz wesent­lich an, ihnen einen Zugang zu Feri­en­frei­zeiten zu eröffnen.“

Ausflüge und Ferienaufenthalte für rd. 500 Kinder im Jahr

Für mdie Kinder immer ein tolles Erlebnis: ein besuch im Fußballmuseum in Dortmund oder Tagesauflüge zu anderen Attraktionen. (Foto: Kinderglück e.V.)
Für die Kinder immer ein tolles Erlebnis: der Besuch im DFB-Fuß­ball­mu­seum in Dort­mund oder Tages­auflüge zu anderen Attrak­tionen. (Foto: Kin­der­glück e.V.)

Jedes Jahr ermög­licht der Verein so rund 500 Kin­dern und Jugend­li­chen Tages­aus­flüge bei­spiels­weise in den Zoo, in ein Museum oder auch zu einem BVB-Heim­spiel. Dar­über hinaus über­nimmt Kin­der­glück e.V. mehr­wö­chige Feri­en­auf­ent­halte an der See oder in den Bergen. Oft­mals stellen Sozi­al­ar­beiter oder Jugend­hil­fe­träger dabei Anträge für Kinder, die sich auf­grund von trau­ma­ti­schen fami­liären Situa­tionen in einer Betreuung befinden.

Anfangs wurden die mei­sten Pro­jekte noch von dem 62-jäh­rigen Unter­nehmer Bernd Krispin und seiner Frau Susanne privat finan­ziert. „Meine Frau und ich haben immer Glück im Leben gehabt. Wir können uns glück­lich schätzen, dass unsere eigenen drei Kinder gesund sind. Als uns das immer bewusster wurde, haben wir uns ent­schlossen, schwerst­kranken Kinder zu helfen“, erzählt Bernd Krispin. Er nahm Kon­takt zur Onko­logie der Kin­der­klinik in Dort­mund auf. „Das war vor 13 Jahren. Damals wusste ich noch nicht, wie viele schwerst­kranke Kinder es gibt und was es für die Familie bedeutet, ein sol­ches Kind zu haben“, meint der 62-Jäh­rige.

Heute weiß er: „Es gibt wohl nicht Schlim­meres. Die gesamte Familie wird durch ein schwerst­krankes Kind bela­stet. Damals hörte ich auch zum ersten Mal den Begriff Schat­ten­kinder. Das sind die Geschwi­ster­kinder, die ständig zu kurz kommen, weil sich ja in der Familie alles immer um das schwerst­kranke Kind dreht.“ Also begannen er und seine Frau Susanne damit, schöne Dinge für solche Schat­ten­kinder zu orga­ni­sieren.

Mit „Schattenkindern“ fing alles an

Gründer und Vorsitzender des Vereins Kinderglück e.V.: Bernd Krispin. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Gründer und Vor­sit­zender des Ver­eins Kin­der­glück e.V.: Bernd Krispin. (Foto: P. Gräber – Emscher­blog)

Der Gründer von Kin­der­glück e.V. erin­nert sich noch genau, wie vor neun Jahren dann das Pro­jekt Feri­en­pa­ten­schaften mit einem Hil­feruf begann: „Ich saß im Kin­der­schutz-Zen­trum Dort­mund mit dem Geschäfts­führer zusammen, als dieser plötz­lich zu mir sagte: ‚Wir haben hier ein elf­jäh­riges Mäd­chen, das von einem Nach­bars­jungen miss­braucht wurde. Dieses Mäd­chen müsste unbe­dingt mal zu Hause raus und mit anderen Kin­dern eine Feri­en­frei­zeit ver­bringen.‘“

Das Pro­blem: Eine gute Frei­zeit ist sehr teuer und war vom Kin­der­schutz-Zen­trum nicht zu finan­zieren. „Also haben wir gemeinsam über­legt, wie wir das machen können“, erin­nert sich Bernd Krispin. „Wir haben das Mäd­chen schließ­lich über die Dia­konie in ein See­fe­ri­en­heim auf Juist geschickt, mit dem wir auch heute noch zusam­men­ar­beiten. Die Ein­rich­tung gibt es schon seit vielen Jahren und dort wird gute Arbeit gelei­stet – wenn man es bezahlen kann“, meint Krispin. „Also haben wir das Mäd­chen dorthin geschickt. Schon nach wenigen Tagen hatte sich das Mäd­chen ganz ver­än­dert, wie es in dem Bericht des Kin­der­schutz-Zen­trums hieß, den wir später bekommen haben. Der Auf­ent­halt auf Juist hatte sich sehr positiv auf das Mäd­chen aus­ge­wirkt.“

Bernd Krispin fragte beim Kin­der­schutz-Zen­trum nach, ob es noch mehr Fälle wie das elf­jäh­rige Mäd­chen gebe. „Im ersten Jahr haben wir 14 Kinder ver­schickt und seitdem sind es von Jahr zu Jahr mehr Kinder geworden.“ 

Eigene Kinderglück-Finca auf Mallorca


Inzwi­schen gibt es sogar eine eigene Kin­der­glück-Finca auf der Insel Mal­lorca. Die Finca „Casa de los niñ felices“ ist ein ganz beson­deres Pro­jekt inner­halb der Feri­en­pa­ten­schaften und steht Kin­dern und Jugend­li­chen aus dem sta­tio­nären und ambu­lanten Bereich sowie Gruppen mit chro­nisch kranken Kin­dern kosten­frei zur Ver­fü­gung. Gemeinsam mit ihren Betreuern können diese Kinder und Jugend­li­chen dort eine beson­dere Aus­zeit von ihrem Alltag erleben, die sich nach­haltig auf ihre gei­stige und kör­per­liche Gesund­heit aus­wirkt.

Die Finca befindet sich in der Nähe der Klein­stadt San­tanyi und bietet Gruppen von bis zu 15 Per­sonen. Die Kinder und Jugend­li­chen werden aus­schließ­lich von ihnen bekannten Sozi­al­päd­agogen betreut. Rund 150 Kinder und Jugend­liche sind Jahr für Jahr auf der Finca zu Gast. Für die mei­sten von ihnen ist es der erste Urlaub in ihrem Leben mit einem Auf­ent­halt im Aus­land. Schon die Flug­reise allein ist ein großes Aben­teuer.

Die Kinderglück-Finca aus der Vogelperspektive. (Foto: Kinderglück e.V.
Die Kin­der­glück-Finca aus der Vogel­per­spek­tive. (Foto: Kin­der­glück e.V.

Die Flüge werden über die Jugend­hilfe finan­ziert, alles andere über­nimmt Kin­der­glück e.V. „Natür­lich ist Spen­dern so eine Reise nach Mal­lorca mit­unter schwer zu ver­mit­teln“, räumt Bernd Krispin ein. „Aber Sie können mir glauben: Dieser Auf­ent­halt ist so wichtig für die Kinder. Ich habe Jungs gesehen, die haben kein Wort gespro­chen, bevor sie auf die Insel gekommen sind. Nach ein paar Tagen dort waren die wie aus­ge­wech­selt.“

Neben den mehr­wö­chigen Frei­zeiten und den Finca-Auf­ent­halten orga­ni­siert der Verein auch Tages­aus­flüge in den Zoo, einen Klet­ter­park oder zum Kettler Hof. Anfangs orga­ni­sierten der Verein mit seinen ehren­amt­li­chen Hel­fern solche Aus­flüge und die Feri­en­auf­ent­halte noch selbst. Inzwi­schen finan­ziert Kin­der­glück e.V. diese über Koope­ra­ti­ons­partner, erläu­tert Bernd Krispin. „Unsere Koope­ra­ti­ons­partner wissen genau: Wir arbeiten nach­haltig und bleiben zuver­lässig, egal was pas­siert.“ Jedes Jahr pro­fi­tieren etwa 400 bis 500 Kinder und Jugend­liche von den Feri­en­pa­ten­schaften des Ver­eins. Ten­denz stei­gend.

Verein ist für Kooperationen offen

Dabei ist Kin­der­glück e.V. offen für wei­tere Koope­ra­ti­ons­partner auch aus Holzwickede oder dem Kreis Unna: „Wenn Inter­esse besteht, spricht gar nichts dagegen, dass man sich an einen Tisch setzt und zusam­men­ar­beitet“, ver­si­chert Bernd Krispin. „Wir koope­rieren ja auch schon mit den Falken, die auch immer viele Kinder betreuen, den Johan­ni­tern oder dem Kreis­Sport­bund Unna, mit dem wir jedes Jahr ein großes Sport­camp in Hachen im Sauer­land orga­ni­sieren. Es muss ja nicht immer das Aus­land sein.“ 

Das Angebot einer Zusam­men­ar­beit gilt ins­be­son­dere auch für Holzwickeder Ver­eine, wie etwa „Wir für Holzwickede“, betiont Bernd Krispin. „Wir spre­chen gerne mit allen Betrof­fenen oder jenen, die uns helfen wollen.“

Kinderarmut oft gar nicht sichtbar

Nähparty der ehrenamtlichen Helfer in der Kinderglück-Halle. (Foto: Kinderglück e.V.)
Näh­party der ehren­amt­li­chen Helfer in der Kin­der­glück-Halle. (Foto: Kin­der­glück e.V.)

Kin­der­armut ist auf den ersten Blick oft nicht sichtbar. Kinder und Jugend­liche aus armen fami­liären Ver­hält­nissen ent­spre­chen in den sel­ten­sten Fällen den gän­gigen Kli­schees. Nach einer Studie der Ber­tels­mann Stif­tung aus 2017 sind knapp 21 Pro­zent aller Kinder und Jugend­li­chen in Deutsch­land von Armut betroffen. In Dort­mund lebt sogar jedes dritte Kind in pre­kären Ver­hält­nissen und auch in einer gut situ­ierten Gemeinde wie Holzwickede gibt es Kin­der­armut. Das hat Folgen für die Bil­dungs­chancen und Gesund­heit.

Kin­der­glück e.V. setzt sich seit 2006 für Kinder und Jugend­liche ein, deren Weg ins Leben mit Stol­pern beginnt. Der Verein dient als Netz­werk zur Kin­der­hilfe und agiert als Ansprech­partner für Jugend­ämter und Jugend­hil­feein­rich­tungen sowie Kin­der­kli­niken und Kin­der­ho­spiz­dienste. Von den Mul­ti­pli­ka­toren dort kommen die För­der­an­träge für die von ihnen betreuten Kinder und Jugend­li­chen. Kin­der­glück e.V. ent­wickelt, plant und rea­li­siert auch eigene Hilfs­ak­tionen wie das Schul­ranzen-Pro­jekt, die Feri­en­pa­ten­schaften oder die Kin­der­glück-Kissen.

Mit der Kin­der­glück-Halle an der Gott­lieb-Daimler-Straße 33 in Holzwickede hat der Verein im ver­gan­genen Jahr ein wei­teres Pro­jekt und wich­tiges Stand­bein für sein Wirken geschaffen und ist seitdem mit seiner Arbeit auch zuneh­mend in den Kreis Unna hinein ori­en­tiert.

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