Flaschenwurf auf Weihnachtsmarkt: 2.700 Euro Geldstrafe für nervigen Nachtschwärmer

Um einen Fla­schen­wurf auf dem Holzwickeder Weih­nachts­markt ging es heute (24. August) in einer Ver­hand­lung vor dem Amts­ge­richt Unna. Geworfen haben soll die Fla­sche ein 23-jäh­riger Holzwickeder am 30. November gegen 3 Uhr mor­gens nach drei Secu­rity-Kräften. Diese hatten den Ange­klagten und seinen Bruder mehr­fasch auf­ge­for­dert den Weih­nachts­markt zu ver­lassen. Schließ­lich war der Holzwickeder Weih­nachts­markt offi­ziell schon um 22 Uhr, spä­te­stens aber end­gültig um Mit­ter­nacht geschlossen.

Doch die beiden Brüder kamen, so einer der Sicher­heits­männer im Zeu­gen­stand, trotz mehr­ma­liger Auf­for­de­rung „immer wieder zurück, wie ein Jojo“. Dass die Brüder ordent­lich Glüh­wein intus hatten, nach Aus­sage des Ange­klagten „so etwa acht bis neun Tassen“ ver­steht sich bei­nahe von selbst. Zumin­dest für alle, die wissen, wie es nach der Sperr­stunde auf dem Holzwickeder Weih­nachts­markt abgeht.

Sperrstunde weit überschritten

Der Ange­klagtte gab aller­dings das Unschulds­lamm: Er habe nie­mals mit einer Fla­sche geworfen. Viel­mehr habe er ganz fried­lich am Stand der TGH gefeiert und diesen gegen 3 Uhr mor­gens ver­lassen. Zu diesem Zeit­punkt seien noch einige wei­tere Gäste am Stand gewesen. Seinen gewohnten Weg nach Hause habe er nicht nehmen können, weil die Sicher­heits­kräfte diesen abge­sperrt hatten. Ihrer Auf­for­de­rung, einen Umweg zu nehmen, sei er nach einigem Lamento aber fried­lich gefolgt. 

Ich bin dann noch einmal zurück, weil mein Bruder nicht kam“, so der Ange­klagte. Dar­aufhin sei er sofort von den Sicher­heits­kräften fest­ge­halten und mit dem Vor­wurf kon­fron­tiert worden, dass er eine Fla­sche nach ihnen geworfen habe. „Einer hat mich auch geschlagen“, so der Ange­klagte. „Nicht sehr fest, aber ich bin in den Magen geschlagen worden. Außerdem sollte ich mich auf den kalten Boden setzen bis die Polizei kommt.“ Auf gar keinen Fall habe er eine Fla­sche geworfen. Das habe er auch den Sicher­heits­leuten gesagt und sie darauf hin­ge­wiesen, dass sich auch noch andere Per­sonen im Park auf­hielten. Er müsse ver­wech­selt worden sein.

Einer der Brüder blieb am Tatort zurück

Als Zeugen sagten in der Ver­hand­lung aus: Die drei Sicher­heits­kräfte, ein Ver­eins­mit­glied der TGH, das zur frag­li­chen Zeit Glüh­wein am Stand aus­ge­schenkt hatte, sowie der gleich­alt­rige Bruder des Ange­klagten.

Von den drei Sicher­heits­leuten glaubte einer sich erin­nern zu können, dass die Fla­sche von hinten geflogen kam und etwa zwei Meter vor oder neben ihm und seinen beiden Kol­legen ein­schlug. Den Werfer will er nicht gesehen haben. Seine beiden Kol­legen waren dagegen sicher, dass die Fla­sche von dem Ange­klagten von vorne auf sie geworden wurde. Ver­letzt wurde übri­gens keiner von ihnen. Was wohl einem der Secu­rity zu ver­danken sein dürfte, der seine Kol­legen gewarnt haben will, als die Fla­sche ange­flogen kam. Alle drei waren sich aber voll­kommen sicher, dass es der Ange­klagte war, der die Fla­sche auf sie geworfen hatte.

Schließ­lich sei der sofort weg­ge­laufen und von einem der drei Sicher­heits­leute auch ver­folgt worden, wäh­rend sein Bruder die ganze Zeit über bei den beiden anderen blieb. Der Secu­rity konnte den Ange­klagten zwar nicht mehr ein­holen, doch der kam schließ­lich von selbst zurück und konnte fest­ge­setzt werden. Nach Angaben der Sicher­heits­leute habe es sogar einen hef­tigen Streit zwi­schen den Brü­dern wegen des Fla­schen­wurfs gegeben, aber auch um pri­vate Pro­bleme sei es gegangen. Wäh­rend des Vor­falls sei außer den beiden Brü­dern auch nie­mand sonst mehr anwe­send gewesen.

Der junge Mann, der zur besagten Zeit am TGH-Stand bediente, konnte nur wenig zum Sach­ver­halt bei­tragen. An einen Streit oder gar Fla­schen­wurf konnte er sich nicht erin­nern. Auch Polizei will er nicht gesehen haben, solange er am Stad war. Woraus das Gericht schloss, dass er vor den Brü­dern den Schau­platz des Gesche­hens ver­lassen haben muss.

Die Aus­sage des Bru­ders des Ange­klagten war in den ent­schei­denden Punkten nur lücken­haft: Er habe am Stand der TGH gestanden und wollte gemeinsam mit seinem Bruder nach Hause gehen. Als er bemerkte, dass dieser schon weg war, habe er sich bei einem der Sicher­heits­leute erkun­digt, ob sie seinen Bruder gesehen haben. Da sei sein Bruder ihm mit einem der Sicher­heits­leute ent­ge­gen­ge­kommen. Angeb­lich sei eine Fla­sche geflogen. An Ein­zel­heiten konnte sich der Bruder nicht mehr erin­nern. Immerhin: „Ich hatte gut getrunken, war aber noch voll da“, räumte er ein.

Verteidiger fordert Freispruch

Bei dieser Beweis­lage wun­dert es nicht, dass die Staats­an­wältin und der Ver­tei­diger zu unter­schied­li­chen Beur­tei­lungen kamen. Die Ankla­ge­ver­tre­terin zeigte sich „über­zeugt, dass der Ange­klagte getan hat, was ihm zur Last gelegt wird“. Spä­te­stens nach Aus­sage des einen Sicher­heits­mannes stehe für sie fest, dass es auch keine Ver­wechs­lung der beiden sich sehr ähn­lich sehenden Brüder gegeben habe, so die Staats­an­wältin. Denn der Secu­rity hatte den einen der Brüder die ganze Zeit über im Blick. Außerdem soll nur einer der beiden Brüder am Tattag ein gut sicht­bares Hör­gerät getragen haben. Der ange­klagte Bruder habe zwar mög­li­cher­weise auch eines getragen haben, jedoch war dessen Hör­gerät deut­lich unauf­fäl­liger. Dass die Fla­sche aus geringer Ent­fer­nung gezielt geworfen wurde, wie zwei der Sicher­heits­leute bestä­tigten, erfülle den Tat­be­stand des „bedingten Vor­satzes“ einer ver­suchten Kör­per­ver­let­zung. Des­halb for­derte die Ankla­ge­ver­tre­terin eine Haft­strafe von sechs Monaten, aus­ge­setzt zur Bewäh­rung, für den Ange­klagten, der nicht vor­be­straft ist.

Sein Ver­tei­diger sah den Sach­ver­halt dagegen kei­nes­wegs als erwiesen an. Gerade die Aus­sagen der Sicher­heits­leute seien „sehr diffus“ und wider­sprüch­lich gewesen und hätten eine deut­liche Bela­stungs­ten­denz gezeigt. Es gebe erheb­lich Zweifel, wes­halb der Ver­tei­diger einen Frei­spruch für seinen Man­danten for­derte.

Richter von Schuld überzeugt

Das Urteil von Richter Chri­stian Johann lau­tete schließ­lich auf 90 Tages­sätze a‘ 30 Euro Geld­strafe wegen ver­suchter gefähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung. Wobei der Ange­klagte die 2.700 Euro in Raten a‘ 150 Euro abzahlen kann, zusätz­lich aber die Kosten des Ver­fah­rens tragen muss. Auch für den Richter war „ziem­lich klar“, wie er in seiner Urteils­be­grün­dung fest­stellte, dass der ange­klagte Bruder die Fla­sche in Rich­tung der Secu­rity geworfen hat. Schließ­lich war einer der Brüder nach dem Fla­schen­wurf am Tatort geblieben. Der Richter ging auch davon aus, dass der Ange­klagte sich zur Tat­zeit noch auf dem Markt auf­hielt, nachdem der eigent­lich schon stun­den­lang geschlossen war. Auch das TGH-Mit­glied, das als Zeuge aus­ge­sagt hat, war zu diesem Zeit­punkt schon nicht mehr da. „Von daher stimmt also schon mal nicht, was Sie hier gesagt haben“, so der Richter zum Ange­klagten.

Schließ­lich konnte Richter Chri­stian Johann „über­haupt keinen ver­nünf­tigen Grund erkennen“, warum die drei Sicher­heits­leute sich den Tat­vor­wurf aus­denken und einen Unschul­digen bela­sten sollten. „Dass ihre Aus­sagen teils wider­sprüch­lich waren, zeigt doch, dass sie sich nicht abge­spro­chen haben“, so der Richter. Berück­sich­tigt wurde von ihm, dass der Ange­klagte bisher nicht vor­be­straft und „im öffent­li­chen Dienst tätig“ ist, wo eine Vor­strafe noch wei­tere Kon­se­quenzen haben kann.

Gegen das Urteil kann der Holzwickeder noch Ein­spruch ein­legen.

Körperverletzung, Weihnachtsmarkt


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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