Familienclan macht Pizzeria-Chefs die Hölle heiß: Drei Monate Haft für den Onkel

Ein 27-jähriger aus Dortmund und sein 47-jähriger Onkel aus Holzwickede mussten sich heute (10.9.) wegen Nötigung vor dem Amtsgericht Unna verantworten.

Die Anklage warf den beiden vor, gemeinsam mit fünf bis sieben weiteren Familienmitgliedern am 26. Juni 2014 in die Pizzeria Roma in Unna gestürmt zu sein und den Inhaber und seinen Partner massiv bedroht zu haben: Falls sie einen ganz bestimmten Angestellten der beiden erwischen, würden sie ihn totschlagen und auch die beiden Inhaber als Zeugen umbringen. Für den Fall, dass der Mitarbeiter weiter beschäftigt wird, würden sie die Inhaber ebenfalls umbringen.

Was die Familie so aufgebrachte:  Angeblich soll der Angestellte der Pizzeria einen Jungen der Familie geohrfeigt und auch versucht haben, zu missbrauchen.

Mehrere der übrigen Familienmitglieder sind bereits in einer durchaus als turbulent zu bezeichnenden Verhandlung von Richterin Sarah Malcherek verurteilt worden. In deren Verhandlung wurden dann auch Hinweise auf eine Tatbeteiligung der beiden Familienmitglieder gegeben, die deswegen heute auf der Anklagebank landeten.

Übrige Familienmitglieder schon verurteilt

Beide Angeklagte stritten heute rundweg ab, bei dem „Rollkommando“ in der Pizzeria mitgemischt zu sein. Der 47-jährige Holzwickeder erklärte, er sei am Vortag, (25. Juni 2014), bis abends in Essen auf dem Trödelmarkt Autokino gewesen und habe da Ware verkauft. Daranam 26. Juni, also dem Tattag, gewesen ist, konnte er sich nicht mehr erinnern. In der Pizzeria sei er jedenfalls nicht gewesen.

Auch der jüngere der beiden Angeklagten behauptete, nicht in der Pizzeria dabei gewesen zu sein. Er sei ebenfalls als Helfer auf dem Autokino-Trödelmarkt gewesen – und zwar an beiden Tagen. Wenn Zeugen ihn identifiziert haben, dann müsse es sich um eine Verwechslung handeln,. „Wir sind mehrere Brüder und sehen alle gleich aus.“

Der Inhaber der Pizzeria und auch sein Partner erinnerten sich im Zeugenstand heute mit Grausen an die Vorfälle im Vorjahr: Nachdem die Vorwürfe gegen den Mitarbeiter laut geworden seien, war auch die Polizei am 25. Juni 2014 in seiner Pizzeria gewesen, um die Anzeige aufzunehmen, erinnerte sich der Gastronom  im Zeugenstand. Damit hätte der Fall eigentlich seinen juristischen Gang nehmen können. Doch kaum war die Polizei weg, stürmten Familienangehörige des geohrfeigten Jungen mit Baseballschlägern in die Pizzeria, drohten den Mitarbeiter totzuschlagen, wenn sie ihn kriegen und auch die Chefs der Pizzeria umzubringen, wenn sie den Mitarbeiter noch einmal in dr Pizzeria sehen.

Ohrfeige für Jungen und Missbrauch-Vorwurf waren Anlass

Einige der Familienmitglieder waren dem Inhaber gut bekannt, weil einer von ihnen auch längere Zeit über der Pizzeria gewohnt hatte und sie im Haus ein- und ausgegangen waren.

Noch am selben Abend des 25. Juni 2014 stürmten der Opa, Vater und weitere Familienmitglieder des Jungen ein zweites Mal, diesmal  durch die Küche, in die Pizzeria und „machten uns richtig Angst“, so die Zeugen. Dabei wurde der Geschäftspartner des Inhabers auch geschlagen..

Schließlich erklärte sich der Pizzeria-Betreiber sogar bereit, den angefeindeten Mitarbeiter tatsächlich zu entlassen, wenn die Familie nur endlich Ruhe gebe und den Geschäftsbetrieb nicht mehr stören würde.

Bis zu diesem Zeitpunkt sollen  der 47-jährige Holzwickeder und sein 27-jähriger Neffe noch gar nicht beteiligt gewesen sein. Erst am, Tag darauf, am 26. Juni stürmten entgegen aller am Vorabend getroffenen Vereinbarungen erneut etwa sieben bis neun Familienmitglieder in die Pizzeria und setzten die Drohkulisse fort. Und diesmal sollen die beiden Angeklagten dabeigewesen sein.,

Beide Zeugen erklärten heute im Zeugenstand, ganz sicher zu sein, dass zumindest der 47-jährige Holzwickeder am zweiten Tag dabei war.

Zeugen nur bei einem Angeklagten ganz sicher

Beim 27-jährigen Neffen des Holzwickeders war sich der Geschäftspartner des  Gastronomen im Zeugenstand nicht mehr ganz so sicher, obwohl er in den ersten Vernehmungen bei der Polizei den 27-Jährigen noch als Mittäter identifiziert hatte.

Getreu der Regel: In dubio pro reo (Im Zweifel für den Angeklagten),  sprach Richterin Sarah Malcherek den 27-Jährigen frei und folgte damit dem Plädoyer der Anklage.

Der 47-jährige Holzwickeder wurde dagegen zu drei Monaten Haft auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt verurteilt. Außerdem muss der Angeklagte 100 Sozialstunden ableisten und die anteiligen Kosten des Verfahrens tragen. Auch mit diesem Urteil folgte die Richterin dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Daran, dass der Familienclan die Eigentümer der Pizzeria an Leib und Leben bedroht haben, besteht kein Zweifel, erinnerte die Richter. Heute sei es nur darum gegangen, ob die beiden Angeklagten ebenfalls an der Straftatl beteiligt waren. Bei dem 27-Jährigen Neffen habe es daran berechtigte Zweifel nach den Zeugenaussagen gegeben. Bei seinem 47-jährfigen Onkel gab es diese nicht. Der Onkel sei eindeutig identifiziert worden.

Eine Geldstrafe sei nicht mehr in Frage gekommen, weil es sich um „keine normale Nötigung gehandelt“ habe. Strafverschärfend wurde gewertet,  dass die Angeklagten eine extreme Drohkulisse aufgebaut hätten, einschließlich der Drohung mit dem Tod, und versucht haben, Selbstjustiz zu üben. Schließlich sei die Polizei längst eingeschaltet gewesen, als sie die ´Familie sich einschaltete. Zudem habe der beschuldigte Mitarbeiter seinen Arbeitsplatz durch die Nötigung verloren und sei fluchtartig nach Frankfurt umgezogen.

Nötigung


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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