Die Emschergenossenschaft wird 120 Jahre alt: Klimawandel neue Herausforderung

Der Emscher-Umbau ist die bekann­teste Maß­nahme der Emscher­ge­nos­sen­schaft, die Anpas­sung an den Kli­ma­wandel ihre aktuell größte Her­aus­for­de­rung: Abwas­ser­kanal der Emscher. (Foto: Rupert Ober­häuser)

Wasser macht an Stadt­grenzen nicht Halt – es war diese Erkenntnis, die vor 120 Jahren zur Grün­dung der Emscher­ge­nos­sen­schaft am 14. Dezember 1899 führte. Ihre bekann­teste Maß­nahme ist das Genera­tio­nen­pro­jekt Emscher-Umbau, ihre aktuell größte Her­aus­for­de­rung die Anpas­sung an die Folgen des Kli­ma­wan­dels. Eine Her­aus­for­de­rung, der sich Deutsch­lands älte­ster und größter Was­ser­wirt­schafts­ver­band einmal mehr gemeinsam mit seinen Mit­glie­dern stellt – als Dienst­lei­ster für die Region.

Als öffent­lich-recht­li­ches Unter­nehmen erbringen wir damals wie heute sowie auch in Zukunft effi­zient Auf­gaben für das Gemein­wohl, mit dem Genos­sen­schafts­prinzip als stän­dige Leit­idee unseres eigenen Han­delns: Wir inve­stieren nach­haltig in die Moder­ni­sie­rung der Infra­struk­turen in unserer Region – ohne Gewinn­ori­en­tie­rung, son­dern im Sinne der öffent­li­chen Daseins­vor­sorge“, sagt Prof. Dr. Uli Paetzel, Vor­stands­vor­sit­zender der Emscher­ge­nos­sen­schaft.

Die Emscher­ge­nos­sen­schaft war 1899 Deutsch­lands erster Was­ser­wirt­schafts­ver­band und Vor­bild für wei­tere Unter­nehmen ähn­li­cher Art. 1913 etwa wurde die Sese­ke­genos­sen­schaft gegründet, aus der 1926 der Lip­pe­ver­band her­vor­ging.

Emscher-Umbau bekannteste Maßnahme

Die bekann­teste Maß­nahme der Emscher­ge­nos­sen­schaft ist das welt­weit beach­tete Genera­tio­nen­pro­jekt Emscher-Umbau. Wegen der durch den Bergbau ver­ur­sachten Erd­sen­kungen sind unter­ir­di­sche Kanäle früher nicht mög­lich gewesen, da sie beschä­digt worden wären. Daher wurden die Emscher als zen­traler Fluss des Ruhr­ge­bietes und ihre Neben­bäche als offene Schmutz­was­ser­läufe ver­wendet. Seit der Nord­wan­de­rung des Berg­baus sind keine Berg­sen­kungen mehr zu befürchten, so dass auch unter­ir­di­sche Kanäle gebaut werden können.

Seit 1992 plant und setzt die Emscher­ge­nos­sen­schaft in enger Abstim­mung mit Land und Kom­munen den Emscher-Umbau um. Jedes Gewässer erhält ein unter­ir­di­sches Pen­dant, durch das die Abwässer zu den Klär­an­lagen geleitet werden. Die Bäche sind damit abwas­ser­frei und können naturnah umge­baut werden. Über einen Zeit­raum von rund drei Jahr­zehnten inve­stiert die Emscher­ge­nos­sen­schaft mehr als fünf Mil­li­arden Euro.

Emscher auch in Holzwickede aufgewertet

Der Vor­stands­vor­sit­zende der Emscher­ge­nos­sen­schaft, Prof. Dr. Uli Paetzel (r.), bei einer Talk-Runde auf dem Emscher­quellhof in Holzwickede. Links im Bild: Holzwickedes Bür­ger­mei­sterin Ulrike Drossel. (Foto: P. Gräber – Emscher­blog)

Auch Holzwickede ist eine Emscher-Kom­mune – und zwar die Emscher­quell­ge­meinde. Hier hat die Emscher­ge­nos­sen­schaft von 2009 bis 2010 unter anderen Pro­jekten die Emscher im Park in der Gemein­de­mitte erheb­lich auf­ge­wertet.

Das Ziel des Emscher-Umbaus, eine vom Abwasser befreite Emscher, wird Ende 2021 erreicht sein. Die nächste große Her­aus­for­de­rung steht jedoch nicht nur vor der Tür, son­dern prak­tisch schon im Haus: der Kli­ma­wandel und seine Folgen. „Wir müssen lernen, mit den Aus­wir­kungen des Kli­ma­wan­dels umzu­gehen und ent­spre­chende Anpas­sungs­maß­nahmen vor­an­treiben. Das kann man aber nicht alleine schaffen. Einmal mehr müssen wir als Region an einem Strang ziehen und die Mög­lich­keit ergreifen, die Vor­stel­lung von einer „Kli­ma­re­si­li­enten Region mit inter­na­tio­naler Strahl­kraft“ in die Tat umzu­setzen“, sagt Paetzel.

Der offene Verlauf der Emscher in Höhe Rausingen im Jahr 1949. (Quelle: Archiv Emschergenossenschaft)
Der offene Ver­lauf der Emscher in Höhe Rausingen im Jahr 1949. (Quelle: Archiv EGLV)

Der Grund­stein dazu wurde am 15. November dieses Jahres gelegt: Knapp 120 Jahre nach der Grün­dung der Emscher­ge­nos­sen­schaft unter­zeich­neten in Reck­ling­hausen alle 16 Kom­munen der Emscher-Region, dar­unter auch Holzwickede, eine Ver­pflich­tungs­er­klä­rung mit dem Ziel, gemeinsam mit der Emscher­ge­nos­sen­schaft als koor­di­nie­rende Ser­vice-Stelle das Pro­jekt „Kli­ma­re­si­li­ente Region mit inter­na­tio­naler Strahl­kraft“ bereits ab Anfang 2020 mit Leben zu füllen. „Damit gehen wir auch die Her­aus­for­de­rung Kli­ma­wandel gemeinsam als Region an. Nur so lassen sich Lösungen für regio­nale Pro­blem­stel­lungen finden. Mit diesem Pro­jekt können wir Vor­bild für andere Regionen in Europa und in der Welt sein, so wie wir es bereits auch von unserem Emscher-Umbau kennen“, sagt Paetzel. Die ursprüng­liche Erkenntnis ist dabei die gleiche wie 1899: Wasser macht an Stadt­grenzen nicht Halt.

Die Gründung am 14. Dezember 1899

Ständehaus in Bochum, , wo die Emschergenossenschaft 1899 gegründet wurde.(Quelle: Archiv Emschergenossenschaft)
Das Stän­de­haus in Bochum, in dem Emscher­ge­nos­sen­schaft 1899 gegründet wurde. (Quelle: Archiv EGLV)

HINTERGRUND: Es war im Bochumer Stän­de­haus, als sich die dama­ligen Stadt- und Land­kreise des Ruhr­ge­bietes zwi­schen Dort­mund und Duis­burg zur Emscher­ge­nos­sen­schaft zusam­men­schlossen.

Zuvor hatte es in den jewei­ligen Städten bereits Ver­suche gegeben, die Abwas­ser­pro­ble­matik in der Region zu beheben, die jedoch alle­samt erfolglos blieben. Daher ord­nete der Staat an, einen Was­ser­wirt­schafts­ver­band zur Lösung der Situa­tion zu gründen. Denn durch die Indu­stria­li­sie­rung und die rasant gestie­genen Bevöl­ke­rungs­zahlen erhöhte sich auch die Menge des anfal­lenden Abwas­sers. Auf­grund des Koh­le­ab­baus war es Ende des 19. Jahr­hun­derts aber nicht mög­lich, unter­ir­di­sche Abwas­ser­ka­näle zu bauen, da diese durch die damit ver­bun­denen Berg­sen­kungen beschä­digt worden wären.

Also wurde das gesamte Schmutz­wasser in die Emscher und ihre Neben­arme ein­ge­leitet. Das Fluss­sy­stem war dadurch bald über­for­dert und setzte immer wieder ganze Stadt­teile unter Wasser. Krank­heiten wie Typhus und Cho­lera brei­teten sich durch Fäka­lien im Wasser schnell aus, sodass Lösungen gefunden werden mussten. Dies geschah nun gemeinsam im Ver­bund der Emscher­ge­nos­sen­schaft, in der Bergbau, Indu­strie­be­triebe und Kom­munen zusam­men­ge­bracht wurden. Um die Abwas­ser­massen in den Griff zu bekommen, baute man nun also das Emscher-System zu einem Netz offener Schmutz­was­ser­läufe um. Im Zuge dieser Arbeiten wurden Beton­ein­fas­sungen in die Gewässer ein­ge­lassen und Pump­werke gebaut, um ein gere­geltes Abfließen des Abwas­sers zu gewähr­lei­sten. 

Seit der Nord­wan­de­rung des Berg­baus Ende der 1980er-Jahre sind keine Berg­sen­kungen mehr zu befürchten, sodass nun auch unter­ir­di­sche Abwas­ser­ka­näle gebaut werden können. 1992 fiel dann der Start­schuss für den Emscher-Umbau.

Der Ein­satz von Beton­sohl­schalen in der Emscher. (Foto: Archiv EGLV)
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