Berufsmusiker Peter Sagurna spielt Balkon-Konzerte gegen die Einsamkeit

Spielt für seine Nachbarn an der Hauptstraße sonntags Lieder auf dem Balkon: der Holzwickeder Berufsmusiker und Tenor-Saxophonist Peter Sagurna. (Foto: P. Sagurna)
Spielt für seine Nachbarn an der Hauptstraße sonntags Lieder auf dem Balkon: der Holzwickeder Berufsmusiker und Tenor-Saxophonist Peter Sagurna. (Foto: P. Sagurna)

Wenn die Corona-Pandemie überhaupt etwas Positives hat, dann vielleicht dies: Sie bringt uns Menschen wieder näher zusammen. Ein schönes Beispiel dafür liefert der Holzwickeder Berufsmusiker Peter Sagurna, der seit zwei Wochen jeweils sonntags um 18 Uhr auf dem eigenen Balkon für seine Nachbarn an der Hauptstraße 55 ein Lied auf seinem Tenor-Saxofon spielt. In der Nachbarschaft kommt das richtig gut an. „Wir finden das alle super“, versichert Nachbarin Gitta Przybylski. „Irgendwie gehört sein Balkon-Konzert schon für uns dazu. Ich freue mich jedenfalls schon auf nächsten Sonntag.“

Künstler und Berufsmusiker haben es in Zeiten der Corona-Krise und der Kontaktverbote nicht leicht. Auch Peter Sagurna ist von den Auflagen hart getroffen. Dabei ist der vielseitige Holzwickeder Saxofonist eigentlich ein gefragter Studiomusiker mit einem Repertoire von Musical und Schlager bis zur Kunst: Als langjähriges Mitglied des Jugendjazzorchesters NRW spielt Sagurna in mehreren namhaften Jazz- und Rockformationen und Bigbands, Rundfunkorchestern wie der WDR-Bigband, dem SWR-Orchester, ist auch für verschiedene Musicals wie Starlight Express in Bochum und Miami Nights in Düsseldorf tätig. Im Bereich Jazz hat er mit bekannten Größen wie Nils Landgren, Paul Kuhn, Mike und Randy Brecker, Chad Wackerman, Klaus Doldinger und vielen anderen zusammengearbeitet.

Gefragter Musiker ohne Auftrittsmöglichkeit

Aber auch mit Mary Roos und Heino hat er schon gearbeitet. Sein „Herzensprojekt“. Wie er selbst sagt, ist schon seit dem Studium der Musikwissenschaften das Dortmunder Saxophonquartett „Multicolore“.  

„Irgendwie gehört sein Balkon-Konzert schon für uns dazu. Ich freue mich jedenfalls schon auf nächsten Sonntag.“  

– Nachbarin Gitta Przybylski

Auftrittsmöglichkeiten hat Peter Sagurna jetzt in der Corona-Krise allerdings keine mehr. „Nullkommanull, zurzeit läuft da gar nichts“, bestätigt er. „Dabei hätte ich jetzt Anfang April eigentlich  auf Tournee gehen sollen. Die ist natürlich auch abgesagt worden.“  Finanziell, räumt Sagurna ein, hat er als Berufsmusiker ebenso wie viele andere Soloselbstständige für drei Monate eine finanzielle Soforthilfe vom Land NRW in Anspruch nehmen können. „Das ist schon nicht schlecht in unserem Land geregelt und ging auch ziemlich flott“, sagt er dankbar.

Zur beruflichen Untätigkeit verdammt ist er dennoch. Als in dieser Situation vor gut zwei Wochen die Stuttgarter Philharmoniker per Twitter dazu aufriefen, Beethovens „Ode an die Freude“ auf dem heimischen Balkon zu spielen, als ein Zeichen der Solidarität und Lebensfreude, war Peter Sagurna sofort dabei. „Die Leute langweilen sich zuhause genauso wie ich – da kann ich auch auf dem eigenen Balkon spielen“, dachte er sich.

Nachbarn wissen Einsatz zu schätzen

Wie sehr die Nachbarschaft seinen Kurzauftritt auf dem Balkon zu schätzen weiß, ist auch auf Facebook dokumentiert, wo ein kleines Video von seinem Auftritt auf dem Balkon kursiert, das begeistert kommentiert wurde. Ein Woche später spielte Peter Sagurna dann „Amazing Grace“.

Nach diesen beiden eher melancholischen Stücken hat sich der Saxophonist für kommenden Sonntag (5. April), 18 Uhr, etwas anderes überlegt: „Ich werden nach unten auf den Rasen gehen, damit mich die Leute auch besser sehen können. Da werde ich dann zwei Lieder spielen: Ein etwas fetzigeres Stück, bei dem Leute zwischendurch auch mal laut ,Tequila‘ rufen können. Außerdem werde ich ein Lied für die Kinder in der Nachbarschaft spielen.“

Die Nachbarschaft darf sich also auf ein Mini-Konzert von Peter Sagurna freuen, das sie für ein paar Minuten auf andere Gedanken bringt und ihnen zeigt: Sie sind nicht allein in dieser traurigen Zeit.

Balkon-Konzert, Peter Sagurna


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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