uch das werden die langjährige Vorsitzende des Elternvereins und die Leiterin des HEV-Kindergartens wohl vermissen: Almuth Schneider und Annette Willutzki mit Anna Fechner (v.r.) beim Mittagessen mit Kindern des HEV-Kindergartens. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)

Annette Willutzki und Almuth Schneider prägten HEV: Gemeinsamer Abschied

uch das werden die langjährige Vorsitzende des Elternvereins und die Leiterin des HEV-Kindergartens wohl vermissen:  Almuth Schneider und Annette Willutzki  mit Anna Fechner (v.r.) beim Mittagessen mit Kindern des HEV-Kindergartens. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
uch das werden die langjährige Vorsitzende des Elternvereins und die Leiterin des HEV-Kindergartens wohl vermissen, v.re.: Almuth Schneider und Annette Willutzki mit ihrer Nachfolgerin Anna Fechner beim Mittagessen mit Kindern des HEV-Kindergartens. (Foto: P. Gräber – Emscherblog)

Sie sind ein kongeniales Gespann und gehören zum Kindergarten der Holzwickeder Elternselbsthilfe Vorschulerziehung (HEV) e.V. wie der Hilgenbaum zu Holzwickede: Annette Willutzki leitet die Einrichtung von der ersten Stunde an seit genau 32 Jahren und Almuth Schneider war schon ein Jahr lang Vorsitzende des Elternvereins, als es den Kindergarten überhaupt noch nicht gab. Im Alter von 63 und 69 Jahren gehen die beiden Frauen noch in diesem Monat gemeinsam in den Ruhestand. Danach wird der HEV-Kindergarten nicht mehr derselbe sein.

Auch wenn es natürlich mit weitergehen wird mit der Einrichtung. Denn mit Anna Fechner geb. Meier, und Marc Schmidt stehen die Nachfolger der beiden bereits fest. Dass sich für die neue Leiterin damit auch ein Kreis schließt, denn Anna Fechner besuchte als Kind selbst den HEV-Kindergarten, ist nur eine der vielen besonderen Geschichten, die in den vergangenen drei Jahrzehnten in dieser  Einrichtung geschrieben wurden.

Vor über 30 Jahren, als der HEV-Kindergarten gegründet wurde, herrschte noch ein anderer Zeitgeist als heute: Soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit in der Bildung waren die bestimmenden Themen. Viele der Eltern, die im September 1973 den Elternverein mit dem Ziel gründeten, einen eigenen Kindergarten zu errichten, konnten damals keinen Betreuungsplatz finden. Kindergartenplätze waren Mangelware. Einige lehnten auch rein konfessionelle Einrichtungen für ihre Kinder ab.

Offen für Kulturen und wertschätzender Umgang

Die Westfälische Rundschau berichtete damals über den Spatenstich zum neuen Kindergarten.

„Der neue Kindergarten sollte offen für verschiedene Kulturen und Religionen sein, alle sollten einen wertschätzenden Umgang miteinander pflegen“, beschreibt Annette Willutzki, was den Eltern wichtig war. „Die Erzieherinnen sollten nicht über den Kindern stehen, sondern auf einer Ebene mit ihnen gemeinsam den Alltag erleben, vor allem Partner der Eltern sein und sie ernstnehmen. Denn ohne Eltern als Partner geht nichts.“  Dieses Selbstverständnis prägt die Arbeit der Leiterin und Erzieherinnen, der Vorsitzenden und des Vorstandes, aber auch des Elternbeirates im HEV-Kindergarten bis heute ganz stark.

Eltern werden gehört und ernstgenommen, auf ihre Fragen und Sorgen eingegangen, versichern Annette Willutzki und Almuth Schneider. „Das ist natürlich nicht immer ganz leicht, aber es geht nicht anders.“ Umgekehrt wird von den Eltern aber auch mehr erwartet als in anderen Einrichtungen:  Sie müssen mindestens zwölf Arbeitsstunden und einen Vereinsbeitrag von 90 Euro pro Jahr leisten.  Dass darüber hinaus nicht auch noch deutlich höhere Kindergartenbeiträge fällig werden, liegt daran, dass der Kreis Unna von Anfang an den für sogenannte arme Träger üblichen Kostenanteil (4 %) übernimmt.

Seinen Ruf als „roter Kindergarten“ hatte die HEV-Einrichtung nach der Eröffnung mit drei Gruppen und 75 Kindern im November 1986 schnell weg, meint Almuth Schneider. Schließlich gehörten zu den Gründern führende Sozialdemokraten wie Manfred Schulte-Altedorneburg und Volker Kosel, der gleichzeitig auch Architekt des Neubaus ist. Auch Friedhelm Klemp, damals noch mit SPD-Parteibuch, gehörte als stellvertretender Vorsitzender des Elternvereins zum engeren Gründerkreis.  

Engagierte Diskussionen und endlose Sitzungen

Die Vorstandssitzungen und Diskussionsrunden in den Anfangsjahren waren schier endlos: die Vorsitzende Almuth Schneider (M.) auf dem Podium. (Repro: Archiv)
Die Vorstandssitzungen und Diskussionsrunden in den Anfangsjahren waren schier endlos: die Vorsitzende Almuth Schneider (M.) auf dem Podium. (Repro: Archiv)

Wie engagiert in den ersten Jahren diskutiert wurde, zeigt eine Anekdote, über die beide Frauen heute nur noch lächeln können: „Der Vereinsvorstand tagte damals alle 14 Tage und die Sitzungen gingen durchaus auch bis nach Mitternacht“, erinnert sich Annette Willutzki. Vor dem ersten Weihnachtsfest wenige Wochen nach der Eröffnung des Kindergartens fanden allein zwei solcher Vorstandsitzungen zum Thema Nikolaus und zur Frage statt, mit welchen christlichen Symbolen mit den Kindern in der Einrichtung Weihnachten gefeiert werden soll. „Das waren ein ganz wichtiges Thema damals“, so Almuth Schneider. Nach den zwei Sitzungen und einem eindeutigen Elternbeschluss stand fest: „Wir wollten keinen Nikolaus als Person auftreten lassen, sondern nur gemeinsam an ihn denken und die Kinder mit Kleinigkeiten beschenken“, so Annette Willutzki.

Drei Tage vor dem Nikolaustag erklärte dann Friedhelm Klemp beiläufig in einer weiteren Vorstandssitzung, dass er einen Nikolaus bestellt habe für die Kinder. Joseph Uesseler war dabei nicht irgendein Nikolaus. Uesseler war d e r Nikolaus schlechthin und kam stets als Bischof in vollem Ornat mit Bischofsstab und Mitra. „Leider war der Nikolaus nicht mehr abzubestellen“, erinnern sich die beiden Frauen. „Darum gab es einen Riesenaufstand.“ Schließlich hatte es nach mehreren Sitzungen einen eindeutigen Vorstands- sowie auch Elternbeschluss gegen seinen Auftritt gegeben. Noch heute gerät Friedhelm Klemp ins Schwitzen, wenn er an seine damalige Eigenmächtigkeit denkt.

„Im Laufe der Jahre hat sich aber herausgestellt, dass unsere Eltern sehr wohl bestimmte Werte vermittelt haben wollen“, sagt Annette Willutzki.  Seit acht Jahren schon backen die Kinder etwa Martinsgänse. Der Erlös wird an die Schulmaterialkammer der ev. Gemeinde gespendet. „Wir singen auch gemeinsam Weihnachtslieder und es gibt jedes Jahr einen großen Adventskranz und auch kleine Geschenke. Nur der Nikolaus kommt noch immer nicht.“ Die muslimischen Kinder der Einrichtung werden übrigens zum Zuckerfest beschenkt. 

Gestritten wurde „mit Anstand“

Der alte Vorstand des Elternvereins mit Friedhelm Klemp, Wolfgang Kötter, Irmtraud Bangert, Elisabeth Nawroth, Birgit Poller, Christel Timme, Matthias Landsberger und Anke Bönninghausen verabschiedete nach drei Jahren Manfred Hüttemann als ersten Vorsitzenden. Zur Nachfolgerin wurde Almuth Schneider (r.) gewählt. (Repro: Archiv)
Der alte Vorstand des Elternvereins mit Friedhelm Klemp, Wolfgang Kötter, Irmtraud Bangert, Elisabeth Nawroth, Birgit Poller, Christel Timme, Matthias Landsberger und Anke Bönninghausen verabschiedete nach drei Jahren Manfred Hüttemann als ersten Vorsitzenden. Zur Nachfolgerin wurde Almuth Schneider (r.) gewählt. (Repro: Archiv)

Auch Annette Willutzki und Almuth Schneider haben in der langen Zeit ihrer Zusammenarbeit mitunter gestritten. „Aber immer mit Anstand und nur kurz“, betonen beide. Annette Willutzki habe nämlich ein „unnachahmliches Gespür dafür, Lösungsvorschläge einzubringen, die dann auch funktionieren“, lobt Almuth Schneider. Meistens ging es auch nicht ums liebe Geld, wie man vermuten könnte. „Wenn Geld da war, haben wir es auch ausgegeben“, schmunzelt Annette Willutzki.

„Manchmal waren wir uns uneins über den Weg, wie wir zu einem pädagogischen Ziel gelangen“, erklärt Almuth Schneider. „Ich hätte gerne manche Dinge schneller entschieden gehabt. Zum Beispiel haben wir sehr lange überlegt, ob wir die 5. Gruppe in der Außenstelle an der Massener Straße einrichten. Das konnte ich mir anfangs überhaupt nicht vorstellen, als das Jugendamt bei uns anfragte“, gibt die Vorsitzende zu. 

„Doch es hat wunderbar funktioniert“, sind beide sehr glücklich mit der Entscheidung, zusätzliche Betreuungsmöglichkeiten geschaffen zu haben. „Für uns war es eine Chance, noch einmal etwas ganz Neues zu wagen“, betont Almuth Schneider. „Mir persönlich hat es auch immer am Herzen gelegen, Frauen die Berufstätigkeit zu ermöglichen. Ich selbst wollte mit zwei Kindern auch immer berufstätig sein.“

„Unsere ,kleine Villa‘, wie wir die Außenstelle in der Massener Straße nennen, ist letztlich genau das, was die Elterninitiative im Kern ausmachte“, meint auch Annette Willutzki. „Eine Gruppe, nur gemietete Räume, Selbstversorger, aber ganz familiär.“ Die enge Zusammenarbeit, das gut funktionierende Team und die wertschätzende Unterstützung durch den Vorstand – das ist schon etwas Besonderes, findet die Kindergartenleiterin.

 „Hier in der Einrichtung arbeiten wirklich unglaublich engagierte Menschen“, bestätigt auch die Vorsitzende. „Ich habe es immer als wichtig und meine professionelle Aufgabe angesehen, das zu fördern und zu unterstützen.“

Mitte der 90er Jahre wurde es finanziell ganz eng

Der alte Vorstand des Elternvereins mit Friedhelm Klemp, Wolfgang Kötter, Irmtraud Bangert, Elisabeth Nawroth, Birgit Poller, Christel Timme, Matthias Landsberger und Anke Bönninghausen verabschiedete nach drei Jahren Manfred Hüttemann als ersten Vorsitzenden. Zur Nachfolgerin wurde Almuth Schneider (r.) gewählt. (Repro: Archiv)
Der damalige stellvertretende Bürgermeister Berthold Zumbusch (CDU) gratulierte der neuen Leiterin Annette Willutzki . (Foto: Repro: Archiv)

Anders als viele alternative Eltern-Kindergärten hatte der HEV-Kindergarten nach der Gründung kaum finanziellen Probleme. Die Gemeinde hatte dem Elternverein das Baugrundstück an der Karl-Brauckmann-Straße in Erbpacht überlassen und vom Land gab es die Personalkosten über die sogenannte Spitzabrechnung 1:1 zurück. Für Annette Willutzki waren die finanzielle Handlungsmöglichkeiten des HEV-Kindergartens anfangs ungewohnt. „Ich kam ja von einem anderen Träger und war etwas ganz anderes gewohnt.“  

Noch immer erinnert sich Friedhelm Klemp, der damals mit Manfred Hüttemann, dem 1. Vorsitzenden des Elternvereins und Vorgänger von Almuth Schneider,  über das einzige Konto des Elternvereins verfügte, mit einem Kribbeln im Bauch daran, dass sich kurz zum Baustart eine Million D-Mark  auf diesem Konto befanden. „Soviel Geld hatte ich noch nie auf dem Konto. Aber wir haben damals auch wirklich alles davon bezahlen müssen, vom Bau bis zur Einrichtung.“

Nur einmal war es finanziell ganz eng für den HEV-Kindergarten, erinnert sich Annette Willutzki: „Das war Mitte der 90er Jahre, als das Land die Spitzabrechnung strich und durch die Pro-Kopf-Pauschale ersetzte.“ Seitdem passt es nicht mehr mit der Erstattung der Personalkosten, so Willutzki. „Die Pro-Kopf-Pauschalen des Landes sind einfach nicht mehr auskömmlich.“

Pro-Kopf-Pauschale nicht kostendeckend

Was vor allem an den unterschiedlichen Altersstrukturen und einem veränderten Bedarf liege. „Es müssen immer mehr jüngere Kinder betreut werden, was aber auch mehr Personal erfordert“ , meint die erfahrene Leiterin. „Vor 30 Jahren hatten wir bei 75 Kindern vier Mütter in Vollzeit und zehn weitere, die in Teilzeit berufstätig waren. Heute haben wir 90 Kinder, wobei 20 Mütter voll berufstätig und mindestens 45 bis 50 in Teilzeit oder geringfügig beschäftigt sind.“ 

Die Unterfinanzierung der Kinderbetreuung ist für Annette Willutzki absolut unverständlich. „Die Kitas legen doch gemeinsam mit den Eltern das Fundament für jegliche Bildung der Kinder.“

Im HEV-Kindergarten, da sind Annette Willutzki und Almuth Schnieder sehr zuversichtlich,  wird dieses Fundament in Zukunft auch ohne sie noch weiter gelegt werden. Die Weichen dafür haben sie selbst gestellt.

Langer Anlauf bis zum Neubau

Der Elternverein wurde am 3. September 1973 von 24 Eltern gegründet, die aus ihren Reihen einen sechsköpfigen Vorstand wählten.
Im Dezember 1973 wurde erstmals überlegt, einen neuen Kindergarten in eegener Trägerschaft in Holzwickede zu bauen.
Im Januar 1974 wurde dazu das erste Konzept „Ein moderner Kindergarten für eine moderne Gemeinde“ vorgelegt.
Von 1975 bis 1976 verhandelten die Eltern mit der Gemeinde und dem Kreis-Jugendamt darüber, einen Kindergarten-Neubau für 50 Kind er in zwei Gruppen und dem HEV als selbstständigen Träger zu realisieren.
Im Oktober 1976 stellte die Gemeinde ein Grundstück und der Kreis Fördermittel in Aussicht. Allerdings lag die Entscheidung über den Bau beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe.
Erst neun Jahre später, am 30. April 1985, traf schließlich der Bewilligungsbescheid beim HEV-Vorstand ein, der schon gar nicht mehr aktiv war.
Daraufhin wurde im Sommer 1985 die Holzwickeder Elternselbsthilfe Vorschulerziehung wiederbelebt.
Im Dezember 1985 erfolgte der erste SDpatenstich fütr den Kindergarten-neubau an der Karl-Brauckmann-Straße.
Am 2. November 1986 wurde der HEV-Kindergarten mit drei Gruppen und 75 Kindern endlich eröffnet.

HEV-Kindergarten


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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