Allgemeiner Sozialer Dienst: Für Jugendhilfe ist gute Vernetzung wichtig

Mitarbeiter des ASD in Holzwickede: Andreas Obermann, Christine Becker-.Gierke und Sachgebietsleiter Gerd Steiner. (Foto: peter Grfänber/emscherbloig.de
Mit­ar­beiter des ASD in Holzwickede, v.l.: Andreas Ober­mann, Chri­stine Becker-Gierke sowie Sach­ge­biets­leiter Gerd Steiner. Zum Team in Holzwickede gehören eben­falls Chri­stiane Rother und Jutta Ree­mann (beide nicht im Bild). (Foto: Peter Gräber/emscherblog.de)

Die Außen­stellen des All­ge­meinen Sozialen Dien­stes in Holzwickede, Frön­den­berg und Bönen lei­sten im Auf­trag der Kreises Unna, der die Jugend­ar­beit für die drei Kom­munen über­nommen hat, die Jugend­hilfe vor Ort.

Kurze Wege, eine her­vor­ra­gende Ver­net­zung und der frühe Kon­takt zu den Bürger sind das wich­tigste Kapital des Teams in Holzwickede. Hier, an der Rausinger Straße 3, haben Chri­stine Becker-Gierke, Chri­stiane Rother, Jutta Ree­mann und Andreas Ober­mann an der Rausinger Straße 3 ihr Domizil bezogen. Das stän­dige Netz­werken zahlt sich für ihre Arbeit aus, wie der Sach­ge­biets­leiter Gerd Stein bestä­tigt: „Die mei­sten Anrufe und Kon­takte gehen direkt bei uns ein.“ Aber auch über Schulen, Kitas sowie das Ord­nungsamt und die Polizei werden die Mit­ar­beiter des ASD auf ihre Kli­entel auf­merksam.

Eltern kommen auch sehr häufig von sich aus zu uns, weil sie nicht mehr weiter wissen und Rat oder Hilfe brau­chen“

Gerd Steiner, Sach­ge­biets­leiter ASD

Längst werden die Mit­ar­beiter des Jugend­amtes in Holzwickede dabei nicht immer nur gegen den Willen der Betrof­fenen tätig. „Eltern kommen auch sehr häufig von sich aus zu uns, weil sie nicht mehr weiter wissen und Rat oder Hilfe brau­chen“, meint Gerd Steiner. Woher bekomme ich einen Platz im Kin­der­garten? Was kann ich tun, wenn der Vater keinen Unter­halt bezahlen will? Mit Fragen wie diesen oder auch erzie­he­ri­schen Pro­blemen kommen die Betrof­fenen Fami­lien dann zum ASD. „Viel­fach sind Eltern oder Allein­er­zie­hend ganz ein­fach auch über­for­dert“, weiß Gerd Steiner. Angst, das Jugendamt könnte ihnen das Kind weg­nehmen, brau­chen die Betrof­fenen auf keinen Fall zu haben. „Ein sol­cher Ein­griff in die Familie ist immer nur die aller­letzte Mög­lich­keit und kommt wirk­lich nur noch ganz selten vor“, meint Gerd Steiner.

Je früher das Hilfsangebot kommt, desto besser

Helene Souza  / pixelio.de
Die Mit­ar­beiter des ASD ver­su­chen, so früh wie mög­lich mit ihren Hilfs­an­ge­boten anzu­setzen: Das Wohl des Kindes steht dabei immer im Vor­der­grund. (Foto: Helene Souza /​pixelio.de)

Viel lieber ist es den Mit­ar­bei­tern vom ASD, wenn sie früh­zeitig ein­greifen und gemeinsam mit den Betrof­fenen Mittel und Wege suchen können, wie dem Wohl des Kindes oder Jugend­li­chen am besten gedient ist. Damit die Hilfe mög­lichst früh­zeitig ein­setzen kann, ziehen in Holzwickede viele an einem Strang: Die Mit­ar­beiter des ASD gehören ver­schie­denen lokalen Arbeits­kreisen wie wie dem AK Netz­werk Kin­der­schutz oder dem AK Familie und Recht an. Aber auch die Päd­agogen in den Schulen, die drei Sozi­al­ar­beiter, die Erzie­he­rinnen in den Kin­der­ta­ges­stätten, die Kin­der­ärzte und nicht zuletzt die Polizei und das Ord­nungsamt sind Glieder einer Alarm­kette, die dafür sorgen soll, dass das Jugendamt den Betrof­fenen mög­lichst früh­zeitig seine Hilfe anbieten kann. Sicher, es gibt auch Betrof­fene die sich gegen die Hilfe der Behörden, die sie als Ein­mi­schung emp­finden, sträuben. Doch auch in sol­chen Fällen sucht das Team des ASD nicht sofort die Kon­fron­ta­tion, son­dern setzt zunächst auf Ver­stän­di­gung.

Meist sehen die Betrof­fenen dann auch rasch ein, was die Hilfe wert für sie ist. Falls nicht, hat das Jugendamt aller­dings auch Mög­lich­keiten mit Rücken­deckung der Fami­li­en­ge­richte das Wohl eines Kindes oder Jugend­li­chen not­falls auch gegen den Eltern­willen zu wahren. „Doch das kommt selten vor. Kind und Familie zu trennen ist immer nur das letzte Mittel“, bestä­tigt der ASD-Sach­ge­biets­leiter.

Das zeigen auch die nüch­ternen Zahlen, die es aus Daten­schutz­gründen nur gemeinsam für alle drei Kom­munen gibt, in denen der Kreis die Jugend­ar­beit für die Kom­munen erle­digt:

28 Kinder mussten in 2014 in Obhut genommen werden

So hat es im ganzen Jahr 2014 in allen drei genannten Kom­munen ins­ge­samt 28 so genannte Inob­hut­nahmen gegeben (2013: 34). Wobei Inob­hut­nahme nicht immer die Unter­brin­gung in einer geschlos­senen Ein­rich­tung bedeutet. Häufig werden die Kinder oder Jugend­li­chen auch in offenen Wohn­gruppen außer­halb ihrer Fami­lien unter­ge­bracht. Wei­tere ins­ge­samt 13 Mal musste der ASD über das Fami­li­en­ge­richt im Vor­jahr ein­greifen (2013: 28). Bera­tungen im Vor­feld von Maß­nahmen hat es in den drei Kom­munen im Jahr 2014 ins­ge­samt 178 gegeben (2013: 273). Wobei dieser starke Rück­gang dadurch zu erklären ist, dass Päd­agogen und Erzieher in Schulen und Kin­der­gärten seit 2014 ver­stärkt Bera­tungs­be­darf abfe­dern, bevor er die ASD über­haupt erreicht hat.

Ambu­lante Hilfen in Fami­lien lei­steten die Mit­ar­beiter der ASD im Vor­jahr in den drei Kom­munen in durch­schnitt­lich 173,5 Fällen (20134: 204,7 Fälle).

Die Zahl der Kinder und Jugend­li­chen, die sta­tionär in Ein­rich­tungen unter­ge­bracht sind, beträgt aktuell durch­schnitt­lich 31,6 Fälle (2013: 31,9 Fälle) und ist seit etli­chen Jahren relativ stabil.

Trennungs- und Scheidungsberatung wichtige Aufgabe

Schließ­lich gab es in den drei Kom­munen im Vor­jahr auch ins­ge­samt durch­schnitt­lich 8,5 Fälle einer gemein­samen Unter­brin­gung von Mutter und Kind (2013: 9,1 Fälle)

Eine wei­tere wich­tige Auf­gabe der ASD in Holzwickede ist die Tren­nungs- und Schei­dungs­be­ra­tung. „Hier werden wir häufig auch von Fami­li­en­ge­richten beauf­tragt, tätig zu werden“, sagt Gerd Steiner. Näm­lich immer dann, wenn die Ex-Partner um das allei­nige Sor­ge­recht streiten. Bei Ent­schei­dungen zum Sor­ge­recht muss das Jugendamt grund­sätz­lich gehört werden.

  • Über die Arbeit und Auf­gaben des ASD in Holzwickede berichtet der Emscher­blog in den näch­sten Tagen auch in einer drei­tei­ligen Serie.

Teil 1: All­ge­meiner Sozi­al­dienst – Klarer Auf­trag: Helfen, wo Hilfe not­wendig ist

Teil 2: All­ge­meiner Sozi­al­dienst – Gemein­sames Sor­ge­recht trotz Tren­nung

Teil 3: All­ge­meiner Sozi­al­dienst – Elter­liche Sorge nach Tren­nung und Schei­dung

ASD


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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