Wolfgang Nowak, Ratsmitglied des Bürgerblocks (li.), überreicht dem Saxophonisten Peter Sagunra (M.) eine Spende für seine schöne Initiative, die Nachbarschaft während der Corona-Pandemie mit kleinen Rasenkonzerten aufzumuntern. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)

Aktion „Kleinkunst statt Böller“: Auf vielversprechenden Auftakt folgt Rote Karte

Wolfgang Nowak, Ratsmitglied des Bürgerblocks (li.), überreicht dem Saxophonisten Peter Sagunra (M.) eine Spende für seine schöne Initiative, die Nachbarschaft während der Corona-Pandemie mit kleinen Rasenkonzerten aufzumuntern. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Auch der Saxofonist Peter Sagurna (M.) hatte schon seine Teilnahme zugesagt. Doch selbst kleine Auftrittes sind derzeit nicht mehr gestattet. Das Foto entstand bei einem Rasenkonzert des Saxofonisten für seine Nachbarn im Juli des Jahres. (Foto: P. Gräber – Emscherblog)

Der Vorschlag von Friedhelm Klemp, Ratsmitglied der Grünen, hatte etwas Bestechendes: Kleinkunst statt Böller zum Ausklang dieses verseuchten Corona-Jahres – und das beim Feuerwerk eingesparte Geld für gebeutelte Kulturschaffende spenden. Doch daraus wird wohl nichts: Das Ordnungsamt der Gemeinde hat sein Veto eingelegt.

Bedauert wird die Absage von beiden Seiten, wie alle Beteiligten versichern. Friedhelm Klemp war nach eigener Aussage auf einem guten Weg, seine Idee zu realisieren. „Ich hatte schon ein Konzept fertig und sogar auch personelle Unterstützung gefunden“, berichtet Klemp. „Am Silvestertag sollten in beiden großen Kirchen der Gemeindemitte in der Zeit von 12 bis 15 Uhr verschiedene Kleinkunst-Aktionen stattfinden.“

Kirchengemeinde gaben bereits positive Signale

Fraktionsvorsitzender der Grünen: Friedhelm Klemp. (Foto: privat)
Ratsmitglied der Grünen: Friedhelm Klemp. (Foto: privat)

Claudia Brühl-Vonhoff, die evangelische Pfarrerin, und auch ihr katholischer Kollege Bernhard Middelanis hatten schon signalisiert, die Aktion im Rahmen der ja schon bestehenden kirchlichen Sicherheitskonzepte durchführen zu wollen. „Es gab auch die Idee, sich mit eigenen Beiträgen und Orgelmusik zu beteiligen“, behauptet Klemp. „Es hätte nur noch kurz mit den kirchlichen Gremien abgestimmt werden müssen.“

Auch ein Gespräch mit dem Gastronom Jens Reckermann hatte Klemp schon gesucht, um einen Straßenverkauf zu organisieren. Das sei unzulässig, habe der Gastronom ihm gleich klar gemacht, so Klemp. „Aber Jens Reckermann hätte uns seine überdachte Terrasse draußen für Aktionen zur Verfügung gestellt.“  

Dort hätten dann auch der Saxophonist Peter Sagurna, der Sänger Kim Friehs oder Norbert Grüger mit seiner Combo Kurzauftritte haben sollen. „Alle Drei und noch ein paar andere Künstler aus der Gemeinde, wie der Comedian Christian Biermann, hatten schon erklärt, mitmachen zu wollen“, versichert Friedhelm Klemp. Michael Klimziak, der Vorsitzende des Kulturausschusses, hatte ebenfalls seine Unterstützung zugesagt, versichert Klemp.

Die Verwaltungsspitze war informiert: „Der Beigeordnete Bernd Kasischke fand die Idee okay, hat mich aber auf die Zuständigkeit des Ordnungsamtes verwiesen“, berichtet Friedhelm Klemp. „Matthias Aufermann wollte die Aktion dann übermorgen für die Verwaltung im Kulturausschuss vorstellen.“

Ordnungsamt muss Absage erteilen

Stefanie Heinrich (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
Stefanie Heinrich (Foto: P. Gräber – Emscherblog)

Das wird es wohl nicht mehr nötig sein. Denn noch am Wochenende hat sich Ordnungsamtsleiterin Stefanie Heinrich aus dem Home-Office gemeldet und Klemp auf den harten Boden der Corona-Realität zurückholen müssen. „Grundsätzlich ist seine Idee ja wirklich gut“, findet die Ordnungsamtsleiterin. „Aber leider sind wir aufgrund der aktuellen Situation vom Land angehalten, alle Kontakte zu reduzieren oder sogar möglichst zu vermeiden.“ Tatsache sei nun einmal: Selbst bei kleinen Auftritten und Aktionen würden Leute aufmerksam, blieben stehen und bildeten kleine Gruppen. „Wenn wir das mitbekommen, müssten wir die Ansammlung sowieso auflösen“, sagt Stefanie Heinrich. „Auch wenn jemand nur ein Lied auf der Gitarre im Park spielt und damit ein paar Leute anlockt, ist das schon nicht mehr zulässig.“

Theoretisch wäre es schon möglich, solo im Park ein Lied auf der Gitarre zu spielen oder zu singen, erläutert Heinrich, „Aber sobald jemand stehen bliebe und Menschen zusammenkämen, müsste er aufhören damit.“ Das strikte Verbot trifft übrigens nicht nur weltliche Kleinkunst, auch die Kirchen. „Außer dem Gottesdienst darf auch nichts anderes in den Kirchen stattfinden“, betont die Ordnungsamtsleiterin. „Leider müssen wir im Moment alles unterbinden, was Veranstaltungscharakter hat“, bedauert Heinrich. „So schwer es auch fällt, aber die Corona-Fallzahlen gehen noch immer nach oben.“

„Leider müssen wir im Moment alles unterbinden, was Veranstaltungscharakter hat. So schwer es auch fällt, aber die Corona-Fallzahlen gehen noch immer nach oben.“

Stefanie Heinrich (Leiterin Ordnungsamt)

Tatsächlich fällt es auch der Ordnungsamtsleiterin nicht leicht, ständig als Spielverderberin auftreten zu müssen. Dafür hat selbst der enttäuschte Friedhelm Klemp Verständnis. Beide trösten sich jetzt damit, wie sie sagen, dass die Grundidee der Aktion „Kleinkunst statt Böller“  nur aufgeschoben ist und vielleicht auch noch im kommenden Jahr umgesetzt werden kann.

Kleinkunst statt Böller


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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