Warum es in Holzwickede keinen Platz für einen Kindergarten gibt

Nach dem Beschluss des Umweltausschusses gibt es keine Sieger – verloren haben alle in Holzwickede. Dass die Gemeinde seit fast drei Jahren nicht in der Lage ist, einen Standort für einen Kindergarten auszuweisen ist eine Katastrophe für ein Gemeinwesen, das den erklärten Anspruch hat, familien- und kinderfreundlich zu sein. Dafür müsste sich jeder im Rat ohne Ausnahme schämen. Um es klar zu sagen:  Zu verantworten haben dieses Desaster alle gemeinsam in Rat und Verwaltung.

Wer verstehen will, wie es zu diesem kollektiven Versagen kommen konnte, muss sich vergegenwärtigen, dass die politische Verantwortung bei den gewählten Volksvertretern im Gemeinderat liegt, die Ratsmitglieder aber in der Regel über keine Fachkompetenzen verfügen. Diese liegen bei den Mitarbeitern der Verwaltung. Geht es um Fragen des Baurechts, rechtliche Einschätzungen, das Haushaltsrecht usw. sind die Ratsmitglieder auf die Informationen angewiesen, die ihnen von den Fachleuten der Verwaltung vorgegeben werden.

Fehlende Erfahrung 

Nun sieht die Verfassung von NRW nach ihrer jüngsten Reform ausdrücklich vor, dass eine Kommunalverwaltung auch von Personen geleitet werden darf, die über keinerlei Erfahrung in der Verwaltung oder Politik verfügen. Die Rede ist natürlich von den hauptamtlichen Bürgermeistern einer Kommune, die, als einzige Voraussetzung, direkt von den Bürgern gewählt werden. Auch in Holzwickede ist in der Person von Ulrike Drossel eine politisch wenige erfahrene und verwaltungstechnisch sogar völlig unerfahrene Bürgermeisterin ins Amt der Verwaltungschefin gekommen. Ihre fehlenden Verwaltungskenntnisse sind Ulrike Drossel dabei keineswegs vorzuwerfen. Vielmehr sind die, wie gerade dargestellt, vom Gesetzgeber in NRW gar nicht gefordert.

Fehlende Kompetenz

Ulrike Drossels persönliche Tragik ist nun, dass kurz nach ihrem Amtsantritt durch den unerwarteten Tod zunächst des Fachbereichsleiters Technische Dienste und anschließend des 1. Beigeordneten ein ganz erheblicher Teil der Fachkompetenz in der Holzwickeder Verwaltung verloren ging. Als Konsequenz aus dieser tragischen Entwicklung  wurde die Holzwickeder Verwaltung plötzlich von einer Laiin geführt, die auch nicht mehr auf die langjährige Erfahrung und fundierten Kenntnisse von zwei ihrer wichtigsten Mitarbeiter zurückgreifen konnte.

Inzwischen sind die beiden verwaisten beiden Stellen zwar nachbesetzt. Doch fachliche Kompetenz ist nicht alles: Langjährige Erfahrung und fundierte Kenntnisse der lokalen Gegebenheiten können nicht von heute auf morgen erworben werden.

Fehlendes Vertrauen

Das zeigt sich gerade bei der Standortsuche für die neue Kita: Mit einem Jens-Uwe Schmiedgen oder Uwe Detlefsen im Amt wäre es wahrscheinlich gar nicht erst zu so konfliktbeladenen Standortvorschlägen wie am Aachener Weg, auf dem Festplatz und im Emscherpark gekommen. Mit ziemlicher Sicherheit wäre auch die Weigerung eines Grundeigentümers an der Rausinger Halle, einen schmalen Streifen Land für die Kita abzugeben, nicht einfach so akzeptiert worden.

Eine weitere Konsequenz dieser, sagen wir mal: Abstinenz von Verwaltungserfahrung, ist: Holzwickedes Politiker, die es in der Vergangenheit gewohnt waren, von ihrer Verwaltung umfassend und verlässlich darüber informiert zu werden, was nötig und möglich ist, fühlen sich in der Standortfrage inzwischen nicht mehr richtig informiert und trauen ihrer eigenen Verwaltung nicht mehr über den Weg. Auch vor diesem Hintergrund ist etwa das unwürdige Schauspiel zu sehen, das die stellvertretende Bürgermeisterin und der Erste Beigeordnete in der Ratssitzung am 12. Juli boten. 

Um nicht falsch verstanden zu werden: Es geht hier nicht um Schuldzuweisungen, sondern den Versuch einer Erklärung, wie es dazu kommen konnte, dass in Holzwickede anscheinend kein Standort für einen Kindergarten gefunden werden kann.

Fehlende Moderation

Was der Bürgermeisterin als Erster unter Gleichen jedoch vorzuwerfen ist, ist dass Ulrike Drossel es bei der Standortsuche für die Kita nie verstanden hat, die vorhandenen Konflikte und Gegensätze zu moderieren und auszugleichen. Um nur ein konkretes Beispiel zu nennen: Statt im Streit um einen Standort mit ihrer eigenen Stimme den entscheidenden Ausschlag zu geben, hätte sie erkennen müssen, dass es besser wäre, eine breitere Mehrheit zu schaffen. Natürlich darf und muss auch die Bürgermeisterin eine Meinung haben und so abstimmen dürfen. Doch eine Bürgermeisterin darf sich nicht zur Parteisoldatin machen, sondern muss als erste Bürgerin die Interessen aller Menschen in der Gemeinde berücksichtigen und vertreten. Leider ist Holzwickedes Bürgermeisterin in der Standortfrage von Anfang an nicht die nötige Moderatorin gewesen, sondern hat sich zum Teil des Problems gemacht.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Dabei wäre gerade jetzt eine politische Moderation nötiger denn je, wenn es überhaupt noch gelingen soll, eine mehrheitsfähige Lösung für einen Kita-Standort zu finden. Allerdings: Dass von der Bürgermeisterin zur vertrackten Situation nach dem Umweltausschuss bislang noch gar nichts zu vernehmen war, stattdessen ihr Ehemann in den sozialen Medien weiter gegen die Befürworter des Standortes im Emscherpark unter der Gürtellinie nachtritt und ihr Stellvertreter und Beigeordneter im Rathaus sich immer noch nichts anderes vorstellen kann, als dass der bereits abgelehnte alte  Standort auf dem Festplatz noch einmal zur Abstimmung kommt, lässt wenig hoffen für die Zukunft.

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visage

Dipl.-Journalist

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