Umweltausschuss mit Krähenpopulation befasst: Vergrämung eine stumpfe Waffe

Die Popu­la­tion in Holzwickede ist auf 240 Brut­paare leicht gesunken: die gemeine Saat­krähe (Corvus fru­gi­leus). (Foto aus: Doku­men­ta­tion Ralf Scholz).

Das lei­dige Pro­blem der Saat­krähen im Gemein­de­ge­biet stand im Mit­tel­punkt der Umwelt­aus­schuss­sit­zung am Mon­tag­abend. Die CDU hatte „die Erstel­lung eines kom­mu­nalen Akti­ons­plans zur Ein­däm­mung der Krä­hen­plage unter Betei­li­gung externen Sach­ver­standes am Bei­spiel der Stadt Soest“ bean­tragt. Um es gleich vorweg zu nehmen: Wei­tere Maß­nahmen zur Ver­grä­mung der Krähen, als die bereits prak­ti­zierten, wird es nicht geben in Holzwickede.

Im Fach­aus­schuss nahm Peter Driesch, Fach­be­reichs­leiter Natur und Umwelt beim Kreis Unna, aus­führ­lich Stel­lung zum Thema. Zur For­de­rung der CDU, die Ver­wal­tung möge sich des externen Sach­ver­standes der Stadt Soest in dieser Sache ver­si­chern, hatte die Ver­wal­tung bereits in ihrer Beschluss­vor­lage erklärt, dass man 1. bereits seit län­gerer Zeit schon im fach­li­chen Aus­tausch mit der Stadt Soest steht und 2. die Situa­tion in Soest nicht mit der in Holzwickede ver­gleichbar ist: In der Stadt Soest gibt es ca. 6.000 Brut­paare an 22 Kolo­nie­stand­orte. In Holzwickede wurden im Jahr 2017 ledig­lich 293 Brut­paare in vier Kolo­nien gezählt. Seitdem ist die Zahl sogar noch um 53 auf aktuell 240 Brut­paare zurück­ge­gangen.

Krähenpopulation leicht rückläufig

Laf­ge­plan aus der Beschluss­vor­lage der Ver­wal­tung.

Fach­be­reichs­leiter Peter Driesch erläu­terte im Fach­aus­schuss zunächst noch einmal die Rechts­lage. Danach ist die Saat­krähe (Corvus fru­gi­leus) durch EU-Gesetz­ge­bung (Vogel­schutz­richt­linie) und das Bun­des­na­tur­schutz­ge­setz geschützt. Die nach dem Lan­des­recht zustän­dige Behörde ist das Kreis-Umweltamt, das nicht will­kür­lich über eine Ver­grä­mung, son­dern nach Rechts­lage ent­scheiden muss. Danach müssen „zwin­gende Gründe des über­wie­gend öffent­li­chen Inter­esses“ vor­liegen, um die geschützten Vögel zu ver­grämen. Wobei es nach der Recht­spre­chung beim Schutz der Gesund­heit „nicht um das Inter­esse Ein­zelner, son­dern um das öffent­liche Gut der Gesund­heit“ gehe, erläu­terte Driesch.

Kon­kret ist die die Zahl der Saat­krähen in der Gemeinde Holzwickede leicht rück­läufig (- 18%). Die 240 Brut­paare ver­teilen sich auf vier Stand­orte: an der Chaussee (seit 2016: 27), an der Rausinger-/Nord­straße (seit 2000: 29), im Emscher­park (Seit 2007: 106) sowie an der kath. Kirche/​Hauptstraße (seit 2002: 131) Ver­grämt werden dürfen Saat­krähen nach Geset­zes­lage nur vor der Eiab­lage (bis 15. März) sowie nach der Brut­zeit (ab 15. Juli).

Abge­sehen vom recht­li­chen Aspekt wird die Zahl der Krähen durch eine Ver­grä­mungs­ak­tion nicht unbe­dingt geringer, ihr Vor­kommen wird nur anders ver­teilt, so der Kreis-Umwelt­amts­leiter. „Es gibt auch kein Patent­re­zept, wie man am besten die Krähen ver­grämt. Wir nutzen zwar schon mit dem Aus­nehmen der Nester eine recht effek­tive Methoden, aber im Grunde han­delt es sich immer nur um die Methode Ver­such und Irrtum.“

Da auch einige beson­ders Bürger anwe­send waren wurden aus­nahms­weise auch Zwi­schen­fragen gestattet. So wollten etwa ein Aloy­si­us­schüler und seine Mutter wissen, warum der Kreis zwar einer Ver­grä­mung der Krähen am katho­li­schen Kin­der­garten geneh­migt, an der Aloy­si­us­schule gegen­über aber nicht geneh­migt hat. Es seien zwei Mit­ar­beiter des Kreis-Umwelt­amtes vor Ort gewesen, ant­wor­tete Peter Driesch: „Unser Ein­druck war, dass die Krähen an der Aloy­si­us­schule eher auf der abge­le­genen Seite des Schul­hofes waren.“ Dort gebe es sieben Nester. „Außerdem gibt es die näch­sten Nester schon wieder ein paar Meter weiter vor der katho­li­schen Kirche.“ Die Besei­ti­gung der Nester an der Schule wäre des­halb nicht ziel­füh­rend.

Vertretbare Lösungsansätze

Ich schicke noch einmal meine Mit­ar­beiter raus, damit sie sich die Situa­tion ansehen.“

Peter Driesch

Dass die Kinder der Aloy­si­us­schule nicht beein­träch­tigt würden, sei falsch, mel­dete sich eine Mutter im Aus­schuss. Mit dra­sti­schen Worten schil­derte sie, dass ihr Sohn und die anderen Kinder in den Pausen „gezwungen sind, auf der Sch…e zu spielen“. Peter Driesch ver­sprach dar­aufhin: „Ich schicke noch einmal meine Mit­ar­beiter raus, damit sie sich die Situa­tion ansehen.“

Zuständig für die Rei­ni­gung der Hin­ter­las­sen­schaften der Krähen sind die Grund­ei­gen­tümer. Rund um die katho­li­sche Kirche ist das die Kir­chen­ge­meinde, nicht die Kom­mune. Eine gestresste Anwoh­nerin aus dem Bereich Allee beklagte, dass es im Zusam­men­hang mit den Krähen „immer nur um den Dreck“ gehe. Ihr größtes Pro­blem sei die Lärm­be­lä­sti­gung vom frühen Morgen bis um 21.30 Uhr. Das gehe schon seit Jahren so und habe sie krank und aggressiv gemacht. Tat­säch­lich bestä­tigt der Kreis: Eine Ver­schmut­zung allein recht­fer­tige noch keine Ver­grä­mung. 

Ein­stimmig ver­stän­digte sich der Umwelt­aus­schuss schließ­lich auf fol­gende „arten­schutz­recht­lich ver­tret­baren Lösungs­an­sätze“:

  • Ste­tige Beob­ach­tung der Niststätten/​bzw. durch Saat­krähen besie­delten Gemein­de­bäume im Rahmen der jähr­li­chen Baum­pflege, u.a. Ent­nahme alter Nester im Herbst für die beiden geneh­migten Stand­orte Markt­platz und Spiel­platz Emscher­park.
  • Für alle Kon­flikt­be­reiche werden bei akuter Ver­schmut­zung wäh­rend der Zeit von Februar bis Juli bereits zusätz­liche Säu­be­rungen von Geh­wegen und Plätzen im Rahmen der Stra­ßen­rei­ni­gung berück­sich­tigt. Inwie­weit diese Maß­nahmen noch ver­stärkt werden können ist letzt­end­lich auch eine Frage der Kapa­zi­täten des Bau­be­triebs­hofes.
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