Möchtegern-Dealer kippt mit Marihuana-Plantage auf: 18 Monate Haft zur Bewährung

Wegen des Anbaus und Han­dels nicht uner­heb­li­cher Mengen an Betäu­bungs­mit­teln ist ein 28-jäh­riger Holzwickeder heute (25. Juni) vor dem Schöf­fen­ge­richt in Unna zu einem Jahr und sechs Monaten Haft ver­ur­teilt worden. Seine Strafe wurde zur Bewäh­rung auf zwei Jahre aus­ge­setzt. Unterm Strich ist der Ange­klagte mit diesem Urteil noch glimpf­lich davon gekommen.

Denn es hätte auch sehr viel schlimmer für ihn kommen können: Am 22. August vorigen Jahres ent­deckten Poli­zei­be­amten in seiner Woh­nung in der Reu­ter­straße eine Can­nabis-Plan­tage, 300 Gramm Mari­huana und knapp 500 Gramm Amphet­amine samt Equip­ment. Allein die Can­nabis-Plan­tage hätte nach der Ernte 1,8 Kilo­gramm Mari­huana für den Stra­ßen­ver­kauf ergeben, berech­neten die Dro­gen­fahnder.

Auf der Ankla­ge­bank zeugte sich der 28-Jäh­rige heute voll geständig und vor allem reuig: „Ich lebe getrennt von meiner Frau und habe 25.000 Euro Schulden“, gab er auf Nach­frage von Richter Jörg Hücht­mann als sein Motiv an. „Ich dachte, ich könnte meine Schulden mit den Drogen aus der Welt schaffen. Aber damit habe ich mich völlig über­nommen. Schon der erste Ver­such ging total daneben.“

Zum Drogenverkauf kam es nicht

Zu einem Ver­kauf von Drogen kam es auch gar nicht erst. Denn bevor er einen wei­teren Ver­such unter­nehmen konnte, kippte der Möch­te­gern-Dealer auf. Die 300 Gramm Mari­huana, die bei ihm gefunden wurden, waren die Drogen aus dem ersten Ver­such. Die knapp 500 Gramm Amphet­amine samt Zubehör gehörten dem Holzwickeder gar nicht. Viel­mehr lagerte er nur zwi­schen für einen Bekannten. Keine Über­ra­schung: Von diesem Bekannten will er nichts mehr gehört haben, nachdem er auf­ge­kippt war. Aller­dings ver­wei­gerte der Ange­klagte auch wei­tere Infor­ma­tionen zu diesem Bekannten – selbst auf die Gefahr hin, dass ihm dies zu seinen Lasten vom Gericht aus­ge­legt wird.

Der Bekannte gehört zu einer Gruppe richtig schwerer Jungs“, nannte sein Ver­tei­diger den Grund für die Ver­schwie­gen­heit seines Man­danten. „Das sind Liba­nesen und mein Man­dant müsste mit Restrik­tionen dieser Gruppe rechnen.“

Dass dem Ange­klagten seine Tat, aber auch die Tren­nung von seiner Frau schwer zu schaffen machen, zeigten nicht zuletzt die Tränen, die ihm bei seiner Aus­sage kamen. Seine Schulden ver­suche er Stück für Stück abzu­ar­beiten. „Das ist sehr schwierig“, so der berufs­tä­tige Vater von zwei Kin­dern. „Aber ich komme zurecht.“ Auf keinen Fall wolle er den Schul­den­abbau noch einmal mit ille­galen Mit­teln beschleu­nigen. Auch die Schuld­ner­be­ra­tung der AWO hat der Holzwickeder schon in Anspruch genommen.

Amphetamine für Libanesen nur verwahrt

Das Vor­stra­fen­re­gi­ster des Ange­klagten ist blü­ten­weiß. Alles das berück­sich­tigte auch die Staats­an­wältin in ihrem Plä­doyer zugun­sten des Ange­klagten. Aller­dings seien die vor­ge­fun­denen mengen Betäu­bungs­mittel „keine uner­heb­liche Menge“, wes­halb nur eine Frei­heits­strafe in Betracht komme. Auf­grund der genannten Umstände sei die Tat trotzdem noch als min­der­schwerer Fall ein­zu­stufen und die Strafe zur Bewäh­rung aus­zu­setzen. Des­halb for­derte die Ankla­ge­ver­tre­terin ein Jahr und sechs Monate Haft zur Bewäh­rung aus­ge­setzt für den 28-Jäh­rigen.

Ich gehe davon aus, hier nie wieder etwas von Ihnen zu hören.“

Richter Jörg Hücht­mann

Dem konnte sich auch sein Ver­tei­diger anschließen. Dass seinem Man­daten die Tat auf­richtig leid tut, so der Ver­tei­diger, habe jeder im Saal heute sehen können. „Es war eine Tat aus Ver­zweif­lung. Mein Man­dant hängt sehr an seiner Frau und er dachte, er könne sie durch die Redu­zie­rung der Schulden zurück­ge­winnen.“ Dass dies „eine Sack­gasse“ war, habe er inzwi­schen ein­ge­sehen.

Mit dem Urteil folgte das Gericht der For­de­rung der Staats­an­walt­schaft. Der 28-Jäh­rige sei „sicher kein eis­kalter Dealer, dessen Han­deln allein durch Gewinn­ma­xi­mie­rung bestimmt ist“, so die Begrün­dung von Richter Jörg Hücht­mann. Die erste Ernte sei dane­ben­ge­gangen und auf die Amphet­amine habe er nur auf­passen wollen. Mensch­lich sei das alles nach­voll­ziehbar. Doch inzwi­schen habe der Ange­klagte ein­ge­sehen, dass „die Lösung“ der Pro­bleme, die er damals wählte, „völlig unan­ge­messen“ gewesen sei. Die Strafe zur Bewäh­rung aus­zu­setzen sei kein Pro­blem. „Ich gehe davon aus, hier nie wieder etwas von Ihnen zu hören.“ Sein Bewäh­rungs­helfer könne ihm zudem eine zusätz­liche Hilfe und Stütze bei der Bewäl­ti­gung seiner Schulden sein.

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