Knappe Mehrheit: Politik will eigenständige Bücherei vor Ort erhalten

Der Ausschuss für Schue, Sport, Kultur und Städtepartnerschaften tagte heute in der Bücherei. Navch längerer Diskussion empfahl der Ausschuss mit knapper Mehrheit erhebliche Investitionen in ein zukunftsträchtiges Konzept und die Einrichtung eigenständig weiterzuführen. (Foto: Peter Gräber)

Der Aus­schuss für Schu­le, Sport, Kul­tur und Städ­te­part­ner­schaf­ten tag­te heu­te in der Büche­rei. Nach län­ge­rer Dis­kus­si­on emp­fahl der Aus­schuss mit knap­per Mehr­heit die Ein­rich­tung eigen­stän­dig wei­ter­zu­füh­ren, ver­bun­den mit erheb­li­chen Inve­sti­tio­nen in ein zukunfts­träch­ti­ges Kon­zept. (Foto: Peter Grä­ber)

Die gute Nach­richt ist: Mit knap­per Mehr­heit von Bür­ger­block,  FDP und Grü­nen emp­fahl der Aus­schuss für Schu­le, Sport, Kul­tur und Städ­te­part­ner­schaf­ten heu­te die Gemein­de­bi­blio­thek als eigen­stän­di­ge Büche­rei in Holzwicke­de wei­ter­zu­füh­ren und die erfor­der­li­chen Haus­halts­mit­tel dafür bereit­zu­stel­len.

Die schlech­te Nach­richt ist: Ob der „Dau­er­pa­ti­ent“ Büche­rei mit die­ser Emp­feh­lung das Kran­ken­bett bald als geheilt ver­las­sen kann,  muss bezwei­felt wer­den. Denn sel­ten war sich die Poli­tik in einer so wich­ti­gen Fra­ge so uneins: Die acht Ja-Stim­men der klei­ne­ren Frak­tio­nen reich­ten aus, um die Emp­feh­lung abzu­ge­ben. Die SPD hat­te dage­gen eine Zusam­men­ar­beit mit dem zib in Unna favo­ri­siert und dage­gen gestimmt. Die CDU will die Büche­rei gleich ganz schlie­ßen, weil sie über­flüs­sig gewor­den i. Sel­ten hält die Büche­rei auf­grund der gerin­gen Nut­zer­zah­len inzwi­schen  für über­flüs­sig und sprach sich für die kom­plet­te Schlie­ßung  der Ein­rich­tung aus. Des­halb stimm­ten auch ihre Mit­glie­der gegen die Emp­feh­lung.

Dis­ku­tiert wird über die Zukunft der Büche­rei ja schon sehr lan­ge. Vor der Abstim­mung hat­te Büche­rei­lei­te­rin Kri­sti­na Truß das Pro­blem noch ein­mal anhand ihres Büche­rei-Berichts 2015 deut­lich gemacht. Danach ver­fügt die Büche­rei aktu­ell über einen Bestand von 17.331 Medi­en und gera­de ein­mal noch 631 akti­ve Leser. Die­se sorg­ten im Vor­jahr für 22.259 Aus­lei­hen. Ver­an­stal­tun­gen, Füh­run­gen für Schu­len oder ande­re Aktio­nen fin­den so gut wie nicht mehr statt. Im lau­fen­den Jahr ist nur eine ein­zi­ge Ver­an­stal­tung geplant. „Damit ist die Büche­rei kaum mehr als eine Aus­leih­stel­le“, zog Ange­li­ka Truß im Aus­schuss Bilanz.

Nur 631 aktive Leser — Bücherei noch nicht internetfähig

Auch um ihre Zukunft ging es: Büchereileiterin Kristina Truß (stehend) stellte den Büchereibericht 2015 vor.(Foto: peter Gräber)

Auch um ihre Zukunft ging es: Büche­rei-Lei­te­rin Kri­sti­na Truß (ste­hend) stell­te den Büche­rei-Bericht 2015 vor.(Foto: Peter Grä­ber)

Rund 4.000 ver­al­te­te Medi­en hat die Büche­rei­lei­te­rin gera­de erst aus­sor­tiert. Der Medi­en­be­stand wird zwar durch eine Art Abon­ne­ment (Stan­ding Order) regel­mä­ßig auf­ge­füllt, aller­dings nur noch in den stark nach­ge­frag­ten Berei­chen, so dass es etwa kei­nen kom­plet­ten Sach­buch­be­stand mehr gibt. Grün­de für die­se kata­stro­pha­le Bilanz gibt es vie­le. Eine schlech­te per­so­nel­le Beset­zung, aber auch ein mit den Jah­ren ver­än­der­tes Nut­zer­ver­hal­ten  sind nur zwei davon. So haben heut­zu­ta­ge digi­ta­le Medi­en den glei­chen Stel­len­wert wie bedruck­tes Papier. In der Holzwicke­der Büche­rei gibt es dage­gen nicht ein­mal kosten­lo­sen WLAN für die Nut­zer.

Für ein zukunfts­träch­ti­ges Kon­zept müs­sen auf jeden Fall erheb­li­che finan­zi­el­le Mit­tel bereit­ge­stellt wer­den.  Wobei es finan­zi­ell kaum einen Unter­schied macht, ob die Büche­rei in Koope­ra­ti­on mit der Stadt Unna oder selbst­stän­dig wei­ter­ge­führt wür­de. Denn in dem einen wie in dem ande­ren Fall soll die Büche­rei einem Onlei­he-Ver­bund bei­tre­ten und eine OPAC-Schnitt­stel­le erhal­ten, so dass Medi­en künf­tig auch online aus­ge­lie­hen wer­den kön­nen. Unter den ein­ma­li­gen Inve­sti­ti­ons­ko­sten sind das schon die größ­ten Posten, wobei die Gemein­de hier sogar auf Lan­des­zu­schüs­se in Höhe von 60 Pro­zent rech­nen darf.  Den ein­zi­gen nen­nens­wer­ten Kosten­un­ter­schied (12.000 Euro) hät­te bei einer Zusam­men­ar­beit mit zib  der Boten­dienst zwi­schen Unna und Holzwicke­de aus­ge­macht. Denn es war geplant, dass Leser in Holzwicke­de in Unna wie vor Ort in Holzwicke­de Medi­en aus­lei­hen und abge­ben kön­nen soll­ten. Zudem hät­te es täg­li­che Medi­en­lie­fe­run­gen an Schu­len, Kin­der­gär­ten und die bei­den Pfle­ge­hei­me in Holzwicke­de gege­ben. Dafür hät­ten sich die Holzwicke­der bei einer Koope­ra­ti­on mit Unna sozu­sa­gen ins gemach­te Bett legen und sofort von einem grö­ße­ren medi­en­be­stand und erfah­re­nen Fach­per­so­nal pro­fi­tiert.

Satte Investitionen in zukunftsträchtige Bibliothek geplant

So aber emp­fahl der Aus­schuss nun  die Inve­sti­tio­nen in eine selbst­stän­di­ge Büche­rei: Mit 32.500 Euro ein­ma­li­gen Inve­sti­ti­ons­ko­sten und lau­fen­den Kosten von jähr­lich 62.170 Euro rech­nen die Ver­wal­tung.

Wobei Käm­me­rer Rudi Grüm­me deut­lich gemacht hat­te, dass es sich bei die­sen frei­wil­li­gen Lei­stun­gen nur einen Teil der tat­säch­li­chen Kosten han­delt. Denn ver­an­schlagt man Kosten für bau­li­chen Unter­halt, Soft­ware-Lizen­zen usw. sei man schon bei rund 98.500 Euro jähr­li­chen Kosten für die Büche­rei. Nach Abzug aller Ein­nah­men und Spen­den, so Grüm­me wei­ter,  ver­blei­be unterm Strich am Jah­res­en­de ein Defi­zit von rund 96.400 Euro für die Büche­rei.

Alle Ver­su­che in der Ver­gan­gen­heit, die Büche­rei zu ret­ten, sind geschei­tert. Durch ihr Nut­zer­ver­hal­ten haben die Holzwicke­der die Fra­ge nach einem Bedarf für eine eige­ne Büche­rei selbst beant­wor­tet.“

Frank Laus­mann, CDU-Vor­sit­zen­der

Dies war wohl auch der Grund, war­um sich die CDU gegen den Fort­be­stand der Büche­rei aus­sprach. „Alle Ver­su­che in der Ver­gan­gen­heit, die Büche­rei zu ret­ten, sind geschei­tert“, so ihr Spre­cher Frank Laus­mann. „Durch ihr Nut­zer­ver­hal­ten haben die Holzwicke­der die Fra­ge nach einem Bedarf für eine eige­ne Büche­rei selbst beant­wor­tet.“

Räumliche Veränderung auch später noch möglich

Die ande­ren Frak­tio­nen wol­len die Büche­rei jedoch als Bil­dungs- und Kul­tur­ange­bot erhal­ten. Die Grü­nen hat­ten sich zwar noch einen Vor­schlag der Ver­wal­tung zur Ver­le­gung der Büche­rei in die Gemein­de­mit­te erhofft.  Doch Aus­schuss­vor­sit­zen­der Micha­el Klim­ziak mach­te deut­lich, dass es in der Sit­zung heu­te um das inhalt­li­che Kon­zept gehe. „Über eine räum­li­che Ver­le­gung kön­nen wir spä­ter immer noch dis­ku­tie­ren.“

Der Bür­ger­block hat­te eine Woche vor der Sit­zung erst eine Befra­gung vor der Büche­rei durch­ge­führt und will dabei erfah­ren haben, so die Spre­che­rin Stef­fie Mei­er, „dass sich eine Mehr­heit der Befrag­ten für eine selbst­stän­di­ge Büche­rei aus­ge­spro­chen“ habe, weil bei einer Koope­ra­ti­on mit Unna über kurz oder der lang der Ver­lust der Büche­rei vor Ort zu befürch­ten sei. Für sei­nen eige­nen Vor­schlag, die Büche­rei über einen För­der­ver­ein zu tra­gen, konn­te der Bür­ger­block kei­ne der Frak­tio­nen gewin­nen, wes­halb er sich der Emp­feh­lung der FDP anschloss, die Büche­rei selbst­stän­dig vor Ort mit wei­te­ren Inve­sti­tio­nen zu stüt­zen.

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visage

Dipl.-Journalist

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