Bürgerblock-Zählung: „Sölder Straße verkraftet keine zusätzlichen Verkehre“

Bei seiner Verkehrszählung ist der Bürgerblock zu anderen Ergebnissen gekommen als die drei Verkehrsgutachter vor ihm: der Einmündungsbereich Sölder Straße in die Hauptstraße stand im Fokus der Zählung. (Foto: P. Gräber - Emscherblog.de)
Bei seiner Verkehrszählung ist der Bürgerblock zu anderen Ergebnissen gekommen als die drei Verkehrsgutachter vor ihm: der Einmündungsbereich Sölder Straße in die Hauptstraße stand im Fokus der Zählung. (Foto: P. Gräber – Emscherblog.de)

Drei Verkehrsgutachter haben inzwischen die Situation auf der Sölder Straße überprüft. Da die Ergebnisse bzw. Interpretationen der Gutachter nicht mit dem subjektiven Empfinden vieler Bürger übereinstimmen, führte der Bürgerblock am 21. November eine eigene Verkehrszählung durch (Emscherblog berichtete). Und siehe da: Der Bürgerblock kommt zu etwas anderen Ergebnissen:

Gezählt wurde in zwei Schichten, und zwar morgens, bei frostigen Temperaturen, von 6 bis 10 Uhr sowie am Nachmittag von 15 bis 19 Uhr. Erfasst wurden alle Verkehrsbewegungen, sowohl Kraftfahrzeuge wie Radfahrer.

Das Ergebnis in nüchternen Zahlen: In den Morgenstunden wurden 839 Fahrzeuge gezählt, die von der Hauptstraße in die Sölder Straße einbogen (und umgekehrt). Am Nachmittag stieg die Verkehrsbelastung um 500 Fahrzeuge erheblich an auf insgesamt 1 375 Fahrzeuge. Die Wartezeit Betrug durchschnittlich 20 Sekunden. In dieser Zeit flossen alle Fahrzeuge ab, wobei die Schlange bis auf maximal fünf Fahrzeuge anwuchs. In der Spitze wurde eine Wartezeit von 45 Sekunden registriert. (Zum genauen Ergebnis der Verkehrszählung s. die Tabelle unten)

Wie interpretiert der Bürgerblock dieses Ergebnis nun?

„In Ermangelung konkreter Vergleichszahlen und Bewertungsgrundlagen kann das Zählergebnis nur mit den subjektiven Beobachtungen analysiert werden“, räumt Heinrich Schlinkmann ein. Trotzdem stellt der der BBL-Sprecher anhand der Zahlen fest, „dass die Sölder Straße im jetzigen Ausbauzustand, insbesondere in den Nachmittagsstunden, keine zusätzlichen Verkehre verkraftet“. Der Verkehrsfluss auf der Sölder Straße wurde nach Beobachtungen der BBL-Mitglieder durch parkende Fahrzeuge erheblich gestört, was zu „ständigen Stop-and-go-Situationen“ führt. „So gesehen ist die Sölder Straße eine Einbahnstraße für zwei Richtungen“, meint Heinrich Schlinkmann.


„So gesehen ist die Sölder Straße eine Einbahnstraße für zwei Richtungen.“

Heinrich Schlinkmann, BBL-Sprecher

Nach der Einschätzung der Verkehrsplaner wird sich die Verkehrsmenge durch den Wohnpark Emscherquelle um 850 Fahrzeuge erhöhen, was einer Steigerung von 38 % entspricht. Die Prognose der Verkehrsplaner, dass nur etwa die Hälfte über die Sölder Straße abfließen und der andere Teil über die Schäferkampstraße bzw. in Richtung Dortmund-Sölde abfließen wird, hält der Bürgerblock für zweifelhaft: Die beiden letztgenannten Wege „sind alles andere als attraktive, alternative Verkehrsverbindungen“.
Auch in Bezug auf die Wartezeiten an der Einmündung Sölder- und Hauptstraße widerspricht der Bürgerblock den Verkehrsgutachtern: „Hier haben wir schon jetzt Werte ermittelt, die von dem Planer als Wartezeit nach Fertigstellung des Baugebietes prognostiziert werden. Als Grenze sieht er hier 45 Sekunden an. Dieser Wert wurde, wie gesagt, teilweise schon heute schon erreicht.“

Radverkehr äußerst problematisch

Als „äußerst problematisch“ sieht der Bürgerblock auch den Radverkehr an: Selbst an dem sehr kalten Tag der Verkehrszählung wurden 33 Fahrradfahrer gezählt (mit besonderer Konzentration zwischen 7 und 8 Uhr). Dabei handelt es sich offensichtlich überwiegend um Schüler des Schulzentrums an der Opherdicker Straße. In Ermangelung eines eigenen Radweges wickelt sich dieser Radverkehr auf der engen Fahrbahn ab, was nicht ungefährlich ist. Dieser Brisanz sind sich die Schüler wohl bewusst, da sie ab Einmündung Emscherweg den breiteren Gehweg befuhren, der allerdings nicht für das Radfahren freigegeben ist. Den gleichen Weg wählten sie am Nachmittag in umgekehrter Richtung. „Hier sind also heute schon dringend Maßnahmen geboten“, fordert der BBL-Sprecher.
Als einen weiteren Gefahrenpunkt hat der Bürgerblock schließlich den Einmündungsbereich Sölder Straße/Emscherweg ausgemacht. „Die Straßen sind gleichberechtigt, was aber von den Verkehrsteilnehmern ignoriert wird“, so Schlinkmann. „Mit zunehmendem Verkehr dürfte sich die Situation noch verschärfen. Auch hier ist eine verkehrsregelnde Maßnahme geboten, zumal die westliche Seite des Weges bis in den Kreuzungsbereich auf der gesamten Länge zugeparkt war und den Blick in die Straße behinderte.“

Der Bürgerblock will deshalb die Situation auf der Sölder Straße weiterhin kritisch beobachten und sich für die Schaffung sicherer Verkehrswege einsetzen.

Die Tabelle zeigt das genau Ergebnis der Verkehrszählung des Bürgerblocks.
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Dipl.-Journalist

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