Verwaltung verärgert Ehrenamtliche mit Einladung zum Tag des Ehrenamtes

Gut 200 geladene Gäste, die in den Vereinen, Verbänden und Institutionen Holzwickedes ehrenamtlich tätig sind, nahmen die Einladung der Gemeinde vor zwei Jahren zum ersten Tag des Ehrenamtes ins Forum wahr. (Foto: P. Gräber - Emscherblog.de)
Gut 200 geladene Gäste, die in den Vereinen, Verbänden und Institutionen Holzwickedes ehrenamtlich tätig sind, nahmen die Einladung der Gemeinde vor zwei Jahren zum ersten Tag des Ehrenamtes  ins Forum wahr. (Foto: P. Gräber - Emscherblog.de)
Gut 200 geladene Gäste, die in den Vereinen, Verbänden und Institutionen Holzwickedes ehrenamtlich tätig sind, nahmen die Einladung der Gemeinde vor zwei Jahren zum ersten Tag des Ehrenamtes ins Forum wahr. (Foto: P. Gräber – Emscherblog.de)

Manchmal ist gut gemeint das Gegenteil von gut: Mit einem Ehrenamtstag will die Gemeinde die Arbeit der zahlreichen ehrenamtlich tätigen Holzwickeder würdigen und ein kleines Dankeschön signalisieren. Ausgerechnet mit ihrer Einladung zu dieser Veranstaltung hat die Verwaltung nun viele der Ehrenamtlichen verärgert und vor den Kopf gestoßen.

Holzwickede ist eine Gemeinde mit vielen Vereinen und Institutionen, in denen ehrenamtliche Arbeit geleistet wird. Erklärtes Ziel aller Parteien im Rat ist es schon länger, die ehrenamtliche Arbeit zu würdigen und jenen, die sie leisten, die Anerkennung auszudrücken. Allerdings haben sich die Verantwortlichen von Anfang an schwer damit getan, eine gemeinsame Linie zu finden, wie das am sinnvollsten passieren sollte: Boni für kommunale Einrichtungen wie die Schöne Flöte oder die Bücherei? Gebührenerlass? Ehrenamtskarte Ja oder Nein?  Schließlich verständigte man sich vor zwei Jahren darauf, wenigstens einen Tag des Ehrenamtes durchzuführen. Neben Ehrenamtlichen aus den Vereinen und Institutionen wurde dazu auch der Film- und Theaterschauspieler Michael Trischan ins Forum eingeladen und – einen schöne Geste – Ratsmitglieder aller Fraktionen bewirteten die Ehrenamtlichen mit Getränken und einem Imbiss.

Gibt es Ehrenamtliche 1. und 2. Klasse?

In der Initiative "Mit Rat und Tat" aktiv: Gunther Siepmann. (Foto: P. Gräber - Emscherblog)
In der Initiative „Mit Rat und Tat“ aktiv: Gunther Siepmann. (Foto: P. Gräber – Emscherblog)

Nach nunmehr zwei Jahren hat die Gemeinde am Freitag (27. September) wieder zu einem Tag des Ehrenamtes eingeladen und die Vereine und Institutionen um „maximal fünf Rückmeldungen“ gebeten. Genau das ist bei vielen Ehrenamtlichen gar nicht gut angekommen: „Wie stellt man sich das bei der Gemeinde vor“,  fragt etwa Gunther Siepmann, der gemeinsam mit ca. 20 Mitgliedern der Initiative „Mit Rat und Tat“ bei der Tafelausgabe und in vielen weiteren Bereichen ehrenamtlich aktiv ist. „Soll ich jetzt etwa fünf Namen aus unserer Initiative auswählen und die anderen dürfen nicht kommen? Gibt es jetzt etwa Ehrenamtliche 1. und 2. Klasse?“

Man neige doch schnell dazu, wieder nur die Personen zu benennen, die ohnehin mehr in der Öffentlichkeit stehen, meint Gunter Siepmann: „Aber eigentlich ist es egal, welche Namen man nennt und wen man ausschließt. Es wird immer böses Blut geben.“ In der Initiative „Mit Rat und Tat“ wurde gestern über das Dilemma diskutiert. „Da kam natürlich sofort: ,Ja wenn das so ist, gehe ich da sowieso nicht hin‘“, berichtet Gunther Siepmann. Dies könne doch eigentlich nicht im Sinne der Gemeinde sein, die ihren Ehrenamtlichen etwas Gutes tun will.  

Auch mit anderen Ehrenamtlichen hat Gunter Siepmann schon gesprochen und ähnliche Rückmeldungen erhalten. Dass Fachbereichsleiter Matthias Aufermann nach einer Rückfrage erklärt habe, dass ausnahmsweise auch sieben Personen genannt werden dürften, findet Siepmann „sehr gnädig“, hilft ihm aber auch nicht weiter. „Ich kann ja verstehen, dass der Platz im Forum begrenzt ist.  Trotzdem kann ich das Argument nicht gelten lassen. Dann muss man eben in die Rausinger Halle wechseln oder noch eine weitere Veranstaltung anbieten. Allerdings denke ich, dass sowieso nicht so viele Ehrenamtliche teilnehmen werden an dem Ehrenamtstag.“  

Für seine Initiative „Mit Rat und Tat“ kann Gunther Siepmann jedenfalls nicht sagen, wie viele Ehrenamtliche teilnehmen werden oder ob überhaupt noch jemand am Ehrenamtstag teilnehmen wird.

Bürgermeisterin will Gespräch suchen

Ich freue mich sehr, wenn das Interesse so groß ist. Wir wollen ganz sicher niemanden ausschließen“

Bürgermeisterin Ulrike Drossel

Bürgermeisterin Ulrike Drossel zeigt sich auf Nachfrage überrascht von der Kritik der Ehrenamtlichen. Die Begrenzung auf maximal fünf Ehrenamtliche pro Initiative oder Verein rechtfertigt die Bürgermeisterin mit „brandschutztechnischen Gründen“, die nur eine begrenzte Zahl von Personen im Forum zulassen. „Wir wollten vermeiden, dass größere Vereine wie etwa der HSC schon so viele Plätze belegt, dass Einzelpersonen, die vielleicht etwas später aus dem Urlaub zurückkommen,  gar keine Möglichkeit der Teilnahme mehr haben. Das wäre sehr unglücklich. Schließlich haben wir ja sehr viele Vereine und Ehrenamtliche.“

Es sei aber „interessant“, wie die Einladungen „bei den Ehrenamtlichen wahrgenommen und diskutiert werden“, findet Holzwickedes Bürgermeisterin. „Es ist ja schön, wenn das Interesse bei den Ehrenamtlichen so groß ist. Vor zwei Jahren war das noch anders, da schienen sich viele Ehrenamtliche noch etwas zu genieren. Ich freue mich sehr, wenn das Interesse so groß ist. Wir wollen ganz sicher niemanden ausschließen“, verspricht Ulrike Drossel.

Nach der Kritik der Ehrenamtlichen „werden wir sicher nochmal mit ,Rat und Tat‘ sprechen“, kündigt die Bürgermeisterin an. Auf die Option, eventuell noch eine weitere Veranstaltung anzubieten, wollte sich die Bürgermeisterin noch nicht festlegen: „Warten wir erst einmal ab, wie viele Rückmeldungen von den Ehrenamtlichen insgesamt kommen. Anschließend können wir überlegen, ob wir eine andere Lösung finden müssen.“

Der Ehrenamtstag findet am Freitag, 27. September, ab 18 Uhr im Forum des Schulzentrums statt. Zunächst war ein Informationsprogramm mit einem Referenten geplant. In Abstimmung mit dem Ortsverband kultureller Vereine und dem Fachausschuss wurde das Programm geändert und der Fokus nun auf einen gemeinsamen Dialog und das Beisammensein der Ehrenamtlichen bei einem kleinen Imbiss liegen.

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Ehrenamtstag


Peter Gräber

Dipl.-Journalist

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